Irmgard Pischulla-Schmitz will in der Zeit nicht stehen bleiben

Von: Heike Eisenmenger
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Im Kreise ihrer Kinder fühlt sich sich immer noch wohl, auch wenn sie sich auf den Ruhestand freut: Irmgard Pischulla-Schmitz hat in ihrem Berufsleben schon viele großgezogen. Foto: H. Eisenmenger

Stolberg-Münsterbusch. „Ich bin ein Auslaufmodell”, sagt Irmgard Pischulla-Schmitz, Leiterin der Integrativen Kindertagesstätte im Stadtteil Liester, und lacht. Seit nunmehr vier Jahrzehnten hilft Pischulla-Schmitz, die am Freitag in den Vorruhestand verabschiedet wird, Kindern beim „Großwerden”.

Als Pischulla-Schmitz zur Erzieherin ausgebildet wurde, waren Computer unbekannt. Der Arbeitsalltag vor 40 Jahren lässt sich nicht mit dem von heute vergleichen, resümiert die 60-Jährige. Den größten Unterschied sieht die Stolbergerin darin, dass die Kinder früher mehr Zeit für sich und zum Spielen gehabt hätten. „Heutzutage spielen die Kinder auch, aber auf eine andere Art und Weise. Es läuft alles nach Programmen ab, und ohne den Computer geht gar nichts”, sagt Pischulla-Schmitz.

Das Spielen an sich sei nicht mehr das Wichtigste, stattdessen stünde die schulische Vorbereitung im Zentrum. „Zahlen etwa brachten wir den Kindern über das Mensch-Ärgere-Dich-Nicht-Spiel bei. Beim Spiel wird miteinander geredet, die Kinder erlernen kommunikative wie auch soziale Fähigkeiten”, so die Leiterin der städtischen Kindertagesstätte.

„Den PC nicht ignorieren”

Pischulla-Schmitz will den Computer keineswegs verteufeln, „ohne PC geht es nicht, diese Entwicklung zu ignorieren würde bedeuten, in der Zeit stehen zu bleiben”, stellt sie klar. Speziell in der Sprachförderung - die Einrichtung Auf der Liester besuchen auch behinderte Kinder - erziele man mit Hilfe des Computers sehr gute Erfolge. „Die Kinder lieben es, am PC zu arbeiten”, betont Pischulla-Schmitz, die seit dreizehn Jahren die integrative Einrichtung leitet.

Auf der anderen Seite seien übermäßiger Computer- und Fernsehkonsum die Gründe dafür, dass immer mehr Kinder in der sprachlichen Entwicklung hinterher hinken. „Es wird zu Hause zu wenig miteinander geredet, das Kind hockt vor dem Computer oder dem Fernseher”, beschreibt Pischulla-Schmitz.

Mangelnde körperliche Bewegung und sprachlichen Defizite hängen eng zusammen, macht die Fachfrau deutlich. „Kinder, die sich bewegen, kommunizieren miteinander, beim Laufen rufen sie sich Kommandos zu und lernen spielerisch, sich anderen mitzuteilen.”

Der Leistungsdruck, der unsere Gesellschaft prägt, ist auch schon bei den Kleinsten zu spüren: „Das Spielen ist mit einem gewissen Druck verbunden”, hat Pischulla-Schmitz beobachtet und greift das „Memory”-Spiel als Beispiel auf. „Es dreht sich nur noch darum, wer die meisten Pärchen ergattert hat.” Das Miteinander, der Spaß, das gemeine Erlebnis - all das rücke in den Hintergrund, bilanziert Pischulla-Schmitz, die von 1986 bis 1996 schon Leiterin des städtischen Kindergartens Bertholdstraße war.

Arbeitsalltag verändert

Verändert hat sich der Arbeitsalltag auch in soweit, dass der bürokratische Aufwand enorm zugenommen habe. Im Rahmen des Kinderbildungsgesetzes sei eine exakte Dokumentation der Kindesentwicklung nötig, „was auch sinnvoll ist”. Weniger sinnvoll findet sie, dass oftmals zu viele Bildungsvereinbarungen in zu schneller Abfolge auf die Einrichtungen einprasseln.

Um die Zukunft des Kindergartens ist Pischulla-Schmitz nicht bang, sie vertraut voll und ganz auf das kompetente Team. Es sei schließlich der Lauf der Dinge, dass Jüngere nachrücken, „die mit Computern mehr anzufangen wissen - ich bin halt ein Auslaufmodell.”
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