Stolberg - Investieren, um weiter attraktiv sein zu können

Investieren, um weiter attraktiv sein zu können

Von: -jül-
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Mit dem Leistungsklassenturnier Stolberg Open ist des dem TC Blau-Weiß Stolberg gelungen, ein attraktives Angebot für den Sport auf die Beine zu stellen, von dem auch der Verein profitiert. Foto: J. Lange
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Der neue Vorstand des TC Blau-Weiß: Guido Graaf, Raymond de Waele, Lydia Flink, Jürgen Sonnen (sitzend v. l.), Helmut Braun, Nicole Pfeil, Udo Chantré und Hans-Joachim Held (stehend v.l.). Foto: J. Lange

Stolberg. Muss ein traditionsreicher Verein seine Mitgliedsbeiträge erhöhen, um sich vor dem Hintergrund sich wandelnder gesellschaftlicher Rahmenbedingungen weiter finanzieren zu können? Vor dieser Frage steht der 1932 gegründete Tennisclub Blau-Weiß bei seiner Jahreshauptversammlung im renommierten Parkhotel – direkt gegenüber der Anlage am Hammerberg gelegen.

Dort bauen die Mitglieder des ersten Tennisclubs in der Kupferstadt im Laufe der Jahrzehnte eine ansehnliche Anlage auf. Bis vor wenigen Jahren noch acht, jetzt sieben Plätze am Rande des Naturschutzgebietes nebst einem Clubheim, das auch heute noch bewirtet werden kann, sind der ganze Stolz der Blau-Weißen.

Doch in den Jahren nach dem Boom des weißen Sports dank Boris „Bobbele“ Becker und Steffi Graf macht sich auch am Hammerberg langsam eine rückläufige Mitgliederentwicklung bemerkbar. Oder ist zumindest absehbar, wie die Prognose des Vorstandes über die nächsten fünf Jahre erkennbar macht.

„Es finden weniger Interessenten zu unserem Sport“, konstatiert Raymond de Waele. Ein viel breiteres Angebot an Sportarten, eine Scheu vor Vereinen, die Konkurrenz des Internets und ein verändertes Freizeitverhalten sind einige der Gründe, lange Schulzeiten und eine gewandelte Interessenlage sind andere Gründe, die vor allem beim Nachwuchs punkten.

Heute zählt der Traditionsclub 263 Mitglieder, darunter bei der Aktivitas 119 Erwachsene und 42 Jugendliche. Bereits 2017 könnte die Zahl auf 207 Blau-Weiße sinken; dann würden noch 135 Cracks für Stolberg dem Filzball regelmäßig nachjagen.

„Es ist frappierend“, so der Vorsitzende weiter: „Heute sind 92 unserer Mitglieder älter als 60 Jahre“. Der Durchschnitt der Clubmitglieder liege bei 55 Jahren. Dieser auf Basis konservativer Berechnungen prognostizierte Mitgliederschwund würde deutliche Konsequenzen zur Folge haben. Vor allem in Bezug auf die Einnahmen.

Schon seit Jahren weist der Finanzplan ein leichtes Minus unter dem Strich aus – dank der soliden Basis des Traditionsvereins eine verkraftbare Unterdeckung, die durch die Substanz aufgefangen werden kann. Aber die Rücklagen schwinden nicht nur, sie sind aufgrund der steuerlichen Rahmenbedingungen für einen als gemeinnützig anerkannten Verein auch auf ein Minimum zurückzuführen.

Gleichzeitig steigt der Bedarf an Investitionen in die Unterhaltung der nicht jünger gewordenen Anlage kontinuierlich. Das Delta zwischen Einnahmen und Ausgaben droht in der Zukunft immer größer zu werden. Schon heute wägt der Vorstand intensiv ab, unterscheidet zwischen wünschenswerten und unabdingbaren Ausgaben.

„Wenn wir nicht investieren, kommen wir nicht weiter in unseren Bemühungen, den Tennisclub positiv darzustellen und nachhaltig in die Zukunft zu führen“, ermutigt Udo Chantré. Auch der stellvertretende Club-Präsident mahnt, sorgfältig abzuwägen, wofür Geld ausgegeben werden soll.

Da ist einerseits das Geländer oberhalb der Plätze 2 und 3, das aus Gründen der Verkehrssicherheit ersetzt werden muss. Da ist die Wiederherstellung des separaten Zugangs zu Platz 5 hinter dem Center Court für einen geordneten Spielbetrieb. Es steht eine Reparatur des Platzes 3 an, die vermutlich wirtschaftlicher mit einer Sanierung des Platzes 2 erfolgen könnte – Investitionen, die sinnvollerweise durch den Abbau der Rücklagen finanziert werden sollen.

Aber es bleiben die konstanten Kosten der alljährlichen Aufbereitung und Pflege der Aschenplätze – eine Voraussetzung für die hochkarätige Präsenz des Clubs in den Spielklassen des Tennisverbandes Mittelrhein – sowie der Unterhaltung des Clubheims, die gestemmt werden müssen.

