Interview: Dressur- und Springwettstreit bis zur höchsten Klasse

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Astrid Meyers bei den Vorbereitungen für das große Reitturnier auf Gut Hassenberg in Büsbach. Es gibt in diesem Jahr insgesamt 34 Wettbewerbe an drei Tagen. Foto: D. Müller

Stolberg-Büsbach. Das große Sommerturnier des Reitervereins Büsbach lockt an diesem Wochenende mit zahlreichen Dressur- und Springwettbewerben nach Gut Hassenberg. Seit fast dreieinhalb Jahrzehnten ist Astrid Meyers Mitglied in dem Reiterverein, in dem sie seit sechs Jahren als stellvertretende Vorsitzende im Vorstand wirkt.

Dirk Müller sprach mit ihr über das Turnier, bei dem seit 2016 die S-Klasse im Springen wieder Einzug gehalten hat.

Ein Höhepunkt des Sommerturniers ist das S-Klasse-Springen am heutigen Samstag. Was waren die Beweggründe, die höchste Klasse auf Gut Hassenberg wieder einzuführen?

Meyers: Wir wollten das Turnier sowohl für das Publikum, als auch für die Reiter noch attraktiver machen und eine breite Spanne für die Aktiven bieten. 2015 haben wir weniger Teilnehmer beim Springen in der M-Klasse verzeichnet, und deshalb 2016 die S-Klasse angeboten, um auch die M-Springen zu beleben.

Ist dieser Plan aufgegangen?

Meyers: Ja, bei dem aktuellen Turnier nehmen mehr als 50 Reiter an Springen der M-Klasse teil, und in der S-Klasse sind es rund 25. Wir bieten den Aktiven jetzt in Dressur und Springen eine breite Spanne an. Anfänger und junge Reiter messen sich ebenso in den Wettbewerben wie ambitionierte Reiter und Profis.

Warum gab es zehn Jahre lang keine S-Klasse-Springen in Büsbach?

Meyers: Wir haben ganz profan aus wirtschaftlichen Gründen darauf verzichten müssen. Seinerzeit haben die S-Klasse-Springen schlichtweg die Vereinskasse zu stark belastet, so dass der damalige Vorstand die Kosten vor den Vereinsmitgliedern nicht mehr verantworten wollte.

Und was macht der Reiterverein heute anders?

Meyers: Zunächst hat es sich bewährt, dass wir unser ehemaliges Pfingstturnier seit einigen Jahren als Sommerturnier im August veranstalten, denn an Pfingsten gab es immer Konkurrenzveranstaltungen in der Nähe. Dann bieten wir heute nicht wie früher zwei, sondern nur einen S-Klasse-Wettbewerb an.

Und damit wir bei dem Turnier schwarze Zahlen schreiben, machen wir enorm viel Werbung. Zum Beispiel haben wir Plakate bei circa 70 Vereinen verteilt und Büsbacher Briefkästen mit 1000 Flyern bestückt. Hinzu kommt viel Werbung im Internet. Auch auf potenzielle Teilnehmer am S-Klasse-Springen sind wir aktiv zugegangen und haben sie so für unser Turnier gewinnen können.

Wie viel Vorbereitung ist für das dreitägige Turnier nötig?

Meyers: Eine ganze Menge, weil die Organisation und die Ausschreibungen nur die Spitze des Eisbergs darstellen. Zeitaufwendig ist auch die Sponsorensuche, wobei wir in der glücklichen Situation sind, genügend Unterstützer zu finden. Und unsere Anlage auf Gut Hassenberg ist schön und groß, aber auch betagt. Da ist immer viel zu tun.

Wir haben beispielsweise jetzt einen neuen Entwässerungsgraben gezogen. Weil wir uns natürlich beim Turnier von unserer besten Seite zeigen wollen, haben wir tüchtig geputzt, gemäht und die Pinsel geschwungen, etwa die Tribüne und den Richterturm neu gestrichen.

Dann haben Vereinsmitglieder gekocht und gebacken, damit wir die Gäste und die Aktiven mit einem vielfältigen kulinarischen Angebot bewirten können. Der Aufwand im Vorfeld ist enorm, und wir sind sehr froh, dass befreundete Büsbacher Vereine uns während des Turniers unterstützen.

