Ist Stolberg als Einkaufsstadt zu retten?

Von: Doris Kinkel-Schlachter
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Schließung in der Rathausstra
Schließung in der Rathausstraße: Ganz aktuell macht Moden Stutzkowsky seine Pforten zu. Foto: D. Kinkel-Schlachter

Stolberg. Zum Start unserer Kampagne widmen wir uns dem Thema Leerstand. Für Stolberg ein leidiges, scheinbar nicht in den Griff zu kriegendes Thema. Gähnende Leere in der City, immer mehr Ladenlokale sind verwaist.

Besonders betroffen ist der Steinweg, aber auch in Rathaus- und Salmstraße sind die rosigen Zeiten längst vorbei. Ist Stolberg als Einkaufsstadt noch zu retten?

Heiner Flink ist der Meinung, dass es sich beim Leerstand um ein Problem handelt, das eben nicht nur Stolberg betrifft. „Viele Städte in der Größenordnung 40.000 bis 80.000 Einwohner sind davon betroffen”, weiß der Geschäftsführer des gleichnamigen Sportgeschäftes in der Rathausstraße. Dagegen gebe es auch „positive Ausreißer” wie Würselen. „Dort findet der Käufer aber eine ganz andere Qualität an Geschäften vor”, sagt Heiner Flink. Handy-Geschäfte und die Ansiedlung von immer mehr Gemischtwarenläden im unteren Preissegment, von Branchen-Mix könne da keine Rede mehr sein.

„Selbst für Ladenlokale, die nicht mehr leerstehen, gibt es keinen adäquaten Ersatz, um die Kaufkraft zu binden”, so der Geschäftsmann. Wie sich „Sport Flink” auch in der 6. Generation noch halten kann? „Familie und Eigentum”, betont Senior-Chef Rudi Flink. Er selbst hat das Geschäft über 50 Jahre lang mitgeprägt, seine Frau Helga ist als Senior-Chefin ebenfalls jeden Tag im Laden, und Verkäuferin Heidi Blasius gehört mit 35 Jahren Mitarbeit quasi ebenfalls zur Familie. „Meine Eltern machen das aus Freude und Verbundenheit, einen Stundenlohn dürfte sich mein Vater nicht ausrechnen”, sagt Heiner Flink. Und Vater Rudi fügt hinzu: „Der Konkurrenzkampf ist gnadenlos geworden!”

Was sich mittel- und langfristig ändern kann, weiß Familie Flink nicht zu beantworten, ohne Geld könne die Stadt nichts bewegen, „aber in den finanziell guten Zeiten ist nicht ausreichend zukunftsorientiert gehandelt worden”, glaubt Heiner Flink. Immerhin: Momentan sei wieder Bewegung da, zum Beispiel sei da die Burg, die wieder verstärkt Besucher anziehe, ebenso der Kupferhof Rosental, „aber das eben nur dank privatem bzw. bürgerlichem Engagement”. In diesem Zusammenhang begrüßen Flinks auch die neue Stolberger Bürgerstiftung.

„Umsonst parken in der Innenstadt”, ist sich Jutta Nießen-Dohmen sicher, dass das wieder mehr Besucher in die City locken würde. Gemeinsam mit ihren Eltern führt sie das „Kinderhaus Dohmen”, „im Mai sind wir schon 35 Jahre hier”, erinnert sich Bärbel Dohmen. Zwei Jahre, vielleicht noch ein bisschen länger, dann möchten sich die 64-Jährige und ihr 65-jähriger Mann Stück für Stück zurückziehen aus dem Geschäft.

Für die Nachfolge ist gesorgt, die 39-jährige Tochter will den Laden auf jeden Fall weiterführen. Sicherlich nicht, weil er eine Goldgrube wäre, aber weil sie eben dran hängt, „und weil für sie als Kind schon feststand, dass sie das Geschäft übernehmen möchte. Das hat sich bis heute nicht geändert”, sagt Bärbel Dohmen und schmunzelt. Die andere Tochter sei Lehrerin und verbeamtet, „in der heutigen Situation Einzelhandel zu machen ist reinster Idealismus”, weiß Bärbel Dohmen.

Eigentum und Familie sind auch hier die unverzichtbaren Pfeiler, auf die das Haus baut. „Wir leben hier aber auch deswegen ganz gut, weil wir uns spezialisiert haben”, betont Dohmen. Das Haus sei der einzige Fachhandel in der Stadt mit der Rundumversorgung fürs Kind. Neben Kleidung, Spielzeug, Deko und Co. bietet das Kinderhaus auch Frühchenbekleidung, spezielle Hosen für kräftige Kinder, Kommunionsbekleidung und Möbel an, so dass eben nicht nur Stolberger, sonder laut Dohmen auch 50 Prozent auswärtige Kunden das Geschäft im Steinweg besuchen. So kann es sich gut halten, „Höhen und Tiefen gibt es immer”, weiß Jutta Nießen-Dohmen, „aber wenn mehr Geschäfte hier wären, würde es natürlich besser laufen. Man ?befruchtet sich schließlich auch gegenseitig. Wenn aber einer nach dem anderen zumacht, löst das eine Kettenreaktion aus”, ergänzt Bärbel Dohmen.

Konkurrent Onlinehandel

„Mode ist immer gefragt. Trotzdem sind die Rahmenbedingungen für Händler in Stolberg nicht optimal”, sagt Andreas Kohler und spricht damit den großen Leerstand vieler Ladenlokale in der Kupferstadt und die Ansiedlung von „Ramschläden” an. „Seit 15 Jahren kämpft Stolberg und der Einzelhandel nun schon mit diesem Problem - hier ist die Politik gefragt”, betont der Geschäftsführer des „Modehaus Kohler” im Steinweg sowie Betreiber von „CBR Companies” im Burg-Center. Besonders dort laufe das Geschäft wunderbar, „um dem Leerstand entgegenzuwirken, müssten kostenfreie Parkplätze eingerichtet werden”, meint Andreas Kohler. Schließlich seien es nicht die „Parkgroschen”, die das gebeutelte Stadtsäckel wieder füllen würden.

Neben der „Stolberger Problematik” kämpfen viele Einzelhändler auch noch mit einem ganz anderen Problem: „Der Onlinehandel nimmt uns viele Kunden weg und auch die Rabattschlachten der großen Ketten und im Internet sind Punkte, die den Abverkauf in kleinen Geschäften schwieriger machen. In Sachen Preis ist es inzwischen so, dass die Großen den Takt angeben”, sagte Heidi Krajewski schon vor einigen Monaten im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Inhaberin des Modegeschäftes „Nova”. Zudem führe der Leerstand dazu, dass das Gesamtangebot für die Kunden in Stolberg eingeschränkter sei. „Und je kleiner das Angebot, umso weniger Interesse haben die Kunden daran, eine Stadt zu besuchen.”
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