Stolberg - Jetzt wird die neue Mitte Stolbergs modelliert

Jetzt wird die neue Mitte Stolbergs modelliert

Von: Jürgen Lange
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Hier greifen Vertreter von Planungsbüros, ausführenden Unternehmen und der Stadt zum Spaten (v.l.): Am Bastinsweiher waren dies Planer Jörg Homann, DSK-Vertreter Rainer Kalscheuer, MdL Axel Wirtz, Bauleiter Christian Schumm, Beigeordneter Tobias Röhm und Bürgermeister Tim Grüttemeier. Foto: Lange
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Hier greifen Vertreter von Planungsbüros, ausführenden Unternehmen und der Stadt zum Spaten: Am Kaiserplatz waren Planer Peter Weidenhaupt, Unternehmer Alfred Huppertz, MdL Axel Wirtz, Planerin Andrea Winterscheid, Bürgermeiser Tim Grüttemeier, Beigeordneter Tobias Röhm sowie die Stadtplanungspolitiker Paul Kirch und Rolf Engels. Foto: Lange
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Einige Pläne zur Umgestaltung und die Planer: Andrea Winterscheid für den Kaiserplatz. Foto: Lange
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Am Kaiserplatz wurden aus Anlass der offiziellen Spatenstiche Luftballons mit Rücksendekarten aufgelassen. Foto: Lange
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Einige Pläne zur Umgestaltung und die Planer: Jörg Homann für Frankental und Bastinsweiher. Foto: Lange

Stolberg. Am Tag danach sind die Arbeiter wieder mit Netzen bewaffnet, um auch die letzten Fische aus dem bereits zuvor abgelassenen Bastinsweiher zu retten. Jetzt wird der Teich der einstigen Ellermühlen endgültig trocken gelegt, um arbeiten zu können. Läuft alles wie geplant, präsentiert sich das Quartier Frankental im kommenden Jahr mit völlig neuem Charme, Flair und Ambiente.

Am Tag zuvor sind die vier kleinen Jungs die wohl größten Fans des Bürgermeisters. Tim Grüttemeier hat kaum den offiziellen Startschuss zur Neugestaltung der Innenstadt gegeben, da bitten ihn die jungen Herren im Grundschulalter zum Fototermin mit der Handykamera. Strahlend und voller Stolz ziehen die Jungs weiter. Ob ihnen wohl bewusst ist, dass sie einen historischen Moment verewigt haben?

„Ein historischer Moment“

So wagt – bei aller Vorsicht im Umgang mit diesem Wort – zumindest der Bürgermeister diesen 16. März anno 2016 zu bezeichnen, an dem mit gleich zwei offiziellen Spatenstichen eine Sanierungsmaßnahme ansetzt, die in Umfang und Größenordnung nur mit der legendären Altstadtsanierung in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts verglichen werden kann.

Ihr folgte ein ungeahnter Aufschwung für das historische Viertel im Schatten der Burg. Heute sollen die Sanierungsmaßnahmen zu einer Renaissance der Innenstadt führen, zeigt sich Grüttemeier überzeugt.

Vor sieben Jahren wurde diese Renaissance eingeleitet, als Stolberg gemeinsam mit der Deutschen Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft (DSK) die Innenstadt analysiert und Handlungsmöglichkeiten erarbeitet hat: Sieben Quartiere, wegen ihrer asymetrischen Struktur „Amöben“ genannt, zwischen Mühle und Willy-Brandt-Platz sollen mit punktuellen Eingriffen in die Substanz durch die öffentliche Hand aufgewertet werden, wodurch wiederum weitere Investitionen von privater Hand in Gebäude, Geschäfte und Umfeld angestoßen werden sollen

. Das hat seinerzeit bestens in der Altstadt funktioniert, die heute auch als Wohnsitz zunehmend beliebt wird für Wahlstolberger. Den Durchbruch schaffte das Amöben-Konzept, als die Kupferstadt dem Einzelhandelskonzept der Strabag in Münsterbusch abschwor und im Oktober 2014 in das Programm „Stadtumbau West“ aufgenommen wurde, mit dem gezielt eben die Renaissance der Innenstadt gefördert wird.

