Interview: Den Herausforderungen des Ganztages stellen

Von: Jessica Küppers
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Gemeinsam die Geschicke des Gymnasiums lenken
Gemeinsam die Geschicke des Gymnasiums lenken: Für Schriftführer Jürgen Baral (von links), Ulrich Kuckelkorn (ehemaliger Vorsitzender des Födervereins), Heiner Flink (neuer Vorsitzender), Horst Reidt (Schatzmeister) und Schulleiter Armin Ochse war und ist Teamarbeit wichtig. Foto: D. Kinkel-Schlachter

Stolberg. Heiner Flink ist der neue Vorsitzende des Fördervereins des Ritzefeld-Gymnasiums. Damit übernimmt er das Amt von Ulrich Kuckelkorn, der das Ehrenamt 22 Jahre ausgefüllt hat. Er will sich in seiner Amtsperiode vor allem den besonderen Aufgaben des Ganztages widmen. Was auf die Schule in den nächsten Jahren zukommt, hat er im Wochenendinterview beantwortet.

 

Warum hat mittlerweile fast jede Schule und jeder Verein einen eigenen Förderverein?

Flink: In der heutigen Zeit bedienen sich alle Schulen und Vereine eines Fördervereins, um mit den Abschöpfungen, Finanzierungen und Zuschüssen dieses Fördervereins ein attraktives Angebot zu gewährleisten. Im schulischen Bereich ist die Bezuschussung der Gelder aus kommunalen Töpfen sehr beschränkt, daher greift man auf einen Förderverein zurück. Aber auch viele Fußballvereine nutzen Fördervereine, um beispielsweise Turniere in Spanien zu ermöglichen, die einen hohen finanziellen Aufwand für die Eltern darstellen würden.

Welche Aufgaben hat der Förderverein am Ritzefeld-Gymnasium?

Flink: Der Förderverein ermöglicht im schulischen Umfeld – Eltern, Vereinen und Unternehmen – sich für die Schule zu engagieren und Verantwortung zu übernehmen. Das ist nur zu erreichen, wenn der Förderverein in das Schulleben einwirkt und zu einer Veränderung des Schulklimas und zu einer engeren Kooperation zwischen Lehrern, Schulleitung und außerschulischen Partnern beiträgt.

Es gibt viele Möglichkeiten, etwas für die Schule und die Lern- und Entwicklungschancen der Schülerinnen und Schüler zu tun. So haben wir in den vergangenen Jahren eine Mensa miteingerichtet, Musikinstrumente und Sportgeräte angeschafft und einen Spielraum für die Mittagspause ausgestattet.

Wovon hängt es ab, ob Geld zur Verfügung gestellt werden kann?

Flink: Das richtet sich nach der jeweiligen Satzung des Fördervereins. Das heißt beim Ritzefeld-Gymnasium, dass Bildung bei allen Maßnahmen, die gefördert werden, immer im Vordergrund stehen muss. Das hängt immer davon ab, wie der Förderverein sich selbst sieht und einen Schwerpunkt legt. Aber Geld ist nicht alles. Viele erfolgreiche Vereine unterstützen die Schule auch in anderer Hinsicht, zum Beispiel durch Kontakte in der Gemeinde, durch Know-How und durch ehrenamtliches Engagement der einzelnen Mitglieder.

Wo sind die Grenzen der Möglichkeiten?

Flink: Das hängt von der Satzung ab. Das ist ja immer die heilige Kuh, an die man nicht gerne rangeht, um die zu ändern. Meistens macht das auch keinen Sinn, weil man einen roten Faden braucht. Den sollte man nicht jährlich durch Satzungsänderungen in Frage stellen. Man hat gewisse Vorgaben, und bei Schulen ist es meistens so, dass die Fördermittel ausschließlich für Bildung vergeben werden.

Es gibt aber Einzelfälle, in denen unter bestimmten Voraussetzungen spezielle Förderungen möglich sind. Das könnte zum Beispiel ein Zuschuss zu einer Klassenfahrt sein, wenn sozialschwache Familien sich das sonst nicht leisten könnten. Grundsätzlich muss sich ein Förderverein an Richtlinien halten. Ob die eingehalten werden, prüft das Finanzamt.

Warum engagieren Sie sich in dem Förderverein?

