Stolberg - Jugendamt: Mehr Personal, mehr Beratung, weniger Kosten

Jugendamt: Mehr Personal, mehr Beratung, weniger Kosten

Von: Jürgen Lange
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Wenn Jugendliche Hilfe brauche
Wenn Jugendliche Hilfe brauchen: Eine verbesserte Personalausstattung im Jugendamt ermöglicht eine intensivere Betreuung; dies hilft der Stadt, (Folge-)Kosten zu vermeiden. Foto: imago

Stolberg. Mit einem Volumen von rund 1,5 Millionen Euro trägt der pflichtige Bereich des Jugendamtes zur Konsolidierung des Haushaltes im Rahmen des Stärkungspaketes bei. „Das ist vor allem ein Erfolg davon, dass der Rat uns zusätzliche Mitarbeiter zur Verfügung gestellt hat”, sagt Willi Sey­f­farth.

„Mehr Personal bedeutet eine verbesserte Beratung der Kunden, das verringert die Fallzahlen und senkt die Kosten”, erklärt der Fachbereichsleiter.Vor drei Jahren hatte die Gemeindeprüfungsanstalt die Stadt darauf hingewiesen, dass es sich für sie unter dem Strich rechnet, mit einer verbesserten personellen Ausstattung die individuellen Kosten der Kundschaft zu reduzieren.

Um mittlerweile drei Stellen ist der Allgemeine Soziale Dienst verstärkt worden; hinzu kommt jetzt eine auf zwei Jahre befristete Position in der mobilen Jugendarbeit und ein Fallrevisor, der insbesondere die Unterbringung von Jugendlichen in Heimen noch intensiver unter die Lupe nehmen soll. Aus pädagogischer Sicht sollen sogenannte Heimkarrieren vermieden, aus finanzieller Sicht Kosten eingedämmt werden. Immerhin schlägt ein Platz in einem Heim mit rund 4500 Euro jeden Monat zu Buche. Von 99 Jugendlichen, die 2009 in einem Heim untergebracht sind, sank die Zahl auf 67 im Dezember vergangenen Jahres. Von den im Haushalt eingeplanten 4,5 Millionen können 700.000 Euro nach den aktuellen Prognosen eingespart werden.

Der Unterbringung in Pflegefamilien gibt der Jugenddezernent nicht nur aus fachlichen Gründen den Vorzug. Die Kosten fallen mit rund 680 Euro pro Monat deutlich geringer aus. Dank verbesserter Betreuung sanken auch die Fallzahlen in der Familienpflege von 112 auf 86 Jugendliche. Im Haushalt stehen 844 000 Euro dafür. „Für uns ist die Heimunterbringung eine wichtig Stellschraube”, sagt der Fachbereichsleiter. „Je häufiger wir sie vermeiden können, um so besser ist das für die Betroffenen ebenso wie für den Haushalt”.

Wieder Strukturen in ungeordnetes Leben und Tagesabläufe einer Familie zu bringen, ist die Aufgabe der Sozialpädagogischen Familienhilfe. Auch bei diesem Produkt macht sich der intensive Einsatz von Sozialarbeitern bezahlt. „Bevor wir freie Träger mit einem Fall betreuen, können wir heute mit eigenen Kräften eine Familie länger begleiten”, erläutert Seyffarth. Bei vielen Kunden ist die Hilfestellung durch den ASD bereits ausreichend erfolgreich, so dass auf eine weitere ambulante Begleitung verzichtet werden kann. „Wir haben standardisierte Verfahren einführen können, die eine längere Betreuung durch unsere Fachleute ermöglichen”, so Seyffarth weiter. Das lässt sich auch in Zahlen ausdrücken. Von 179 (in 2009) auf 92 Fälle im Dezember sank der Bedarf. Die geplante Ansatz von 1,4 Millionen kann um 0,52 Millionen Euro reduziert werden.

Auch bei vielen kleineren Produkten des Haushaltes lässt sich dieses Prinzip ablesen. Etwa bei der Betreuung junger Eltern und Elternteile, die mit ihrer Situation überfordert sind und Hilfestellung brauchen, um in ein selbstverantwortetes Leben zu finden. Ober bei jungen Erwachsenen, die oft aus schwierigen Elternhäusern kommen und eine Begleitung brauchen, um auf eigenen Beinen stehen zu lernen.

In solchen Fällen helfe eine intensivere und frühzeitige Betreuung durch eigene Kräfte, die Probleme schneller und für die Stadt günstiger zu lösen. Beispielsweise um 80 000 Euro reduziert werden können die mit 430 000 Euro kalkulierten Erziehungsbeistände, um 5000 Euro die mit 17 000 Euro kalkulierte Einzelfallhilfe und um 65 000 Euro die mit 390 000 Euro kalkulierten Hilfen bei seelisch behinderten Kindern.

Ein Risiko bleibt

„Dabei wirkt sich auch das Netzwerk der frühen Hilfen positiv aus”, sagt der Jugenddezernent. Der Kontakt zu den Fachleuten des Jugendamtes erfolgt früher, die Möglichkeiten zum Eingreifen und Gegensteuern sind größer und nachhaltiger. Das lasse sich beispielsweise an den Fällen der Inobhutnahme ablesen, wenn Kinder einige Tage aus einer Familie herausgenommen werden müssen, um die Wogen glätten und die Familie wieder stabilisieren zu können: Um knapp 25 Prozent auf 31 wurden die Fallzahlen reduziert.

Aus Sicht der Verwaltung der Finanzen im Jugendamt mache sich im Rahmen der Einführung des Neuen Kommunalen Finanzmanagements auch das it-basierte Fallmanagement positiv bemerkbar. Die Entwicklung des Aufwandes sei ebenso besser im Blick wie das Nachhalten und Planen weiterer Maßnahmen und Schritte.

Doch letztlich, darauf macht Willy Seyffarth aufmerksam, ist der pflichtige Bereich der Jugendhilfe abhängig von der Entwicklung des Klientel in der Kupferstadt. Den Zu- oder auch Abzug von Personen mit einem gesetzlichen Anspruch auf derartige Leistungen könne das Jugendamt nicht beeinflussen. Damit orientiert sich das Konsolidierungspotenzial aus diesem Bereich an aktuellen Erkenntnissen und bleibt Schwankungen unterworfen.
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