Der Dank des Bürgermeisters galt deshalb ebenso dem Bund und dem Land wie den beiden Landtagsabgeordneten Stefan Kämmerling (SPD) und Axel Wirtz (CDU) sowie der Kölner Bezirksregierung, „die uns mit Rat und Tat zur Seite steht“ – und anders als in früheren Zeiten von Regierungspräsident Dr. Franz-Josef Antwerpes auch den Spaten nachdem offiziellen Festakt vor Ort belässt.

Ebenso wie das Geld: Insgesamt 9,5 Millionen Euro investieren Land und Bund in die Afwertung der zentralen Achse. Weitere 2,35 Millionen Euro steuert die Kupferstadt aus eigener Tasche hinzu. Mindestens eine vergleichbare Summe, wie sie die öffentliche Hand für Stolberg ausgibt, wird von privater Seite erwartet, die auch mit unterschiedlichen Förderprogrammen inspiriert werden soll, sich für die Wiedergeburt Stolbergs zu engagieren.

Eines der ersten Vorzeigeprojekte in einem der sieben Quartiere ist die Umgestaltung des gesamtes Bereiches Bastinsweiher zwischen Talbahn- und Frankentalstraße. Das Projekt trägt die Handschrift von Jörg Homann vom Kölner Architekturbüro Club 94, das sich vor einem Jahr mit seinen Ideen bei einem Gestaltungswettbewerb klar durchgesetzt hatte. Die Rathausstraße wird auf zwei Fahrspuren reduziert, der Weiher kleiner und seine Konturen auf die Fluchten der Bebauung bezogen.

Die Geländer sind bereits verschwunden; die von einer Brücke gequerte Wasserfläche wird erreich- und erlebbar: von der Rathausstraße aus dank einer blühend begrünten Böschung, von der Flora her dank abgeflachten Ufers mit Sitzblöcken, so dass an das historische Aussehen erinnert wird, sowie dank einer 2,70 Meter breiten Holzterrasse plus einer 11,5 Meter breiten auch für Außengastronomie nutzbaren Promenade vor „Boccaccio“ . Entlang der Rathausstraße selbst werden verbreiterte Gehwege unter Baum-Arkaden den Weiher einen Rahmen geben.

Völlig neu als Parkanlage mit Durchblick sowie viel blühendem und farbigen Grün wird die Flora ausgestaltet. Und an der Seite zur Ellermühlenstraße entsteht ein zur Mühlen-Thematik passender Kinderspielplatz. Ein Blickfang und Ort mit Aufenthaltsqualität wird an der Baum bestandenen Rathausstraße die Wiese Frankental: Als Sayette-Garten mit schmalen weißen Steinbändern im grünen Rasen wie bei einer Spinnerei erinnert diese Parkanlage an die Industriehistorie an diesem Standort.

Private Investoren überzeugt

Bis das Quartier Frankental mit seinen neuen Attributen Anfang nächsten Jahres überzeugen kann, sind einige Einschränkungen unvermeidbar, wie Tobias Röhm erläuterte. Aktuell werden Versorgungsleitungen in der Rathausstraße neu verlegt, dann wird die westliche Seite der Straße etwa bis Ende August umgebaut. Im Anschluss erfolgt der Umbau der östlichen Straßenseite bis in den Januar hinein.

Der Ausbau der Jordanstraße ist ab Oktober terminiert, die Gestaltung des Sayette-Gartens von August bis in den Oktober; und im Bereich Flora, Bas­tins­weiher und Spielplatz wird durchgängig bis zum Jahresende gearbeitet. Ähnlich wird der Ablauf auf dem Kaiserplatz sein. Dort soll bis Ende Mai der vordere und innere Platzbereich bis zum Brunnen neu gestaltet werden.

