Stolberg-Vicht - Jacobs Automobile Cup: Ein Finaltag mit mehr als einem Sieger

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Jacobs Automobile Cup: Ein Finaltag mit mehr als einem Sieger

Von: Johannes Mohren
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Da hat er sich den Pokal geschnappt: Breinigs Jordi Ndombaxi hat sich spontan die Trophäe gesichert und jubelt vor und mit seinen Teamkollegen über den Sieg auf dem Dörenberg Foto: J. Mohren
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Sven Klersy im Anflug: Der Keeper von Arminia Eilendorf klärt gegen den Breiniger Tobias Standop. Foto: J. Mohren
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Im Kampf um den Ball: Die Vichttaler Dominik Simoes Ribeiro (r.) und Melik Abdullah (l.) mit dem Weidener Daniel Kohlbrandt. Foto: J. Mohren

Stolberg-Vicht. 75 Minuten waren gespielt, da startete Tim Wilden seinen Jubellauf. Sekunden zuvor hatte der Breiniger Stürmer den Ball aus halbrechter Position ins Tor gechippt. Hinweg über Sven Klersy, den Mann im Gehäuse von Arminia Eilendorf. Mit ganz viel Gefühl.

Es war das 4:2, das Wilden im Finale des Jacobs-Automobile-Cups erzielte. Sein sehenswerter Treffer sollte der letzte des Turniers sein, das bereits seine 41. Auflage erlebte – und den SV Breinig nach zwei Turnierwochen endgültig zu seinem Sieger machte.

Zwei Wochen, deren Verlauf Thorsten Meier als „alles in allem sehr positiv“ bezeichnet (siehe „Drei Fragen an“). Meier ist Teil des Vorstandes des VfL Vichttal, dem Ausrichter des Turniers auf dem Dörenberg. Seine Bilanz wäre wohl noch makelloser ausgefallen, hätte es da nicht den Donnerstagabend gegeben. Und damit das zweite Halbfinale, das Meier „den einzigen Wermutstropfen“ nennt. Vichttal hatte dort gegen Arminia Eilendorf verloren. Während Eilendorf so ins Endspiel eingezogen war, war für den VfL beim eigenen Turnier die Chance auf die Titelverteidigung passé und gleichzeitig das Traumduell um den Titel geplatzt: Vichttal gegen Breinig – das erste Aufeinandertreffen der Stolberger Teams als Mittelrheinligisten. „Darauf hatten wir natürlich gehofft. Da waren wir nicht so glücklich. Dann wäre sicherlich auch noch einmal mehr los gewesen“, betont Meier.

Doch auch so wurde es Stunde um Stunde voller im Sportpark Dörenberg. Und weißer – in Erwartung der 2. Ibiza-White-Party, dem nicht-sportlichen Finale nach dem Finale. Diejenigen, die schon das Spiel um Platz 3 erlebten, sahen einen 5:0-Sieg der Vichttaler gegen Teutonia Weiden. Das ohnehin ungleiche Kräftemessen des Neu-Mittelrheinligisten mit dem Gast aus der Kreisliga A wurde noch ungleicher, als Weidens M’Hammed Aitougrame bereits nach 13 Minuten die Rote Karte sah. 1:0 stand es zu dem Zeitpunkt ohnehin schon für den VfL: Nick Gerhards hat nach einem schönen Steckpass den Torwart umkurvt und souverän verwandelt. Weiden hatte jedoch mit einem frühen Lattentreffer (4.) angedeutet, dass ein Spiel Elf gegen Elf doch spannende Momente hätte haben können.

So folgte jedoch eine einseitige Partie – ein Spiel, von dem auch Trainer Andi Avramovic sagen sollte: „Das einzige, was man vielleicht herausnehmen kann, ist, dass es ein Mentalitätsspiel war. Aber selbst das ist schwierig. Wir haben am Donnerstag gegen Eilendorf nicht nur das Spiel, sondern auch einen guten Test im Finale verloren, ohne gegenüber den Weidenern despektierlich sein zu wollen.“ Die Niederlage sei aber „im Gesamtbild nicht unverdient gewesen gegen einen potenziellen Landesligisten, wenn man auf die Spieler schaut.“ Und das Ziel, daran lässt Avramovic ohnehin keinen Zweifel, sei für ihn als Trainer – bei allem Prestige solcher Turniere – ohnehin der Saisonauftakt in der Mittelrheinliga in Bergisch-Gladbach Ende August: „Bis jetzt bin ich zufrieden mit der Vorbereitung. Wir hoffen, dass alle soweit gesund bleiben. Dann können wir da ein unangenehmer Gegner sein.“

Schwere Verletzung

Gegen Weiden erzielte Jan Bach, nach schöner Rücklage von Kapitän Oliver Weitz, das 2:0 (20.). In der 34. Spielminute gab es gleich zwei Mal VfL-Jubel: Zunächst traf Melik Abdullah im Nachschuss, nachdem Dominik Simoes Ribeiro schon den Keeper umspielt hatte, aber an einem Weidener Spieler scheiterte, der sich auf der Linie in den Ball warf. Dann war es Nick Gerhards, der – erneut frei vor dem Tor – seinen zweiten Treffer machte. Nach der Pause profitierte Domagoj Duspara bei seinem Distanzschuss von einem Patzer des Weiden-Torwarts, in der 57. Minute stand mit 5:0 das Endergebnis.

