Jugendliche sollen keine „Dauergäste“ vor Gericht werden

Von: slg
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Bürgermeister Tim Grüttemeier, Justizminister Thomas Kutschaty, SPD-Landtagsabgeordneter Stefan Kämmerling und Erster Beigeordneter Robert Voigtsberger haben sich im Rathaus ausgetauscht. Foto: Gombert

Stolberg. Damit aus Jugendlichen, die eine Straftat begangen haben, keine Wiederholungstäter werden, kommt es auf eine gute Zusammenarbeit der Kommune und der Justizbehörden an. Passende Maßnahmen für junge Straftäter anzubieten, das ist unter anderem die Aufgabe der Jugendgerichtshilfe.

Das wurde bei einem Treffen deutlich, das auf Einladung des Landtagsabgeordneten Stefan Kämmerling (SPD) am Donnerstag in Stolberg stattgefunden hat. NRW-Justizminister Thomas Kutschaty (SPD) hat sich mit Mitarbeitern der städtischen Jugendgerichtshilfe ausgetauscht.

„Nachdem wir uns im vergangenen Jahr die Gerichte in der Region angesehen haben, lag es für mich auf der Hand, auch mal das Fachgespräch mit den Jugendgerichtshilfen zu suchen“, erklärte Stefan Kämmerling. Nur unter Einbeziehung der Fachkompetenz vor Ort könne es gelingen, den Jugendlichen zu helfen.

„Dass Jugendliche nicht auf die schiefe Bahn geraten, ist in meinen Augen eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“, sagte der Minister. Wenn ein junger Straftäter vor einem Gericht lande, dann sei bis dahin schon viel schief gelaufen. „Die Gerichte wissen nur in der Theorie, was da passiert ist“, ist Kutschaty sich sicher. Die Mitarbeiter der Jugendgerichtshilfe vor Ort würden die Straftäter hingegen kennen: „Durch Sie wissen wir, dass es häufig junge Männer ohne Schulabschluss und ohne Perspektiven sind, die auf die schiefe Bahn geraten.“

Dass die Zusammenarbeit zwischen der Justiz und der Kommune wichtig sei, bestätigten auch Christian Meuskens und Renate Pütz, die sich in Stolberg um die Jugendgerichtshilfe kümmern: Wird ein junger Mensch beim Konsum von Drogen oder beim Dealen erwischt, gibt es nicht nur das Strafverfahren vor dem Jugendgericht. Stattdessen werden Seminare angeboten, bei denen die Jugendlichen auf die Gefahren von Rauschgift und Sucht aufmerksam gemacht werden sollen. Wer gewalttätig ist, bekommt ein Anti-Aggressionstraining aufgebrummt. Verschuldete Teenager müssen sich intensiv mit dem Umgang mit Geld befassen.

Wenige Straftäter sind rückfällig

„Unsere Maßnahmen sind alle gut besucht, und die Erfolgsquote kann sich sehen lassen“, berichtet Renate Pütz: Ein Großteil der straffällig gewordenen Jugendlichen komme kein zweites Mal. Die wirklich „hartnäckigen“ Fälle, die ständig rückfällig würden, machten vielleicht drei bis fünf Prozent der Gesamtsumme aus, erklärte Christian Meuskens. Um die Hilfe für die Jugendlichen effizienter gestalten zu können, arbeiten die Jugendgerichtshelfer nicht nur mit den Gerichten, sondern auch mit der Städteregion und den anderen Kommunen eng zusammen.

Die Seminare werden städteregionsweit koordiniert. Trotzdem: Während Minister Kutschaty von landesweit rückläufigen Zahlen der Jugendstraftaten spricht, liegt die Zahl der Delikte in Stolberg seit Jahren konstant zwischen 500 und 550. „Das sind aber nicht alles schlimme Straftaten“, erklärt Christian Meuskens. Denn auch das Schwarzfahren mit dem Bus sei eine Straftat. Viele der jungen Menschen, die in Stolberg straffällig werden, verstoßen gegen das Betäubungsmittelgesetz oder sind gewalttätig. „Die Zahl der Gewalttaten geht zwar insgesamt zurück“, sagt Renate Pütz. Doch die Gewalttaten würden tendenziell an Brutalität zunehmen.

„Von der Politik würden wir uns wünschen, dass es am Amtsgericht in Eschweiler eine höhere Kontinuität bei den Jugendrichtern gibt“, sagte Christian Meuskens. Der häufige Richterwechsel erschwere die Zusammenarbeit für die Jugendämter. „Zwar sind die Gesetze, nach denen die Richter entscheiden, gleich. Doch jeder Richter legt das Recht ein bisschen anders aus“, so der Jugendgerichtshelfer. Minister Kutschaty betonte, dass auch die Justizbehörden großes Interesse an Kontinuität haben. Er räumte aber ein, dass sich aber Richterwechsel nicht vermeiden ließen.

„Man redet beim Jugendstrafrecht immer über die Problemfälle“, bemerkte Bürgermeister Tim Grüttemeier. Dabei sei es genauso wichtig zu betonen, was für eine gute Arbeit die Jugendgerichtshilfen in einer Stadt wie Stolberg leisten.

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