„Jung lehrt Alt“: Schüler zeigen Senioren die digitale Welt

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Mit Feuereifer bei der Sache: Margot Lützeler und Resul Doga beim generationsübergreifenden Projekt „JuleA“ in der städtischen Gesamtschule Stolberg.

Stolberg-Münsterbusch. Die digitale Welt ist für so manche – auch heutzutage noch – ein unergründliches Mysterium. Wie schalte ich meinen PC an, ohne dass er sich ständig von alleine wieder verabschiedet? Wie schreibt man eigentlich eine E-Mail und was, um Himmels willen, war nochmal gleich ein Browser?

Viele ältere Menschen haben Schwierigkeiten damit und trauen sich, wenn es um technische Angelegenheiten dieser Art geht, nicht so recht über den Weg. 15 Stolberger Senioren haben jetzt im Rahmen des Projektes „Jung lehrt Alt“ (JuleA) den Schritt gemacht und sich der digitalen Welt geöffnet. Und stellten mit Hilfe fest: „So kompliziert ist das alles gar nicht!“ Wieder einmal zur Schule gehen, Schüler sein und etwas lernen.

Für die Teilnehmer des Projektes war diese Erfahrung so etwas wie eine Reise in die Vergangenheit – mit einem zentralen Unterschied: Im Vergleich zu früher, saßen sie nun mit ihren Handys, Tablets und Laptops in einem Klassenzimmer der städtischen Gesamtschule. Was zur damaligen Zeit unvorstellbar erschien, ist für die heutige Generation gar nicht mehr wegzudenken.

Die Schüler mit ihrem Know-how, die kurzerhand in die Rolle des Lehrers schlüpften, schauten ihnen beim Blick auf die Bildschirme über die Schulter: „Ich bin noch nie in eine Schulklasse gegangen, wo es mehr Lehrer als Schüler gab“, merkt ein Projektteilnehmer schmunzelnd an. Begonnen hat JuleA im vergangenen Jahr. Es geht darum, den Senioren auf technische Fragen eine Antwort zu geben: Wie speichere ich Kontakte ein? Wie benutze ich Whats App oder kopiere Bilder?

In einer entspannten Arbeitsatmosphäre und mit viel Ruhe und Geduld seitens der jungen Lehrer wurden so die Schüler mit dem Wissen vertraut gemacht: „An dem Projekt nehme ich jetzt schon zum zweiten Mal teil. Ich will wissen, wie ich mit dem PC oder dem Handy besser umgehen kann“, sagt Margot Lützeler. Sie ist mit ihren 80 Jahren der beste Beweis dafür, dass es auch im höheren Alter noch eine gute Sache ist, Neues zu erlernen: „Ich habe nicht nur Fortschritte gemacht, sondern ich bin im Umgang mit der Technik richtig fit geworden“, äußert sie mit Dankbarkeit gegenüber ihrem 15-jährigen Mentor Resul Doga.

Er ist einer der 16 jungen Menschen, die das sübergreifende Projekt innerhalb des Ergänzungskurses mitgestalteten: „Was für mich so selbstverständlich ist, wie zum Beispiel die Nutzung von Facebook, war für sie noch Neuland. Mir hat es super viel Spaß gemacht, die Dinge zu erklären“, erzählt der Neuntklässler.

An einem weiteren Tisch tüftelten Niklas Frink und Waltraud Müller an einem Startdilemma ihres Laptops: „Ich sage mir immer, wenn er zehn Mal hintereinander ausgeht, dann mache ich lieber etwas das mir Spaß macht, wie ein gutes Buch lesen. Wir sind ja auch ohne das Ganze groß geworden. Auf der anderen Seite kann man heute an der Sache nicht vorbeigehen“, findet Waltraut Müller, und ist deshalb auch hier.

Einmal pro Woche, über einen Zeitraum von zwei Monaten, fand JuleA an Stolbergs Gesamtschule statt. Benjamin Falkner, Betreuer des Projekts und Lehrer für Mathematik und Physik, zieht Bilanz: „Es war schön zu sehen, dass die Schüler so viel Freude hatten und eine andere Art der Wertschätzung erfahren haben, jenseits der Notenvergabe.“

Damit meint er das soziale Miteinander mit den älteren Damen und Herren: „Die Schüler haben einerseits etwas beigetragen. Andererseits war da jemand, der sich darüber gefreut hat und in Zukunft etwas mit den Informationen anfangen kann“, hebt Falkner hervor.

Ein gegenseitiges Geben und Nehmen also, welches am Ende im Beisein von Schulleiter Helge Pipoh und Klaus Wohnaut, Sponsor der Sparkasse Aachen, mit anschließender Urkundenübergabe gefeiert wurde. Erfreulich: Im kommenden Schuljahr wird das Projekt „Jung lehrt Alt“ in eine nächste Runde gehen.

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