Jeder Handgriff ist eine Herausforderung

Von: ng
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Den Ring über eine Stange sch
Den Ring über eine Stange schieben, das ist kinderleicht - zumindest wenn man gesund ist. Für Luca und seine 21 Mitstreiter, die konduktiv gefördert werden, ist es eine Herausforderung. Foto: N. Gottfroh

Stolberg. Sitzen, stehen, greifen - für die meisten Menschen ist das etwas ganz Normales. Etwas, über das man gar nicht erst nachdenken muss.

Für die 22 Kinder und jungen Erwachsenen, die seit Montag an den Förderwochen des Vereins „Fortschritt Städteregion Aachen” teilnehmen, ist jeder jedoch jeder einzelne Handgriff - ob nach einem Glas Saft oder der Hand des besten Freundes - eine Herausforderung. Sie alle haben Behinderungen mit Bewegungsstörungen.

Selbstständig sein

„Aber natürlich wollen auch diese Kinder in ihrem Leben so selbstständig wie möglich sein”, sagt Richard Brosse, Vorsitzender des Vereins Fortschritt. Um ihnen zu helfen, zu mehr Selbstständigkeit zu gelangen, setzen die Mitglieder auf die Methode der „Konduktive Förderung”. Diese Therapieform vereint einzelne Elemente aus der Logopädie, Physiotherapie und Ergotherapie in einer ganzheitlichen Methode. „Wir haben alle die Erfahrung gemacht, dass diese Therapie wirklich hilft. Doch leider wurde sie in unserer Region bislang nicht angeboten”, sagt Vereinsmitglied Brigitte Vlaovic.

Da die konduktive Förderung vor 60 Jahren in Ungarn von dem Arzt András Petö entwickelt wurde, war Budapest viele Jahre lang Anlaufstelle für die Familien aus der Städteregion, deren behinderten Kinder durch diese Methode gefördert werden sollten. Das wollte der Verein, als er sich vor einem Jahr gründete, endgültig ändern und dem anstrengenden Reisen ein Ende setzen. Die Idee: „Warum bringen wir die Methode nicht in die Städteregion”, erzählt Brigitte Vlaovic.

Nach langer Planungsphase stiegen jetzt acht ungarische Konduktoren - so nennen sich die Therapeuten, die mit der Methode der konduktiven Förderung arbeiten - in ihrer Heimat in ein Flugzeug, um für zwei Wochen nach Deutschland zu reisen und dort intensiv mit den Kinder zu arbeiten. Probleme mit der Verständigung gibt es nicht - die Konduktoren unterhalten sich mit den Kindern in deutscher Sprache.

Auch wenn bei einem straffen Tagesprogramm von den Herbstferien nicht mehr so viel Freizeit wie sonst bleibt, wird deutlich: den 22 Kindern macht die Therapie Spaß. Das kann jeder erkennen, der einen Blick in die Übungsräume in der Regenbogenschule wirft. „Auch wenn manche Bewegungen schwer fallen - in der Gruppe ist es nur noch halb so schwer, die Kinder motivieren sich gegenseitig”, sagt Mutter und Vereinsmitglied Marita Holper. Und so gestalten sich für die Kinder die zwei Förderwochen gar wie Ferienspiele. Sehr kostspielige Ferienspiele allerdings. Zwischen 25 000 und 28 000 Euro kosten die beiden Wochen. Bezahlbar bleibt die Aktion für die Eltern nur deshalb, weil der Verein viele Spender für die Methode begeistern konnte.

„Die Konduktive Förderung hilft nicht nur Kindern mit Behinderungen, sondern auch ältere n Menschen , die einen Schlaganfall erlitten haben oder an Parkinson leiden”, erklärt Brigitte Vlaovic.

Damit die Konduktive Förderung auch in der Region weiter bekannt wird, öffnet der Verein am Samstag, 29. Oktober, von 11 bis 16 Uhr seine Türen in der Regenbogenschule.

Am Tag der offenen Tür können interessierte Eltern und Kinder bei Demonstrationsstunden zwischen 12 und 14 Uhr einen Eindruck der Methode gewinnen oder darüber bei einer offenen Podiumsdiskussion von 14.30 bis 16 Uhr diskutieren.
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