Jürgen Becker: Von Jesus über die Bienen bis zur Kanzlerin

Von: Dirk Müller
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Jürgen Becker in Stolberg: Den aus Fernsehen und Radio bekannten Kabarettisten live im Zinkhütter Hof zu genießen, war für das Publikum ein Erlebnis, bei dem kein Auge trocken blieb. Foto: D. Müller

Stolberg. Wenn jemand Sigmund Freuds These, wie die menschliche Psyche funktioniert, ins rheinländische übersetzen kann, dann ist es Jürgen Becker. Seine Adaption „dat Mich, dat Dat, dat Övver Mich“ amüsierte das Publikum im Museum Zinkhütter Hof denn auch prächtig.

Überhaupt blieb kein Auge trocken an dem Abend, an dem Becker sein Programm „Volksbegehren – die Kulturgeschichte der Fortpflanzung“ in Stolberg präsentierte, denn mit dem aus TV und Radio bekannten Kabarettisten hatte das Kulturmanagement Max Krieger in Kooperation mit der Kleinkunst Initiative Euregio einen echten Hochkaräter in die Kupferstadt geholt.

Dementsprechend groß war die Resonanz, als Jürgen Becker im Rahmen des städtischen Kulturprogramms eine Pointe nach der anderen abfeuerte. Im Mittelpunkt stand der Fortpflanzungstrieb, der bei länger verheirateten älteren Paaren mitunter nachlasse. „Die machen dann Nordic Walking und sind damit auch zufrieden“, meinte der Kölner Kabarettist. Um derartiges zu verhindern, biete es sich an, Sex mit Humor zu würzen. Wenn sie zum Beispiel frage, „findest du mich in dem Kleid zu dick?“, und er antworte, „keine Sorge, Schatz, das liegt nicht an dem Kleid“, herrsche doch gleich eine ganz andere Stimmung.

Becker verblüffte das begeisterte Publikum mit Betrachtungen der Antike und auch der Natur. So vermehre die Blattlaus sich ohne Sex. In kürzester Zeit könne sie Hunderte von Kindern produzieren – unehelich. „Das schafft sonst nur Franz Beckenbauer.“

Geistreich schlug er den Bogen zu Jesus Christus, der auch ohne vorherigen Sexualakt entstanden sei, und machte anschließend einen Exkurs zu den Bienen, bevor er sich wieder den Menschen widmete: „Bei den Bienen kann nur die Königin Kinder bekommen. Stellen Sie sich das mal bei uns vor. Wenn wir uns vermehren wollen müssten alle Männer mit Angela Merkel schlafen – ich glaube nicht, dass die das will.“

Gekonnt streute Becker deutliche Seitenhiebe in Richtung Pegida-Bewegung und AfD in sein Programm ein, klärte ferner über „die Wichtigkeit des Bofrost-Manns“ in der evolutionären Entwicklung des Menschen auf.

Er selbst wunderte sich, dass in deutschen Büros überhaupt noch gearbeitet werde, da laut einer Studie 70 Prozent der in der BRD heruntergeladenen pornografischen Inhalte werktags zwischen 9 und 17 Uhr aus dem Internet gesaugt werden. „Da bekommt das Wort Gleitzeit eine ganz neue Bedeutung.“

Welchen Stellenwert das Thema Fortpflanzung schon bei sehr jungen Menschen hat, verdeutlichte Becker mit einem Dialog zweier Kinder in ihrer Tagesstätte. „Ich habe gestern ein Kondom auf unserer Terrasse gefunden“, sagt das eine Kind, worauf das andere völlig verwirrt fragt: „Was ist eine Terrasse?“ Der Kabarettist scheute nicht davor zurück, auch brisante Themen wie die Silvesternacht 2015/2016 in Köln anzusprechen. „Seit besagter Nacht steht Köln leider für zwei Dinge: Inkompetenz und sexuelle Übergriffe. Damit ist Köln so etwas geworden wie Lothar Matthäus als Stadt“, meinte Jürgen Becker.

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