Wie ist es dazu gekommen?

Meyers: Unsere Vereinsmitglieder wollen verständlicherweise bei dem Turnier in erster Linie reiten. Sie möchten vor dem heimischen Publikum natürlich an den Wettbewerben in Dressur und Springen teilnehmen. Ein Pferd ist aber kein Sportgerät, das man nach dem Wettbewerb einfach in die Ecke stellen kann, sondern ein Lebewesen, das viel Zuwendung und Pflege benötigt.

Deswegen ist ein Reiter, der an einer Prüfung teilnimmt, mit Vor- und Nachbereitung gut vier Stunden beschäftigt. Es bleibt den Aktiven also nicht viel Zeit übrig, um bei dem Turnier zu helfen. In der Interessengemeinschaft Büsbach habe ich dafür geworben, dass Büsbacher Vereine sich gegenseitig unterstützen und untereinander Helfer „verleihen“.

Vorstandsmitglieder des Reitervereins haben bereits bei Veranstaltungen befreundeter Vereine mitgeholfen, und jetzt sind bei unserem Turnier Mitglieder der Karnevalsgesellschaft Büsbach und der St.-Hubertus-Schützenbruderschaft im Einsatz. Dieses Miteinander ist toll, weil die Vereine davon profitieren und vor allem die Besucher der jeweiligen Veranstaltungen.

Wenn das große Sommerturnier für den Reiterverein Büsbach so viel Aufwand bedeutet, warum richtet der Verein es überhaupt aus?

Meyers: Wir möchten dem Publikum etwas bieten und damit gleichsam Werbung für den Reitsport und unseren Verein machen. Und gerade in finanzieller Hinsicht ist das Turnier für den Reiterverein überlebenswichtig. Wir erhalten keinerlei Zuschüsse, und die Mitgliedsbeiträge sind moderat und beinahe „durchlaufende Posten“, die wir fast vollständig weiterreichen, etwa an Verbände und Versicherungen. Der Reiterverein muss aber sämtliche Kosten selbst stemmen, so dass wir auf die Einnahmen aus Sponsoring und Bewirtung beim Turnier angewiesen sind.

Welche Kosten muss der Reiterverein denn stemmen?

Meyers: Beispielsweise haben jüngst Fachfirmen die Böden in der Reithalle und im Longierzirkel komplett ausgetauscht. Auch der Abreiteplatz der Springer hat einen neuen Bodenbelag bekommen, und auf dem Springplatz ist frischer Sand aufgetragen worden. Allein diese Maßnahmen belasten die Vereinskasse mit einem fünfstelligen Betrag.

Und sie sind erforderlich – nicht nur um den Turnierteilnehmern beste Bedingungen zu bieten. Wir müssen turnusmäßig immer wieder viel Geld in die Anlage investieren, um unseren Vereinsmitgliedern übers ganze Jahr gute Rahmenbedingungen für den Reitsport zu ermöglichen.

Wie viele Mitglieder zählt der Reiterverein Büsbach?

Meyers: Wir haben rund 250 aktive Mitglieder. Es waren mal mehr, aber auch andere Vereine bemerken eine rückläufige Entwicklung der Mitgliederzahlen. Der Reitsport ist halt ein sehr zeitaufwendiges Hobby, das auch nicht ganz billig ist. Mit unser Mitgliederzahl, die seit einigen Jahren stabil ist, können wir daher zufrieden sein.

Im Rahmen des Turniers finden auch Stadt- und Vereinsmeisterschaften statt (siehe Infokasten). Ist das derzeit nicht dasselbe?

Meyers: Fast ja, aber wir hoffen, dass es nur eine Momentaufnahme ist. An den Stadtmeisterschaften im Reiten festzuhalten, ist uns wichtig. Besonders mit Blick in die Zukunft, in der hoffentlich wieder mehr Konkurrenz die Meisterschaften beleben wird. Außerdem wird das Sommerturnier dadurch bereichert. Übrigens ebenso wie durch die Dressurprüfungen in der M-Klasse, die zugleich die Qualifikation für die Kreismeisterschaft darstellen.

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