Jugendamt will Tür zur Bildung weit öffnen

Von: Michael Grobusch
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„Clownerike” brachte das Zie
„Clownerike” brachte das Ziel des Projektes gestern in der Stadtbücherei anschaulich-unterhaltsam rüber. Die Kinder aus den Familienzentren Breinigerberg, Mausbach und Bergstraße waren zusammen mit Sandra Schilling von der Koordinationsstelle gegen Kinderarmut aufmerksame Zuschauer. Foto: M. Grobusch

Stolberg. Es dominiert die typische Atmosphäre an diesem Morgen im Untergeschoss des Kulturzentrums Frankental. Ruhe ist angesagt, und wenn denn gesprochen wird, dann bitteschön im Flüsterton. Willkommen in der Stadtbücherei: Das galt am Donnerstag in erster Linie für die Vorschulkinder der Familienzentren Breinigerberg, Mausbach und Bergstraße.

Sie hatten die Ehre - und auch das Vergnügen -, beim offiziellen Start des Pilotprojektes Leseförderung dabei zu sein. Es wird vom Stolberger Jugendamt zunächst in drei Einrichtungen initiiert und soll mittelfristig auf alle Kindertagesstätten im Stadtgebiet ausgedehnt werden.

„Lesen ist der Schlüssel zur Bildung. Und Bildung ist die Grundlage für eine positive Lebensentwicklung”, nennt Josef Offergeld den Kerngedanken und zugleich die Antriebsfeder der Aktion, die den Spaß am Lesen und Schreiben möglichst früh vermitteln will. Dabei wird der Fokus zwar auf die Kinder aus sogenannten bildungsfernen Familien gerichtet, was schon daran zu erkennen ist, dass das Projekt von der Koordinationsstelle gegen Kinderarmut betreut wird. „Aber es profitieren natürlich alle Beteiligten”, tritt der Abteilungsleiter einer möglichen Stigmatisierung entgegen.

Dafür sollen auch die ehrenamtlichen Lesepaten sorgen, die ab dem neuen Kindergartenjahr mindestens einmal pro Woche die von ihnen ausgewählte Kita aufsuchen und mit den Vorschulkindern lesen werden. Die drei Einrichtungen, die sich am Donnerstag in der Stadtbücherei getroffen haben, können schon auf erste Erfahrungen zurückgreifen - sehr gute Erfahrungen, wie Sandra Schilling von der Koordinationsstelle berichtet. „Ich habe den Eindruck, dass alle, die mitgemacht haben, sehr interessiert waren und um die Bedeutung des Lesens wissen.”

So soll es bei immer mehr Kindern in Stolberg sein - zunächst im Vorschulalter, in einem zweiten Schritt aber darüber hinaus. „Je früher desto besser”, meint Josef Offergeld. Deshalb ist geplant, auch jüngere Kinder in das Programm aufzunehmen. Und nicht nur das: „Wir haben erste Gespräche mit Grundschulleitern geführt. Wir können uns sehr gut vorstellen, dass wir die Leseförderung auch auf diese Zielgruppe ausdehnen.” Neben dem Lernprozess setzt er dabei auf einen sozialen Effekt. Beispielsweise könnten Grundschüler Lesepatenschaften in Kitas übernehmen.

Dass dort auch jetzt schon gelesen wird, ist für Offergeld eine Selbstverständlichkeit. „Wenn aber jemand von außen kommt, sorgt das für einen zusätzlichen Impuls und einen noch höheren Stellenwert.” Nicht zuletzt hätte das „flankierende Angebot” eine angenehme Nebenwirkung: „Durch die ehrenamtliche Unterstützung werden die Erzieherinnen entlastet.”

Kleines Geschenk, große Wirkung

Und dann wird es plötzlich laut in der Stadtbücherei. Ulrike Dupont ist eingetroffen und sorgt als „Clownerike” für gute Laune bei den Vorschulkindern.

Auf humorvolle und äußert nette Art vermittelt sie den Kindern, wie unterhaltsam und wertvoll Lesen sein kann. Eine Lesepatin hat sie auch mitgebracht: Nicole liest der „Clownerike” den „Verlieblichkeitsbrief” vor, den sie im Briefkasten gefunden hat. Die Kinder sind begeistert.

Zum Abschluss des kleinen Programms gibt es Bücher für die zukünftigen Erstklässler. Was als kleines Geschenk überreicht wird, kann durchaus große Wirkung haben. „Es gibt viele Familien, in denen es keine Selbstverständlichkeit ist, auch einmal ein Buch geschenkt zu bekommen”, weiß Josef Offergeld. Weil das so ist, hat er mit seiner Kollegin Sandra Schilling ganz gezielt die Stadtbücherei für die Auftaktveranstaltung gewählt. Denn die pralle Auswahl in den Regalen führt den Kindern eindrucksvoll vor Augen, welche Möglichkeiten die Ausleihe der Stadt Stolberg bietet. Bücher lesen heißt also nicht zwangsläufig Bücher kaufen - auch das ist eine wichtige Botschaft, die das Projekt vermitteln will.

Jugendamt sucht ehrenamtliche Paten

Für das Projekt Leseförderung sucht das Jugendamt der Stadt Stolberg ehrenamtliche Lesepaten. Sie werden über die Koordinationsstelle gegen Kinderarmut an die Kindertagesstätten im Stadtgebiet vermittelt.

Ansprechpartnerin im Rathaus ist Sandra Schilling. Sie ist erreichbar unter der Telefonnummer 13357 sowie per E-Mail: sandra.schilling@stolberg.de .
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