Stolberg - Josef A. Belau: „Zusammenhalt der Jecken ist einmalig“

Josef A. Belau: „Zusammenhalt der Jecken ist einmalig“

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Josef Behlau lenkt seit 1998 die Geschicke des Karnevalskomitees der Stadt Stolberg, das sein 6x11-jähriges Bestehen feiert. Foto: D. Müller

Stolberg. Am heutigen Samstag erlebt die närrische Kupferstadt eine Europa-Premiere, und am morgigen Sonntag feiert das Karnevalskomitee der Stadt Stolberg eine Jubiläumsmatinee, denn das Komitee wird 6x11 Jahre alt. Mit Josef Behlau, der seit 1998 Präsident des Stolberger Karnevalskomitees ist, sprach Dirk Müller über das jecke und traditionelle Brauchtum Fastelovvend.

Warum hat sich das Karnevalskomitee gegründet?

Behlau: Unter dem damaligen Namen „Ausschuss Stolberger Karneval“ wurde das Komitee am 30. August 1951 gegründet, um das Brauchtum zu fördern und in seiner Ursprünglichkeit zu erhalten. Ziel war es die Stolberger Karnevalsgesellschaften zusammenzubringen, sie als Gemeinschaft zu vertreten und gemeinsame Aktionen, allen voran den Stolberger Rosenmontagszug, zu veranstalten.

Bald darauf erfolgte der Beitritt des Kupferstädter Komitees zum Bund Deutscher Karneval BDK. In dem bundesweiten Dachverband wurde das Stolberger Komitee ein eigenständiger Regionalverband – und ist es bis heute, was ein großer Vorteil ist.

Inwiefern ist das ein Vorteil?

Behlau: Wir sind als Regionalverband stimmberechtigtes Mitglied beim Bund Deutscher Karneval und bekommen Informationen vom BDK aus erster Hand. Für die derzeit 13 dem Komitee angeschlossenen Gesellschaften bedeutet das kurze und persönliche Wege. Bei 13 Gesellschaften geht es halt familiärer zu als bei Regionalverbänden mit mehr als 100 Mitgliedsgesellschaften. Davon profitiert der Stolberger Karneval.

Eine legendäre Veranstaltung des Komitees war einst der Frühschoppen. Warum gibt es ihn nicht mehr?

Behlau: Der Komitee-Frühschoppen hat seinerzeit bis zu 1000 Gäste in die Stadthalle gelockt, aber Anfang der 1990er Jahre ließ der Zuspruch stark nach. Die Zeit des Komitee-Frühschoppens war einfach vorbei. Der Karneval hat sich in den vergangenen 66 Jahren gewandelt, und insbesondere der Sitzungskarneval hat es immer schwerer, die Säle und Festzelte zu füllen. Aber auch das Komitee hat sich gewandelt und ist dynamisch. So waren zur Prinzenvorstellung früher nur Präsidenten der Gesellschaften in eine Gaststätte eingeladen.

Dann hat das Stolberger Karnevalskomitee die Veranstaltung vergrößert und für alle Jecken geöffnet. Zunächst in den Katakomben und dann im halben Saal des Jugendheims Münsterbusch. 1998 sind wir dann mit Erfolg in den großen Saal gewechselt, und die KG Mönsterböscher Jonge hat dankenswerter Weise die Bewirtung übernommen. Seit dieser Zeit zählt die Prinzenvorstellung des Komitees zu den Höhepunkten in der Stolberger Karnevalssession.

Wieso hat der Sitzungskarneval es heutzutage schwerer als früher?

Behlau: Die Nachfrage ist nicht größer geworden, aber das Angebot schon. Heute gibt es einfach mehr Sitzungen sowohl in den Stolberger Sälen und Zelten, als auch kostenlos im Fernsehen. Und besonders bei den TV-Sitzungen aus Köln werden wir überflutet mit musiklastigen Programmen und Rambazamba.

Oftmals verwechselt das Publikum eine Sitzung mit einer Party und ist nicht mehr so aufmerksam, wie in früheren Zeiten. Das entmutigt viele Redner – stattdessen treten dann Comedians auf, die nicht in der alten Tradition der Büttenredner stehen. Das sehe ich mitunter kritisch, weil es nicht immer gut geht.

Wie ist Ihr eigener karnevalistischer Werdegang?

