Junge zockt am Handy: 15.000 Euro Kosten

Von: Sarah-Lena Gombert
Letzte Aktualisierung:
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Durch das Herunterladen von Handyspielen und digitalen Zusatzinhalten hat ein Junge aus Stolberg innerhalb von einem Monat 15.000 Euro ausgegeben. Foto: imago/China Foto Press

Stolberg. Riesen, Kobolde, Walküren, Hexen und fliegende, feuerspeiende Drachen bevölkern die Welt des Smartphone-Spiels „Clash of Clans“. Was sich märchenhaft anhört, entpuppte sich für eine Stolberger Familie als wahrer Albtraum.

Weil der minderjährige Sohn, ohne es zu wissen, über vier Wochen zahllose kostenpflichtige Zusatzelemente für das Spiel herunterlud, wurde der Familie eine Menge Geld vom Konto abgebucht: insgesamt 15.000 Euro.

Weil die Eltern beide im März und April aus beruflichen Gründen viel unterwegs waren, hat der Sohn nach der Schule viel Zeit bei seinen Großeltern verbracht. Diese hatte nicht bemerkt, was genau ihr Enkel mit dem Smartphone so anstellte. Wochen verstrichen, ohne dass jemandem die Spiele-Bestellungen des Jungen auffielen.

„Meine Frau hatte als erste bemerkt, dass etwas nicht stimmt“, sagt der Vater der Familie, der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte. „Sie wollte einkaufen gehen, und unsere EC-Karten funktionierten nicht mehr.“ Die Konten des Stolberger Ehepaars waren geplündert, das Dispo ausgereizt.

Nicht nur den Einkauf konnte die Familie nicht bezahlen, auch andere Rechnungen wurden nicht beglichen. Mahnungen flatterten ins Haus. „Als er sah, wie verzweifelt seine Mutter wegen des fehlenden Geldes war, kam dann mein Sohn auf die Idee, dass es etwas mit seinen Handyspielen zu tun haben könnte“, erzählt der Stolberger Vater.

Der Mann überprüfte daraufhin seine Kontoauszüge. Was er dort sah, liest sich wie eine Einkaufsliste aus einem Fantasy-Roman: Eine Truhe voller Edelsteine: 99,99 Euro. Ein kleiner Haufen Edelsteine: 4,99. Hundertfach tauchen solche Posten auf den Auszügen der Familie auf. Hundertfach hat der Sohn solche Zusatzinhalte für sein Handyspiel heruntergeladen, ohne das jemand etwas merkte. Aber wie?

„Mein Sohn hat irgendwie das Passwort für meinen Zugang zum Google Play Store herausbekommen“, sagt der Vater. Über diesen „Google Play Store“ können Nutzer von Android-Smartphones, beispielsweise Samsung, alle möglichen Apps herunterladen. Kostenlose, und kostenpflichtige. Das Gegenstück für Iphones heißt übrigens „App Store“.

„Damit ich kostenpflichtige Apps herunterladen kann, ist mein ‚Play-Store-Zugang‛ mit meinem Konto bei ‚Paypal‛ verknüpft“, erklärt der Stolberger weiter. Das ist ein Online-Bezahl-Dienst, über den man im Internet Waren bestellen kann - auch virtuelle. „Paypal“ tritt in Vorleistung und bucht den entsprechenden Betrag dann vom Girokonto ab. So auch im Falle der Stolberger Familie.

„Ich habe sofort bei Google angerufen. In einem ersten Telefonat erklärte man mir, dass das häufiger vorkomme, und dass ich mir keine Sorgen machen soll“, sagt der Stolberger. Es kämen öfters Anrufe von Eltern, deren Kinder unerlaubterweise kostenpflichtige Inhalte herunterladen. Es verstrichen ein paar Tage, dann kam ein Rückruf von Google.

Der Betrag, den der Sohn verzockt hatte, sei zu hoch, als dass man das einfach Geld zurückerstatten könne. „Google ist in diesem Fall nur ein Zwischenhändler, die müssen ja auch die Spieleentwickler bezahlen“, sagt der Stolberger, und auf diesen Kosten hatte Google nicht sitzenbleiben wollen.

Doch die Sache wollte die Stolberger Familie nicht auf sich sitzen lassen. Zunächst ließ der Mann bei seiner Hausbank alle Kontobewegungen - „Paypal“ funktioniert über das Lastschriftverfahren - rückgängig machen. Ein Anwalt wurde eingeschaltet. „Unser Rechtsberater hat uns auch gleich erklärt, dass wir das Geld zurückbekommen werden, weil unser Sohn noch gar nicht geschäftsfähig ist“, sagt der Vater.

Die Familie konnte nachweisen, dass alle Transaktionen über das Handy liefen, das nur der minderjährige Sohn nutzte, keiner der Elternteile. Mehrere Schreiben gingen hin und her zwischen Anwalt, „Paypal“und der Hausbank der Stolberger Familie. Dieser Schriftverkehr liegt der Redaktion vor.

„Ende Juli haben wir dann schließlich von unserem Anwalt den erlösenden Brief bekommen“, sagt der Vater. In einem weitergeleiteten Schreiben, das die Familie vom Anwalt bekommen hat, steht: „Der Google Play Store hat alle Transaktionen zurückerstattet und den negativen Kontostand des ‚Paypal‛-Kontos ausgeglichen.“

Auch „Paypal“ selbst hat - allerdings nur aus Kulanzgründen, wie das Unternehmen betont - die Rückbuchungsgebühren erlassen. „Wir haben also nur die Kosten für den Anwalt zahlen müssen“, sagt der Stolberger, „und das ist im Vergleich zu dem Betrag zu Beginn dieses monatelangen Albtraums nun wirklich erträglich.“

Bei unserer Zeitung hat sich der Stolberger Vater gemeldet, weil er für andere Eltern ein warnendes Beispiel sein möchte: „Ich will, dass die Leute verstehen, was passieren kann, wenn die Kinder diese Spiele spielen. Viele merken ja gar nicht, was die Söhne und Töchter alles mit ihren Handys machen. Da sollte man aufmerksamer sein.“

Und was hat der Sohnemann selbst aus dieser Geschichte gelernt? Der Vater muss lächeln. „Sein Handy durfte unser Sohn trotzdem behalten. Aber er wird mit Sicherheit in seinem Leben nicht mehr solche Handyspiele spielen.“

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