Jetzt zieht Leere ein in die Stadthallen-Passage

Von: Heike Eisenmenger
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Die Stadthallen-Passage am Olof-Palme-Friedensplatz leidet seit Jahren unter Leerstand. Mit dem Auszug von Rewe und der Bäckerei Kamps am 16. März spitzt sich die Lage dramatisch zu. Dietgrim Stark, Bankdirektor im Ruhestand, ist als Bevollmächtigter von den Eigentümern eingesetzt, um Nachmieter zu akquirieren. Foto: H. Eisenmenger

Stolberg. Beginnt nun das große Innenstadtsterben? Die Frage ist berechtigt, denn Theo Reinartz schließt am 16. März seinen Rewe-Markt in der Stadthallen-Passage. Mit dem Auszug des alteingesessenen Supermarktes ist auch Schicht für die Bäckerei Kamps, die in Untervermietung das Ladenlokal gleich gegenüber von Rewe betreibt und die auf Laufkundschaft zwingend angewiesen ist.

Mitte März sind dann nur noch vier Mieter – DRK-Pflegeheim, Ca­fé, Friseur und der Mieter einer Penthousewohnung – in dem Gebäude, das über 6800 Quadratmeter vermietbare Fläche verfügt. Die anderen Mieter, darunter ein Fitnessstudio, eine Praxis für Physiotherapie und Kleinläden, sind bereits einige Jahre früher ausgezogen. Ob sich Friseur und Café halten können, wird sich zeigen.

„Ich finde es bedauerlich, dass in all der Zeit, wo das Gebäude größtenteils leersteht, eigentlich nichts unternommen wurde, um Nachmieter zu finden. Hoffentlich wird es jetzt besser, ich habe mir ja extra die Passage für mein Geschäft ausgesucht, weil ich dachte, dass hier viele Menschen vorbeikommen“, sorgt sich Friseurmeisterin Katharina Pérez. Auch für Peter Timmermanns, Kreisgeschäftsführer des DRK, ist die Schließung eine Katastrophe: „Jetzt wird die Verwahrlosung in noch schnellerem Tempo als bisher zunehmen. Mit dem Auszug des Supermarktes ist der letzte Schutz fort.“

Eigentümer aus Aachen

Eigentümer des mehrgeschossigen Gebäudes ist das Notar-Ehepaar Günther und Katrin Crous aus Aachen. Seitdem auch Rewe nicht mehr bleiben will, hat das Paar Dietgrim Stark, Bankdirektor im Ruhestand, als Bevollmächtigten eingesetzt. Er soll das Gebäude aus seinem „Tiefschlaf“ erwecken.

Allerdings wissen weder Bürgermeister Ferdi Gatzweiler noch Patric Peters, Sprecher des Stolberger Stadtmarketings (SMS), die bei der Nachmietersuche „eng eingebunden sind“, von den potenziellen Kandidaten, die bereits im April/Mai einziehen sollen: Ein Mieter soll ein Nachversorger sein, der den Trakt, den Rewe bislang hatte, beziehen will. Der zweite Kunde sei im Gesundheitswesen tätig und wolle in die erste Etage. „Beides sehr seriöse Mieter, aber verstehen Sie bitte, dass ich zum jetzigen Zeitpunkt weder Ross noch Reiter nennen kann“, sagt Stark im Gespräch mit unserer Redaktion.

Interessant wäre es zu erfahren, warum dieser Nahversorger offenbar nicht den Kaufkraftverlust in der Innenstadt fürchtet – und warum ihn fehlender Parkraum nicht stört. Denn dies sind schließlich die Beweggründe, warum der Stolberger Reinartz, der seit 1974 als Kaufmann an der Rathausstraße arbeitet, sein Geschäft schließt.

„Für die Innenstadt war die Entscheidung, Kaufland in Oberstolberg zu bauen, fatal. Dann sind auch noch die Discounter zur Prattelsackstraße gezogen. Das alles hat die Kundenströme komplett verschoben“, sagt Reinartz. Seit drei Jahren buttere er aus dem Rewe-Markt in Eilendorf zu.

Ein Kernproblem, für das aktuell keine Lösung in Sicht ist, stellen die wenigen Parkplätze dar. 77 Parkplätze, die Kunden und Mitarbeiter von Supermarkt, Pflegeheim, Café, Friseur und die Mieter der Privatwohnung teilen. „Das ist für große Supermärkte einfach uninteressant“, sagt Bürgermeister Ferdi Gatzweiler offen.

Bis zum Bau des Busbahnhofs im rückwärtigen Bereich der Immobilie stand mehr Parkraum zur Verfügung. Erschwert wird die Situation dadurch, „dass permanent Pendler bei uns parken oder Mitarbeiter von Firmen aus der Umgebung, die ihr Auto erst nach Feierabend wieder abholen. Der Kunde aber, der bei uns einkaufen will, findet keinen“, schildert Rei­nartz seine Erfahrungen.

Angepasst werden soll zumindest der Mietpreis, denn auch das war ein Punkt, an dem bislang wenig Gesprächsbereitschaft vorhanden war, und der Interessenten verschreckte. SMS-Sprecher Peters behauptet sogar, er habe es geschafft, den Preis zu halbieren, wovon jedoch Stark wieder nichts weiß. Er spricht von einer 20-prozentigen Mietminderung für die Rewe-Räume. Was aber immer noch nicht ausreichend Anreiz bieten dürfte, fehlende Parkplätze zu kompensieren. Zumindest nicht aus Sicht eines Supermarkt-Betreibers. Dazu sagt Stark, er sei im intensiven Gespräch mit der Stadt, damit diese weiteren Parkraum zur Verfügung stelle; vielleicht wolle man sogar ein Parkdeck errichten. Was aber nach einer ersten groben Einschätzung des Bauordnungsamtes eher unwahrscheinlich – da dies aus Sicherheitsgründen schwer realisierbar – sein dürfte.

Stark jedenfalls ist optimistisch und verspricht Verschönerungen der Passage. Unter anderem Wandfliesen und Bewegungsmelder. Die sollen montiert werden, damit man sich auch bei Dunkelheit wieder hinein traut.

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