Jeder Dritte verliert bei CAE seinen Job

Von: Jürgen Lange
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Die Sonne ist der Stolberger C
Die Sonne ist der Stolberger CAE längst nicht mehr hold: Jeder dritte Arbeitsplatz am Stolberger Standort soll abgebaut werden. 145 Mitarbeiter sind Foto: H. Eisenmenger

Stolberg. Die Feier zum 50-jährigen Bestehen liegt kaum einen Monat zurück. Eher schwach fiel der Besuch der insgesamt rund 540 Mitarbeiter aus; 440 von ihnen an den Standorten Stolberg und Eilendorf. Die Stimmung in der Belegschaft, so ist am Standort in der Steinfurt zu vernehmen, war bereits getrübt - in düsterer Vorahnung.

Auf eine Jubiläumsgratifikation hatte die Firmenleitung bereits verzichtet. Jetzt kommts noch schlimmer. Rund 145 Mitarbeitern der Stolberger CAE Elektronik GmbH - die Rede ist von 85 Ingenieuren und 60 Angestellten im administrativen Bereich - droht der Verlust des Arbeitsplatzes.

Das bedeutet, dass etwa jeder dritte CAE-Mitarbeiter seine Arbeit verliert. „Es sollen sogar eher mehr als weniger werden”, befürchtet Betriebsratsvorsitzender Erich Meyer, die bis zum Ende des Geschäftsjahres am 31. März 2012 das Unternehmen verlassen haben sollen.

Entwicklung und Verwaltung

Von „mittelfristig” spricht dagegen Geschäftsführer Ulrich Ader hold, der sich auf genaue Zahlen noch nicht festlegen möchte, die „Größenordnung bestätigt”, aber hofft, dass der Personalabbau geringer ausfällt. „Das wird davon abhängen, ob und wie wir ausbleibende Aufträge kompensieren können.” Denn für Aderhold ist klar: Die Reform der Bundeswehr und die wirtschaftliche Entwicklung stellen das Stolberger Unternehmen vor eine große Herausforderung.

„Wir stehen vor der Frage, wie CAE gesund und überlebensfähig bleiben kann”. Die Reform der Bundeswehr nehme langsam Strukturen an; sie treffen das Elektronikunternehmen hart. „Wir haben das untersucht, die Folgen der Einsparungen sind kein kurzzeitiger Durchhänger, sondern langfristiger Natur”, erklärt der Geschäftsführer. Das Militär wird beim Flugbetrieb sparen, weniger fliegerisches Gerät beschaffen und betreiben. Das trifft den Simulatorhersteller im Kerngeschäft.

Die Jets Tornado und Eurofighter, Hubschrauber NH 90 und Transporter A 400 M werden in geringeren Stückzahlen angeschafft, teilweise sogar erst gar nicht in Betrieb genommen, sondern im Hangar abgestellt. Das bedeutet für CAE, dass zukünftig weniger Simulatoren angeschafft und entsprechend im operativen Geschäft weniger Simulatoren betrieben werden. Gleichzeitig nehme der Wettbewerb um Aufträge für Simulatoren, Training und Software-Entwicklung zu, und bei den zahlreicher gewordenen multinationalen Projekten sei CAE auch nur noch ein Partner unter vielen, die ein Gerät entwickeln und betreuen.

Erschwerend für die wirtschaftliche Prognose kommt für CAE hinzu, dass die großen Entwicklungsprogramme der letzten Zeit in diesem und nächsten Jahr auslaufen. „Nachfolge-Programme in diesen Größenordnungen sind nicht mehr in Sicht”, konstatiert Aderhold. Im zivilen Sektor hat der Stolberger Elektronik-Spezialist zwar Fuß gefasst mit Projekten zum Katastrophenschutz in Deutschland oder zum europäischen Desaster-Management, „aber diese Volumen sind bei weitem nicht vergleichbar mit dem Bundeswehrgeschäft”, sagt Aderhold.

Der zivile Sektor ist kein ausreichender Ersatz für wegbrechende militärische Aufträge. Neues Potenzial erkennt CAE noch auf dem Feld unbemannter Flugobjekte sowie beim vernetzten Training mit Simulatoren. Die Muttergesellschaft in Kanada unterstützte den Stolberger Standort mit Rat und Tat, betont Aderhold. „Montreal akzeptiert unsere schwierige Auftragslage” und sei auch für einen gewissen Zeitraum bereit, geringere Margen hinzunehmen.

Aber letztlich bedinge ein niedrigeres Auftragsvolumen weniger Beschäftigung und dies schlage sich unweigerlich nieder in der Anzahl der Beschäftigten. „Wir müssen unsere Mitarbeiterzahlen mittelfristig am zukünftigen Bedarf ausrichten”, unterstreicht der Geschäftsführer. Das Unternehmen müsse verschlankt werden. Betroffen sein werden in erster Linie die Entwicklungsabteilungen mit den dazu gehörigen Unterstützungsbereichen - von Personal über Finanzen bis zum Marketing. „Es werden alle Bereiche betroffen sein - mit Ausnahme der Ausbildungsstandorte für die Truppe, für die es feste Verträge gibt”, macht Ulrich Aderhold klar.

Nach erfolgter Analyse „werden wir jetzt mit dem Betriebsrat über die weiteren Schritte sprechen”, möchte der Geschäftsführer zunächst alle Möglichkeiten eines sozialverträglichen Stellenabbaus ausschöpfen. Die Personalspitzen der jüngeren Vergangenheit wurden bereits durch Zeitverträge abgedeckt; sie sollen nicht verlängert werden. Darüber hinaus sollen alle Möglichkeiten des Überstunden- und Urlaubabbaus genutzt, Altersteilzeit und Frühverrentung geprüft sowie ein Freiwilligen-Programm aufgelegt werden, bei dem ausscheidenden Mitarbeitern ein Bonus gewährt wird. Über einen Sozialplan werde noch zu sprechen sein. „Betriebsbedingte Kündigungen kann ich leider nicht ausschließen”, bekennt Aderhold.

Donnerstag Betriebsversammlung

„Wir haben die Zusicherung der Geschäftsführung, dass der Personalabbau so sozialverträglich wie möglich erfolgen soll, erhalten”, bestätigte Erich Meyer. Dem Betriebsrat soll ein Programm vorgelegt werden, wie die Verschlankung des Unternehmens erfolgen soll. „Darüber wird dann zu reden sein”, hofft Meyer, die Zahl betriebsbedingter Kündigungen möglichst zu minimieren. Gleichwohl ist sich auch der Betriebsrat der Herausforderung für das Unternehmen bei wegbrechender Auftragslage klar.

Mit Hilfe der IG Metall soll ein Wirtschaftsprüfer die Lage bei CAE sondieren, und die Möglichkeit der Kurzarbeit soll nicht ausgeschlossen werden, sagte IGM-Sekretär Georg Moik auf Anfrage. „Wir stehen noch am Anfang der Überlegungen”, erklärten Erich Meyer wie Ulrich Aderhold am Montag unisono. Am Donnerstag sollen bei einer außerordentlichen Belegschaftsversammlung die Mitarbeiter umfassend über die Situation und die Perspektiven informiert werden.
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