Dann beginnen die Arbeiten für die neue Restauration im nordöstlichen Platzquadrat, die im Frühjahr ihren Betrieb aufnehmen will. Und im Herbst werden der hintere Platzbereich und der Brunnen angepackt. Der neue Kaiserplatz soll durch mehr Raum für Veranstaltungen sowie zum Verweilen, Flanieren und Spielen punkten. An Spieltischen, Trampolin und Slackline unter sanften Bäumen kann sich der Nachwuchs austoben, während gegenüber die Eltern in der (Außen-)Gastronomie verweilen können.

In Höhe des Eiscafés wird eine zusätzliche Fläche für Außengastronomie geschaffen, gegenüber in Höhe der Apotheke ein Informationspunkt mit Sitzgelegenheiten. Ohnehin erhält der Kaiserplatz nicht nur ein neues Mobiliar, sondern auch der Brunnen wird kleiner und flacher gestaltet, so dass er beispielsweise für Konzerte mit einer Bühne überbaubar wird. Gleichzeitig erhalten wird der historisierende Charakter mit seinen Sichtachsen, die zukünftig einen besseren Blick auf die Bebauung aus der Gründerzeit ermöglichen.

Geschaffen wird aber auch zusätzlicher Parkraum an der Kopfseite, und ein versenkbarer Poller wird in Höhe des Hauses Rovere die Durchfahrt für ungebetenen Autoverkehr unterbinden.

Es folgen Rathaus-/Salmstraße

Die Gestaltung trägt nicht nur die Handschrift von Andrea Winterscheid vom Mausbacher Landschaftsarchitekturbüro Winterscheid-Weidenhaupt, sondern gibt vor allem auch die Ideen aus der Bürgerschaft wider, betont der Technische Beigeordnete.

„Neue Formen der Bürgerbeteiligung entfalten bei der Renaissance der Innenstadt ihre Wirkung“, sagt Tobias Röhm. Nicht nur bei den ersten beiden Vorzeigeprojekten, sondern auch bei der Ausgestaltung der anderen Quartiere der innerstädtischen Talachse sollen die Stolberger entscheidend mitreden können.

Am Kaiserplatz als Herz der Innenstadt zeige sich, dass der Anstoß privater Investitionen durch öffentliches Engagement Erfolg haben kann. Die neue Gastronomie auf dem Kaiserplatz mit lichtdurchfluteten Glasfronten und Kupferelementen in Dach und Seiten entsteht durch privates Engagement. Weit über eine Million Euro investiert dort ein Aachener Gastronom.

Weitere fünf Millionen Euro investiert der Herzogenrather Architekt Kurt Edgar Pidun in die Ausgestaltung von Drummen-Villa und der Ecke zur Grüntalstraße. Am Donnerstag überreichten Bürgermeister und Beigeordneter die Baugenehmigung für das Projekt mit hochwertigem barrierefreiem Wohnraum. Drei Mieteinheiten entstehen in der Villa und weitere 17 Wohnungen zwischen 65 und 124 m2 im angrenzenden Neubau. „Durch diese Projekte wird eine Nachfrage geschaffen, die als Argument für weitere Investoren dient, sich in Stolberg zu engagieren“, appelliert Röhm.

Und während vor dem Rathaus die Bagger bereits rollen, erfolgt hinter den Fassaden bereits der Feinschliff für das nächste Projekt: Im kommenden Jahr beginnt der Umbau der Verkehrsachse von Rathaus- und Salmstraße. Die Grundzüge der neuen Verkehrsführung werden bereits seit geraumer Zeit probeweise getestet, und die Entwurfsplanung ist abgestimmt. Nun läuft die Arbeit an der Ausführungsplanung und gleichzeitig wird das nächste Quartier ins Visier genommen: Ideen für den Steinweg sollen mit den Bürgern erarbeitet werden.

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