Behlau: Eigentlich bin ich Quereinsteiger. Durch eine Art Wette bin ich 1988 Mitglied im Elferrat der KG Fidele Zunfthäre geworden, in der ich im folgenden Jahr zum Präsidenten gewählt wurde. An der Arbeit des Komitees habe ich mich aktiv beteiligt und wurde bald Komitee-Vizepräsident. 1998 wurde ich dann als Nachfolger von Hans-Josef Wellmann Präsident des Komitees. Da ich bis 2004 auch noch Präsident als der KG Fidele Zunfthäre fungierte, war die sechsjährige Doppelfunktion eine starke Belastung, so dass ich mich dann auf die Arbeit im Komitee konzentriert habe.

Ist das Stolberger Komitee auch für die Zukunft gut aufgestellt?

Behlau: Da bin ich sehr zuversichtlich. Das Komitee ist an Gesellschaften gewachsen, die Zusammenarbeit und der Zusammenhalt der Mitgliedsgesellschaften sind sehr gut. Ich habe keine Angst um den Erhalt unseres jecken Brauchtums, denn in den Karnevalsgesellschaften sind viele jüngere Leute auch in den Vorständen aktiv, und die Kinder- und Jugendarbeit, die von den Stolberger Vereinen geleistet wird, ist vorbildlich. Und auch die Komitee-Jugend ist sehr aktiv.

Was hat es mit der Komitee-Jugend auf sich?

Behlau: Das Stolberger Komitee hatte schon immer ein offenes Ohr für die Belange der Kinder und Jugendlichen, aber als der BDK auf Bundesebene einen eigenständigen Jugendverband gegründet hat, war das für uns der Anlass, auch in der Kupferstadt eine eigenständige Komitee-Jugend zu etablieren.

Die ersten Weichen dazu wurden übrigens gestellt von Angelina Schneider, damals in der KG De Wenkbülle aktiv, und Michael Bartz, heute Vizepräsident des Komitees und Präsident der Ersten Großen. Seitdem veranstaltet die Komitee-Jugend zum Beispiel den Stolberger Kindertollitätenempfang. Und in unserer Jubiläumssession wird ihr eine besondere Ehre zuteil.

Welche Ehre ist das?

Behlau: Am heutigen Samstag richtet die Komitee-Jugend in Stolberg eine Europa-Premiere aus: Im Jugendheim Münsterbusch findet ab 14 Uhr der erste Empfang der Kinder- und Jugendtollitäten der Närrischen Europäischen Gemeinschaft NEG statt. Die NEG ist ein Zusammenschluss auf föderativer Basis, der die Souveränität der europäischen Nationalverbände akzeptiert.

Der Gemeinschaft angeschlossen sind elf Verbände in acht Nationen und damit 10.000 Vereine und insgesamt rund acht Millionen Mitglieder. Wir können sehr stolz darauf sein, dass der erste NEG-Empfang der Kinder- und Jugendtollitäten in Stolberg stattfindet, und unsere Komitee-Jugend diese Europa-Premiere organisiert.

Und schon am morgigen Sonntag geht es im Jugendheim Münsterbusch weiter...

Behlau: Ja, ab 11.11 Uhr. Dann feiern wir das 6x11-jährige Bestehen des Stolberger Karnevalskomitees mit einer Matinee. Petra Müller aus Sonthofen, die Präsidentin der NEG, wird wieder dabei sein, und wir freuen uns auf Klaus-Ludwig Fess, den neuen Präsidenten des Bunds Deutscher Karneval.

Neben Stolberger Beiträgen zum Programm treten auch auswärtige Gäste auf, die für den traditionellen Karneval stehen. Unter anderem Wicky Junggeburth. Für die Jubiläumsmatinee gibt es nur noch wenige Restkarten, aber die Katakomben des Jugendheims werden geöffnet sein, so dass gerne viele Jecke mit uns feiern können.

Was veranstaltet das Komitee im Jubiläumsjahr noch?

Behlau: An den Tollen Tagen zunächst die Schlüsselübergabe am Fettdonnerstag, die jetzt wieder vor dem Rathaus stattfindet. Veranstalter der Schlüsselübergabe ist zwar die Kupferstadt Stolberg, aber für Organisation und Programmgestaltung ist das Komitee zuständig.

Am Karnevalsfreitag richtet das Stolberger Komitee den närrischen Prinzenempfang der Städteregion Aachen aus, der um 10.30 Uhr in der Stadthalle beginnt. Und dann kommt natürlich noch das absolute Highlight des Straßenkarnevals: der Stolberger Rosenmontagszug, der um 14.30 Uhr Fahrt aufnimmt.

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