Jugendamt: Kinder und Jugendliche schützen

Von: Dirk Müller
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Die Informationsveranstaltung des Stolberger Jugendamts stößt auf große Resonanz auch seitens der Vereine. Foto: D. Müller

Stolberg. Das Interesse an der Informationsveranstaltung ist groß gewesen. Unter den Anwesenden im Ratssaal befanden sich zahlreiche Vertreter von Stolberger Vereinen – erfreulicherweise, denn diese können die Vereinbarung meist freiwillig unterschreiben, während anerkannte freie Träger künftig dazu verpflichtet sind.

Die Rede ist von der „Vereinbarung zum Schutz von Kindern und Jugendlichen durch Tätigkeitsausschluss einschlägig vorbestrafter Personen“. Und der damit verbundenen Vorlage von erweiterten Führungszeugnissen von Nebenberuflern und Ehrenamtlern, die in der Jugendarbeit tätig sind.

Käthe Büchel, Michael Bosseler und Adnan Akyamann-Wagner vom Stolberger Jugendamt stellten das Prozedere vor, das auch deswegen komplex ist, weil der entsprechende Paragraf 72a des Sozialgesetzbuches VIII es den Trägern beziehungsweise Vereinen überlässt, festzustellen, welche Personen das erweiterte Führungszeugnis vorlegen müssen oder sollen. „Anerkannte Träger wie etwa das Deutsche Rote Kreuz oder die Kirchen müssen die Vereinbarung zur Verhinderung von Kindeswohlgefährdung unterzeichnen. Vereine sind nur dann betroffen, wenn sie Fördermittel vom Jugendamt erhalten, und das sind die wenigsten“, erklärte Bosseler vorab.

Die Vertreter des Jugendamts warben jedoch dafür, dass Vereine freiwillig die Vereinbarung zeichnen. „Ehrenamtler leisten in den Vereinen großartige Arbeit, was niemand anzweifelt. Die Vereinbarung hat einzig und allein den Sinn, Kinder und Jugendliche zu schützen“, hob Akyamann-Wagner hervor. „Mit der Unterzeichnung gewinnen die Vereine ein Qualitätsmerkmal und können demonstrieren, dass das Wohl der Kinder ihnen wichtig ist“, sagte Büchel, und Bosseler stellte in Aussicht, dass dies bald mit einem noch zu entwickelnden Logo als Zertifikat gezeigt werden könne. Die Vorlage des Führungszeugnisses geschehe unter strikter Wahrung des Datenschutzes.

Zunächst gilt es für Träger und Vereine einzuschätzen, wer ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen muss. Personen, die Kinder und Jugendliche beaufsichtigen, betreuen, erziehen oder ausbilden, kommen zum Beispiel in Frage, wenn zwischen den Ehrenamtlichen und den Teilnehmenden ein Vertrauens- oder Machtverhältnis besteht. Wird die ehrenamtliche Tätigkeit alleine ausgeübt, ist vor öffentlichen Blicken geschützt und hat einen hohen Grad an Intimität, etwa Aufsicht beim Duschen, ist das Gefährdungspotenzial für Kinder und Jugendliche groß. Gleiches gilt bei intensiver Betreuung über einen längeren Zeitraum wie in Ferienlagern oder bei mehrtägigen Fahrten.

Ein Prüfschema, das im Internet zur Verfügung steht, hilft dabei, herauszufinden wer ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen muss, das keine der relevanten Einträge beinhalten darf (siehe Infokasten). „Bei Unsicherheiten sollte im Zweifel das Führungszeugnis angefordert werden, denn die Priorität liegt eindeutig auf dem Wohl der Kinder“, appelliert Bosseler und versichert, dass Ehrenamtlern dadurch keine Kosten entstehen. „Wer die Jugendarbeit von einem Vorstandsmitglied des Vereins bestätigen lässt, wird von Gebühren befreit und erhält sein erweitertes Führungszeugnis vom Bürgeramt kostenlos.“

Nach Antragstellung liegt das Führungszeugnis in der Regel nach ein bis zwei Wochen vor. Wird die ehrenamtliche Tätigkeit spontan und kurzfristig ausgeübt, so dass eine rechtzeitige Einsichtnahme in ein erweitertes Führungszeugnis nicht erfolgen kann, genügt es, wenn Träger oder Vereine eine persönliche Verpflichtungserklärung abgeben, die ebenfalls online zu finden ist.

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