Interview: Die Stolberger müssen ihre Stadt wieder lieben lernen

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Christiane Lühr stammt aus Stolberg. Sie soll für eine Aachener Medienagentur für ein besseres Image der Stadt sorgen. Foto: V. Barsig

Stolberg. Stolberg soll einen besseren Ruf bekommen. Bei einem Ideenwettbewerb der Stadt haben sieben Bewerber ihre Vorschläge eingebracht. Ausgewählt wurde die oecher-design Medienagentur von Christiane Lühr und Nicole Scherrers. Christiane Lühr ist selbst Stolbergerin und spricht im Interview mit Valerie Barsig darüber, dass es ihr eine Herzensangelegenheit ist, Stolberg ein bisschen schöner zu machen.

 

Frau Lühr, ist Stolberg noch zu retten?

Lühr: (lacht) Ja, ich denke, Stolberg ist absolut noch zu retten.

Was sind die größten Probleme, die Stolberg hat?

Lühr: Das größte Problem ist, dass den Stolbergern nicht mehr bewusst zu sein scheint, in was für einer tollen Stadt sie leben. Die ganze Geschichte, die Altstadt und die Kupferhöfe, all das ist in den Köpfen nicht mehr präsent.

Mangelt es den Stolbergern also an Selbstbewusstsein?

Lühr: So würde ich das nicht sagen, aber man muss die Bürgern einfach mal wieder daran erinnern, wie schön es in Stolberg ist.

Ist die rechte Szene in Stolberg, die in vielen Köpfen verankert ist, ein Problem für die Außendarstellung der Stadt?

Lühr: Das Thema haben wir erstmal außen vor gelassen. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass es Teil unserer Kampagne sein wird, mit dieser negativen Außenwahrnehmung aufzuräumen.

Wie genau wird die Kampagne für Stolberg aussehen?

Lühr: Das möchte ich noch nicht verraten, schließlich setzen wir auf den Überraschungseffekt. Nur so viel kann ich sagen: Wir haben uns auf Stolbergs „neuen“ Namen gestürzt. Die Kupferstadt ist unser Thema. Es geht um die Geschichte des Ortes und die soll in einen modernen Kontext gesetzt werden.

Sie haben sich in mehreren Runden gegen sieben weitere Bewerber durchgesetzt. Wie geht es jetzt weiter?

Lühr: Ja, die Entscheidung war auch noch sehr knapp. Deshalb sind wir stolz, dass wir den Ideenwettbewerb gegen so große Konkurrenz gewonnen haben. Als Nächstes setzen wir uns mit der Stadtverwaltung zusammen und besprechen, was man als Erstes angehen kann.

Wird das Budget ein Problem?

Lühr: Nein. Wir haben zwar auch ein paar kostspieligere Ideen, aber unsere Konzepte für Stolberg sind nachhaltig geplant. Wir werden nicht alles auf einmal umsetzen und dann sagen „So, Stolberg, wir sind dann mal weg“. Es gibt mehrere Ecken, an denen wir ansetzen möchten. Wir sind sehr motiviert.

Und was ist mit den Bürgern?

Lühr: Genau das ist ein zentraler Punkt für uns. Denn wenn wir die Stolberger nicht mitnehmen, wird unser Konzept nicht funktionieren. Man darf den Bürgern in Stolberg nichts aufzwingen, sie sollen unser Konzept annehmen und es leben. Auch die Einzelhändler in Stolberg sollen mit ins Boot. Sie sind ohnehin schon motiviert.

Und Sie wollen nicht mal ein kleines bisschen verraten, was passieren wird?

Lühr: Ich sage nur so viel: Bürgerwettbewerb. Mehr möchte ich nicht verraten. Angesprochen werden sollen aber auch Kitas, Vereine oder Schulen. Oder einzelne Stolberger, die mit entscheiden, was mit ihrer Stadt passiert.

Denken Sie, sie werden es schwer haben in Stolberg neue Ideen einzubringen?

Lühr: Nein. Stolberg ist eine Stadt im Umbruch, wie die jüngsten Ereignisse gezeigt haben!

Woran sehen Sie das?

Lühr: Gerade hat sich in der Stadtverwaltung viel getan. Durch den neuen Bürgermeister gibt es viel frischen Wind. Er hat schon viel in der Stadt umgesetzt, und die Bürger sehen, dass sich etwas tut. Jetzt muss man sie nur wieder motivieren, an ihre Stadt zu glauben.

Was wollen Sie durch Ihr Konzept erreichen?

Lühr: Gerade die Innenstadt in Stolberg hat ein Imageproblem. Wenn die Stadt einen besseren Ruf hätte, würde es dort wieder mehr Einzelhandel geben und auch wieder Cafés und Kneipen, zu denen Menschen auch von Außerhalb kommen würden. Dort wollen wir ansetzen. Auch die Bürger müssen ein positives Bild ihrer Stadt nach außen tragen. Es ist wichtig, dass sie sich mit ihrer Stadt identifizieren, damit sie das tun können. Hierbei wollen wir helfen.

Sie selbst sind Stolbergerin, dort aufgewachsen und zur Schule gegangen. Wie ist es für Sie, etwas für Ihre Stadt zu tun?

Lühr: Sehr wichtig. Für mich ist die Kampagne auch eine Herzensangelegenheit.

Wenn Sie vergleichen: Stolberg früher und heute, wie ist das?

Lühr: Ich habe mich in der Stadt immer sehr wohl gefühlt. Die Altstadt, das Savoy, das by George – all das sind Orte, an die ich auch heute gerne gehe. Irgendwann begann die Abwanderung des Einzelhandels. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, dass wir früher im Steinweg gerne shoppen gegangen sind. Das ist nun vorbei. Der Reiz, in Stolberg einkaufen zu gehen, ist für viele nicht offenbar mehr da. Dabei gibt es schöne kleine Läden, die wirklich gut sind. Es müssen einfach wieder mehr werden.

Wie steht Stolberg im Vergleich zu anderen Städten in der Region da?

Lühr: Es gibt durchaus noch andere Städte, die neben Aachen verblassen. Stolberg schwimmt da einfach mit. Wir werden jetzt daran arbeiten und zwar von innen nach außen.

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