Höher fiel der Sieg nicht aus, auch weil die Partie in der 70. Minute abgebrochen wurde. Yannik Nägeler, zur Pause eingewechselt, hatte sich schwer am Knie verletzt und musste mit dem Krankenwagen abtransportiert werden. Es war der Moment, in dem das Spiel endgültig zur Nebensache wurde – und Avramovic betont: „Er war nach einer langen Verletzung gerade zwei Wochen wieder im Training bei der zweiten Mannschaft und hat uns ganz, ganz kurzfristig ausgeholfen. Da muss man wirklich mal den Fußballgott anrufen und fragen, was der sich manchmal denkt.“

Lange wurde Nägeler noch auf dem Kunstrasen behandelt, ehe das Finale startete. Und das begann furios. Breinig gab in der ersten halben Stunde einen Vorgeschmack, was möglich ist, wenn das Team ins Rollen gerät. Ein echtes Statement nach erst eineinhalb Wochen Vorbereitung. „Die Phase war sehr, sehr gut. Da hätten wir ja auch 7:0 führen können, wenn wir unsere Torchancen konsequent genutzt hätten. Das war fußballerisch stark, die Art von Fußball, die wir auch in der Mittelrheinliga spielen wollen – und die wir bei den Spielertypen, die wir haben, auch spielen müssen“, so SV-Trainer Michael Burlet. Tatsächlich stand es 3:0 und Arminia Eilendorf, eben jene Mannschaft, die Vichttal noch geschlagen hatte, war gegen das schnelle, präzise und aggressive Spiel vollkommen machtlos.

Breinig legte ein enormes Tempo vor und kam immer wieder zu Balleroberungen in der ganz gefährlichen Zone der gegnerischen Hälfte. Nico Dautzenberg machte nach Vorarbeit von Patrick Comuth in der 9. Minute aus kurzer Distanz das bereits zu diesem frühen Zeitpunkt überfällige 1:0, Tim Wilden erzielte fünf Minuten später nach Einwurf von Jan-Henrik Rother und Kopfballverlängerung von Nico Dautzenberg das 2:0 und wiederum Dautzenberg selbst war es, der mit einem wuchtigen Kopfball zum 3:0 traf (24.). Es war eine Demonstration von Stärke.

Charakterlich „sehr gut“

Diese endete jedoch kurz darauf. „Da kam dann plötzlich Bruder Leichtfuß. Das hatte auch was mit der Einstellung zu tun“, betont Burlet. Spätestens als Arminia unmittelbar vor der Pause durch Tobias Achterberg, der nach einem Freistoß per Kopf traf, zum 3:1 kam, wurde das Spiel ausgeglichener. Gleich nach der Pause fiel durch Patrick Wirtz der Anschlusstreffer (47.). Statt spielerischer Brillanz gab es nun Kampf. Mit Eilendorfern, die sich gefestigt zeigten und ebenso wie Breinig ihre Chancen hatten. „Da gab es auch viele Fehlpässe bei uns. Aber wenn wir zu diesem Zeitpunkt der Vorbereitung 90 Minuten so auftreten könnten wie zu Beginn des Spiels, wäre das auch eine bedenkliche Frühform. Wir haben gerade erst wieder begonnen und dementsprechend gibt es noch viel Arbeit“, so Burlet.

Arbeit, die jedoch von großer Vorfreude auf die neue Saison getragen wird, die – daran lässt der SV-Trainer keinen Zweifel – schwer werde, in der man in jedem Spiel Außenseiter sei. Aber der Wille zu bestehen, ist spürbar: „Der Konkurrenzkampf lebt. Wir haben offensiv noch mehr Optionen. Die Mannschaft ist charakterlich sehr, sehr gut. Am Samstag waren wir zusammen Alemannia gucken, da hat niemand gefehlt.“ Der Charakter zeigte sich auch gegen Eilendorf. Als es spielerisch nicht mehr so rund lief, wurde gefightet. Wilden belohnte das. Mit eben jenem sehenswerten Chip-Ball zur Entscheidung. Und zum verdienten Turniersieg.

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