„Vor allem die verbrauchsabhängigen Kosten für Energie und Wasser machen den Großteil aus und werden durch Pachteinnahmen auch langfristig nicht zu decken sein“, bekennt de Waele: Es gibt aber auch Positionen, an denen gespart werden kann. „Das tun wir bereits so gut es geht“, beteuert der Vorsitzende. Doch es bleibe bei aller Betrachtung auf die zukünftige Entwicklung dabei. „Wenn wir jetzt handeln, wird ein gesellschaftlich und sportlich attraktiver TC Blau-Weiß bestehen können.“

Als Konsequenz empfiehlt der Vorstand den Mitgliedern eine Erhöhung der Mitgliedsbeiträge. Ein Schritt, den sich die Verantwortlichen des Clubs sichtbar nicht leicht gemacht haben. „Ich bin seit 30 Jahren Mitglied in diesem Verein“, bekennt de Wale, „aber ich kann mich an eine Beitragserhöhung nicht erinnern.“ Selbst die Umstellung von D-Mark auf Euro sei wohl nur im Rahmen der üblichen Rundung anhand des offiziellen Wechselkurses erfolgt. Doch trotz Beitragsanpassung liege der TC Blau-Weiß weiter unterhalb dem Niveau vergleichbarer Vereine im Umfeld, sagt der Vorstand:

Um 40 auf 240 Euro, also um 3,33 pro Monat, soll der Beitrag für Erwachsene erhöht werden. Der für Jugendliche von 80 auf 100 Euro im Jahr, wobei Teilnehmern des Wintertrainings wie gewohnt 80 Euro erstattet werden. Unverändert bleiben sollen die 30 Euro pro Jahr für Inaktive ebenso wie der Familienbeitrag, bei dem dem Mitglied pro Kind 20 Euro an gerechnet werden ebenso wie die gestaffelten Schnupperangebote für Neumitglieder.

Seine Argumente hat der Vorstand offensichtlich überzeugend vorgetragen. Es gibt wenige Nachfragen. Etwa ob die Beitragserhöhung Mitglieder abschrecken würde oder wie erforderlich überhaupt eine Sanierung von Platz 3 wirklich erforderlich sei.

Aber letztlich ist das Votum für den Vorstandsvorschlag eindeutig: 33 anwesende Mitglieder stimmen zu, zwei votieren dagegen und eines enthält sich. Erleichterung am Tisch des Vorstandes ist zu spüren: „So sind wir gerüstet für die Zukunft“, dankt de Waele. Zumal er sich und sein Team bereits viele Gedanken für die weitere Entwicklung und Positionierung des Clubs gemacht hat.

Da ist einerseits die nachhaltige Fortsetzung des noch jungen Leistungsklassen-Turniers der „Stolberg Open“. In ihrem zweiten Jahr hat sie nicht nur einen Überschuss erwirtschaftet, der es ermöglicht, in der Vorjahresbilanz eine nur leicht rote Zahl auszuweisen, sondern sie wird bei immer mehr Freunden des weißen Sport zu einem attraktiven Angebot in den Sommermonaten.

„Die Stolberg Open ist für unseren Club ein Aushängeschild“, lobt und dankt de Waele den Organisatoren um Udo Chantré, Jochen Nagelschmidt und Jürgen Sonnen. 95 Aktive sind es im Sommer 2015 gewesen, die sich beteiligt und die Clubanlagen zu einem regionalen Roland Garros der Tennisszene gemacht haben. Gleich zwei Wochen soll der Hammerberg vom 6. bis 20. August zum dritten Mal zu einem Aushängeschild des Sports und des Clubs werden.

Auch für die Bewirtschaftung von Gästen und Mitgliedern sehen sich die Blau-Weißen gut aufgestellt. Nachdem Inge und Klaus Scherl im Vorjahr vorzeitig an den Start gegangen sind, sehen die Vereinsmitglieder ihre Leistung ausgesprochen positiv. „Wir hoffen, ein langfristiges Engagement eingehen zu können“, sagt Chantré.

Erfolgreich positioniert sieht sich Blau-Weiß auch in der Nachwuchsarbeit. Der TC bietet im Rahmen der offenen Ganztagsbetreuung an der Donnerberger Grundschule Tennisunterricht für die Kinder – in der Hoffnung, langfristig auch Aktive für den Verein, oder zumindest für den Sport, gewinnen zu können.

Und auch sportlich könne sich die Bilanz des Clubs sehen lassen. In der vergangenen Medensaison vertreten 13 Mannschaften die Farben Blau-Weiß. Zwei im Hobby-Bereich, drei bei den Junioren und neun bei den Erwachsenen. Mit Erfolg: Die Herren 65 schaffen den Aufstieg in die Oberliga, der höchsten Amateurklasse, werden aber weiterhin 1. Verbandsliga spielen, weil für das erforderliche Sechser-Team die personellen Ressourcen nachhaltig nicht ausreichen.

In einem Durchmarsch nehmen die 1. Herren 50 den Aufstieg in die 1. Verbandsliga. Die 2. Herren 50 sichern ihren Mittelfeldplatz in der 2. Bezirksliga, und die Herren 30 sind weiterhin in der 2. Verbandsliga unterwegs. Die Damen 40 sichern sich neben dem Bezirkspokal den Aufstieg in die 2. Verbandsliga. Lediglich die neu formierten Damen 50 können ihre hohe Einstufung in der 2. Verbandsliga nicht halten und treten in der kommenden Saison in der 1. Bezirksliga an. Die Juniorinnen 18 sichern sich die Meisterschaft in der 2. Kreisliga.

Die Angebote für die Jugend, wie das Tenniscamp und die Tennisschule, werden gut angenommen, bilanziert Raymond de Waele, während die angebotenen Turniere auf unterschiedliche Resonanz stoßen. Während beispielsweise das Kuddel-Muddel-Turnier zu Pfingsten ein bewährter Renner ist, muss das Tiebreak-Turnier für Herren mangels Nachfrage abgesagt werden. Ein Lob des Vorsitzenden gilt dem Zustand der Anlage am Hammerberg, und dem gesellschaftliche Leben des Clubs sind neue Impulse gegeben worden. Bei einer solchen Bilanz sind die üblichen Regularien nur noch Formsache, nachdem die Finanzprüfer Birgit Kogel-Petrillo und Heinz-Gerd Klostermann eine vorbildliche Kassenführung durch Nicole Pfeil bescheinigen.

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