Jäger mit 15 Jahren: „Liebe zur Natur als Voraussetzung“

Von: Heike Eisenmenger
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Cedric mit den Jagdhunden Alf und Brandy. Foto: Eisenmenger

Stolberg. Ein erster schwacher Lichtschimmer kündigt die Morgendämmerung an. Es frischt leicht auf, aber die Kühle ist angenehm auf der Haut. Ein Knacken im Unterholz, dann ein Schnauben: Augenblicke später steht sie auf der Lichtung – eine prächtige Sau auf Futtersuche.

Das Tier in seiner natürlichen Umgebung zu erleben, es zu beobachten, das Naturerlebnis als solches: Das sind die Momente, die Cedric Hamacher aus Stolberg-Breinig liebt. „Ich finde es einfach spannend, man weiß nie, was einen erwartet, welche Tiere auftauchen werden“, erklärt der 15-Jährige, der nun mit der Vorbereitung zur Jägerprüfung begonnen hat.

Nicht ohne Grund wird die Sachkundeprüfung auch als „Grünes Abitur“ tituliert: Wer hier bestehen will, muss sich ein enormes Wissen einverleiben. Dabei geht es nicht nur darum, mit der Jagdwaffe sicher umgehen zu können. Die Prüflinge müssen mit schlafwandlerischer Sicherheit die zahlreichen Wildarten und deren Biologie kennen. Das beinhaltet unter anderem, ein Wild ordnungsgemäß zerlegen und das Fleisch auch beurteilen zu können. Das Pflegen eines Geheges, Tier-, Naturschutz und Landschaftspflegerecht sind weitere Themenfelder, die intensiv „gebüffelt“ werden.

Neun Monate wird unterrichtet

In der Praxis heißt das: „Neun Monate lang wird an zwei Tagen unterrichtet“, sagt Bernd Roggenkamp, der den Lehrgang leitet und die Anwärter während dieser Zeit oft in den Wald mitnimmt. Der erfahrene Jäger achtet sehr auf die charakterliche Befähigung der Teilnehmer. Schießwütige Rambos haben keine Chance. In der Regel würde diese Klientel aber auch erst gar nicht versuchen, „diesen Weg zu gehen“.

Die Zeitspanne, die tatsächlich mit der Jagd verbracht werde, sei vergleichsweise gering. Natürlich sei das Jagen wichtig: Ohne den kontrollierten Abschuss würde das Gleichgewicht der Natur völlig aus den Fugen geraten. Aber: Deutlich mehr Zeit nimmt die Pflege des Geheges, von Fauna und Flora, ein. „Die Liebe zur Natur ist Grundvoraussetzung“, so Roggenkamp.

Die Jägerprüfung darf Cedric zwar mit 15 ablegen, seinen Jagdschein wird er aber erst mit Vollendung des 16. Lebensjahres bekommen. Alleine jagen darf Cedric dann aber noch nicht. „Es muss eine jagderfahrene Person bei ihm sein“, erklärt Roggenkamp. An Treibjagden darf Cedric erst mit 18 Jahren teilnehmen.

Die Natur in ihrem Facettenreichtum zu erleben, Tiere und Pflanzen im Wechsel der Jahreszeiten zu beobachten – das hat Cedric Hamacher bereits als kleiner Junge kennengelernt. „Mein Opa und mein Vater sind Jäger. Ich fand es immer toll, wenn ich sie begleiten durfte.“ Was sagt die Freundin dazu, immerhin sind für die nächsten neun Monate die Wochenenden komplett verbucht? „Die muss damit klar kommen“, sagt der Gymnasiast wie aus der Pistole geschossen. Die Jagd und damit die Natur zu bewahren, seien schließlich feste Bestandteile seines Lebens.

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