Stolberg - Italienische Liebesarien erinnern Zuhörer an barocke Festlichkeit

Italienische Liebesarien erinnern Zuhörer an barocke Festlichkeit

Von: mlo
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Sopranistin Natalie Stercken im grünen Prinzessinnenkleid und Pianistin Susanna Amirkhanyan mit Zylinder ernteten für ihr Konzert reichlich Beifall. Foto: M.-L. Otten

Stolberg. Kammermusik ist das vokale und instrumentale Musizieren im kleinen Kreis von zwei bis neun Aktiven, wie es vor allem in Privatsalons und Zimmern von Fürsten und Adeligen gepflegt wurde. Dazu gehört, dass sie ohne Dirigent gespielt wird, und jeder seine eigene Stimme hat. Und solche Musik war jetzt in den Privaträumen bei Sopranistin Natalie Stercken zu hören.

Mit Pianistin Susanna Amirkhanyan hatte sie zu ihrem zweiten Couch-Konzert eingeladen. Das Programm befasste sich mit alt-italienischen Liebesarien, die die Pianistin auf dem Cembalo, einem Instrument, das ab 1500 in Italien seine erste Blütezeit erlebte und fortan als Hausmusikinstrument der alten Meister galt, begleitete.

„Ein Dornröschenschlaf“ war der Titel des Programms und das Wachküssen der Prinzessin musikalisch angesagt. Mit Georg Friedrich Händels berühmten Melodien, „Ombra mai fu“ und „Lascia ch’io pianga“ eröffnete Natalie Stercken den Konzertabend. Sie meisterte diese vielschichtigen und anspruchsvollen Arien, die in der alten Zeit fast nur von Kastraten gesungen wurden, mit virtuoser Gesangskunst und wusste die Stimmung der Liebenden und Leidenden widerzuspiegeln.

Unerfüllte Sehnsucht

Die unerfüllte Sehnsucht und das Verzehren nach dem Liebsten verursachten Schmerz, sodass die Hoffnung auf ein glückliches Leben meist ein Wunschbild blieb. Der Klang des Cembalos war nicht besonders laut, stach aber in den hohen Lagen hell und strahlend heraus. Das silbrige Rauschen des Klanges rief bei vielen Zuhörern die Assoziation von barocker Festlichkeit hervor, wie es dem Anlass entsprach.

Wie dann Mozart auf dem Cembalo klang, zeigte Susanna Amirkhanyan mit seiner „C-Dur Sonate“. Ungemein vital und frisch spielte sie die einzelnen Sätze der Komposition, die am Eingang des Mozart‘schen Sonatenwerks steht, und offenbarte ungewohnte Finessen, so dass die Zuhörer sich zu langanhaltendem Applaus inspirieren ließen.

Weiter ging es mit Arien von Caccini, Cavalli, Cesti, Scarlatti und Paisiello. Ihre Werke setzten eine gute Gesangs- und Atemtechnik voraus und eine gute Kenntnis des Stils, dem die Sängerin voll gerecht wurde. Am Ende gab es nach reichlichem Applaus noch zwei Zugaben, und dann blieb bei dem ein oder anderen Getränk noch Zeit für Unterhaltung.

 

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