Stolberg - Jugendliche mit früher Hilfe vor dem Rechtsextremismus schützen

Jugendliche mit früher Hilfe vor dem Rechtsextremismus schützen

Von: Michael Grobusch
Letzte Aktualisierung:

Stolberg. Die Frage ist bereits formuliert, die Antwort aber wird offen gelassen: „Mein Kind - rechtsextrem?” steht auf dem Flyer, mit dem die Stadt Stolberg jetzt auf einen ganz besonderen Beratungsservice hinweisen möchte.

In Zusammenarbeit mit dem Informations- und Dokumentationszentrum für Antirassismus in Nordrhein-Westfalen (IDA) können Eltern, Freunde oder andere Bezugspersonen Hilfe suchen, wenn sie den Verdacht oder die Sorge haben, dass ein Jugendlicher in die rechtsextreme Szene abzurutschen droht.

„Es geht nicht darum, junge Menschen aus dem rechten Milieu herauszuholen. Dafür gibt es spezielle Aussteigerprogramme”, betont Jugendamtsleiter Willi Seyffarth. Im Sinne der Prävention soll das Beratungsangebot vielmehr greifen, bevor gefährdete Personen in den Sog der braunen Ideologie geraten.

Der erste Kontakt wird auch für Stolberger über die Beratungszentrale des IDA in Köln hergestellt. „Dort sitzen Fachkräfte, die eine erste Einschätzung der Situation vornehmen, ehe sie an uns verweisen”, beschreibt Seyffarth den grundsätzlichen Ablauf. Im Stolberger Rathaus wiederum gibt es zwei speziell fortgebildete Mitarbeiter, die sich um Problemfälle, die im rechten Milieu angesiedelt sind, kümmern. „Unser Ziel ist es, dass die Eltern oder Freunde irgendwann mit dem Jugendlichen zur Beratung kommen. Doch bis dahin ist es manchmal ein weiter Weg.”

Nicht immer muss dieser Weg auch tatsächlich beschritten werden, denn mitunter reicht auch die telefonische Beratung, um Hilfe zu geben oder Missverständnisse auszuräumen. Zum Beispiel dann, wenn sich die verdächtigen Symbole im Zimmer des Sohnes als harmlos entpuppen oder die Musik, die die Tochter hört, weit entfernt ist von Neonazi-Bands. Auch Pädagogen können die Beratung nutzen, wenn sie in der Schule Auffälliges beobachten.

In der gesamten Städteregion

Das soll in Zukunft in allen Kommunen der Städteregion möglich sein. „Wir wollen ein Netzwerk aufbauen, dass es den Hilfesuchenden ermöglicht, auch anonym und in einer anderen Stadt Kontakt aufzunehmen. Das erleichtert in manchen Fällen, die Hemmschwelle, die durch das Thema bedingt ist, zu überwinden”, so der Jugendamtsleiter.

Über das Gespräch hinaus bietet die Stadt Stolberg auch praktische Hilfen an. Die Hilfe zur Erziehung etwa kann in vielen Fällen ein adäquates Mittel sein, um Eltern, die sich durch den Kontakt ihres Kindes mit der rechtsextremen Szene überfordert sehen, zu stärken.

Generell rät Willi Seyffarth, das Thema Rechtsextremismus auch im eigenen Haushalt nicht zu bagatellisieren und im Zweifelsfall auf das Beratungsangebot von IDA und Stadt Stolberg zurückzugreifen. „Erste Anzeichen für eine rechtsextreme Orientierung sollten ernstgenommen und Hinweise aus dem Freundes- und Bekanntenkreis oder aus der Schule nicht ignoriert werden.”

Beratung kostenlos und vertraulich

Die Hotline der IDA-Beratungsstelle ist unter 0211/1592555 zu erreichen - Montag bis Donnerstag von 9 bis 16.30 Uhr und Freitag von 9 bis 13 Uhr.

Die Beratung ist kostenlos und streng vertraulich.
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