Josef Beuys lebt in der Kupferstadt weiter

Von: Dirk Müller
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Der Stolberger Künstler Hartmut Ritzerfeld ist Meisterschüler von Joseph Buuys, und seine Werke sind bei der ersten Artibus-Ausstellung in diesem Jahr zu sehen. Foto: D. Müller
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Der Stolberger Künstler Hartmut Ritzerfeld ist Meisterschüler von Joseph Buuys, und seine Werke sind bei der ersten Artibus-Ausstellung in diesem Jahr zu sehen. Foto: D. Müller

Stolberg. Er ist bis heute weltbekannt, hoch verehrt und nach wie vor umstritten: Heute vor 30 Jahren ist der Künstler Joseph Beuys in Düsseldorf gestorben. Beuys gilt als einer der bedeutendsten Aktionskünstler des 20. Jahrhunderts, seine Verwendung von Materialien wie Fett und Filz sind unvergessen.

Doch Beuys war nicht nur Bildhauer, Zeichner und Aktionskünstler, sondern auch Kunsttheoretiker und lehrte als Professor an der Kunstakademie Düsseldorf. Deutliche Spuren hat Beuys auch in der Kupferstadt hinterlassen, denn Stolberger Künstler wie Emil Sorge oder Franz-Bernd Becker besuchten die Düsseldorfer Kunstakademie.

Venn-Akademie gegründet

Als der Breiniger Künstler Win Braun zusammen mit dem Beuys-Schüler Herbert Klär vor eineinhalb Jahren die legendäre Venn-Akademie wieder aufleben ließ, meinte Klär: „Der erweiterte Kunstbegriff mit seiner sozialen Komponente spielt in der Venn-Akademie eine wichtige Rolle.“ Beuys sah die „Soziale Plastik“ als Gesamtkunstwerk. „Jeder Mensch ist ein Künstler und kann somit Kunst hervorbringen“, lässt sich Beuys‘ Theorie auf den Punkt bringen.

Denken ist ein Kunstwerk

Schon das menschliche Denken sei eine Kreation und ein Kunstwerk. Ein plastischer Vorgang, der mit Kommunikation etwa als Schallwelle oder Schrift sowohl eine soziale Komponente als auch Form erhalte, postulierte Beuys. Es ist eben jener erweiterte Kunstbegriff, der auch Künstler wie Pater Laurentius Englisch beeinflusst, dessen Werke mehrmals im Stolberger Karmelitinnen-Kloster in Zweifall zu sehen waren. Und den wohl bedeutendsten lebenden Beuys-Schüler Hartmut „Hacki“ Ritzerfeld.

Für den künstlerischen Werdegang des Büsbachers war es sicher förderlich, Meisterschüler von Joseph Beuys zu sein – noch wichtiger für Ritzerfeld war es, sich aus dem Schatten des Meisters zu lösen, individueller Künstler zu sein, seinen eigenen und unverwechselbaren Stil zu entwickeln. Nicht zuletzt der schwelende Konflikt zwischen der Lehre und dem Einfluss von Beuys und dem Beharren auf Eigenständigkeit prägt den Menschen Hartmut Ritzerfeld und damit auch seine Kunst.

Stolberg hat viele beachtenswerte Künstler hervorgebracht, doch „Hacki“ Ritzerfelds Karriere überstrahlt die Kupferstädter Kunstszene.

Zuerst Lehre gemacht

1950 in Büsbach geboren, wurde Ritzerfeld von 1965 bis 1968 zunächst als Schaufensterdekorateur ausgebildet. Von 1969 bis 1976 studierte er an der Kunstakademie Düsseldorf bei Joseph Beuys Malerei, Objekt- und Aktionskunst und bei Karl Kneidl Bühnenbild. 1975 wurde Ritzerfeld Meisterschüler von Beuys, nach der Zeit in Düsseldorf folgte ein Studienaufenthalt in Zürich. „Hacki“ Ritzerfeld lebte darauf kurze Zeit in Aachen, kehrte aber bald nach Stolberg zurück und gründete die Venn-Akademie mit den eingangs erwähnten Künstler-Kollegen Win Braun, Emil Sorge und Franz-Bernd Becker.

Die Venn-Akademie drückte nicht nur die Heimatverbundenheit der vier Künstler aus, sondern bildete begrifflich auch den ländlichen Gegenpol zur urbanen Düsseldorfer Kunstakademie. Die Kunstwerke des Beuys-Meisterschülers Ritzerfeld waren bereits quer durch die Bundesrepublik zu sehen, und „Hackis“ Schaffen wurde auch im Ausland gewürdigt. Etwa bei Ausstellungen Belgien und den Niederlanden, in Österreich und der Schweiz.

Hervorzuheben sind Ausstellungen des Stolberger Künstlers in Russland, Spanien und den USA. In der Kupferstadt sind Ritzerfelds Werke permanent im Europäischen Kunsthof an der Hostetstraße 54 in Büsbach zu sehen, der samstags und sonntags seine Pforten jeweils von 12 bis 17 Uhr öffnet.

Und auch die städtische Kunstausstellungsreihe „Artibus“ wird in diesem Jahr mit dem Meisterschüler von Joseph Beuys eröffnet, wenn die erste Schau von Sonntag, 13. März, bis Sonntag, 3. April, dienstags bis sonntags von 15 bis 18 Uhr die Werke von Hartmut Ritzerfeld in der Burg-Galerie zeigen wird.

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