Flink: Der Beweggrund, sich in einem Förderverein zu engagieren, ist immer ein Bezug zur Schule. Ich war auf dieser Schule, habe dort das Abitur gemacht. Mein ältester Sohn ist auch auf dieser Schule. Deswegen bringe mich in so ein Ehrenamt ein.

Welche Ziele haben Sie sich als neuer Vorsitzender gesteckt?

Flink: Ich sehe die Arbeit für den Förderverein in vielen Dingen als Teamarbeit. Wenn diese Teamarbeit nicht in den vergangenen Jahren so vorbildlich gewachsen wäre – da muss ich meinen Vorgänger, Ulrich Kuckelkorn, und an dessen Seite Horst Reidt erwähnen – wäre das für mich nicht so leicht. Mein Ziel ist, diese harmonische Teamarbeit in deren Sinne fortzuführen.

Das zweite Standbein ist eine enge Zusammenarbeit im Team mit der Schulleitung. Aber auch darüber hinaus – Stichwort Ganztag – sind viele Arbeitsgruppen mit Hilfe von Vereinen entstanden. Wir haben beispielsweise eine Billard-AG. Ich möchte das auch mit möglichen Sponsoren in Einklang bringen.

Gibt es einen konkreten Verein, den Sie im Auge haben?

Flink: Das hängt immer von den Jahrgängen ab. Man kooperiert ja auch mit Sportvereinen. Es gab eine Tennis-AG und eine Fußball-AG. Man muss immer überprüfen, welche Nische man besetzen kann und was gerade populär ist. Da sind wir nach allen Seiten offen. Alles, was weiterbringt und bildet, kommt in Frage. Das kann auch eine Theater-AG sein. Das läuft in Abstimmung mit der Schulleitung.

Was ist denn momentan besonders beliebt?

Flink: In der heutigen Zeit sind natürlich technische AGs besonders beliebt. Wir haben 60 Computer, jeweils 30 in zwei Räumen. Wenn die zum Beispiel ein Software- Update kriegen, sind das mal schnell 150 bis 200 Euro pro Computer. Dabei kann der Förderverein unterstützen. Das Land gibt Vorgaben, zum Beispiel Informatik als Pflichtfach, aber die Töpfe sind überall leer. Theorie und Praxis gehen zum Teil weit auseinander.

Wo sehen Sie sonst noch Handlungsbedarf?

Flink: Wir haben einige Projekte, die wir im Moment unterstützen. Bespielsweise eine neuere Ausrichtung des Selbstlernzentrums, bei der wir eine Kofinanzierung planen. Durch den Nachmittagsunterricht verändert sich das komplette Schulbild. Man muss eine Mensa schaffen, man muss Räume schaffen, um zur Ruhe zu kommen.

Da hat sich in den vergangenen Jahren in ganz Deutschland viel getan und damit sind die Anforderungen der Schule gewachsen. Die Gebäude waren ursprünglich nicht dafür ausgerichtet, dass der Unterricht ganztägig stattfindet. Diesen Herausforderungen müssen sich die Schulen jetzt stellen. Beispielsweise bekommt auch die Gestaltung eines Schulhofes eine ganz andere Bedeutung.

Wenn es zwei große Pausen à 20 Minuten gibt, kann man ein bisschen Luft schnappen. Wenn die Schüler an drei Tagen pro Woche bis vier Uhr betreut werden, muss auch bildungs- und freizeittechnisch was angeboten werden. Außerdem wollen wir die Arbeitsgruppen weiter ausbauen und unterstützen.

Spielt auch Konkurrenzdenken unter den Schulen eine Rolle?

Flink: In Stolberg sehe ich das nicht. Die zwei Gymnasien harmonieren sehr und bieten schulübergreifende gemeinsame Kurse an. Ich kann kein Konkurrenzdenken feststellen.

Gibt es ein Projekt, das Ihnen besonders am Herzen liegt?

Flink: Meine ganz persönliche Zielsetzung ist es, die Mitgliederzahl von aktuell 650 in den vierstelligen Bereich zu bringen. Das halte ich für realistisch. Außerdem muss man auch Visionen haben, wenn man so einen Vorsitz übernimmt. (lacht) Ich würde mir wünschen, dass viele auch dann Mitglied bleiben, wenn ihre Kinder nicht mehr auf der Schule sind. Das ist eine Sicherung und Gewährleistung des Fortbestandes dieses Vereins. Je breiter man aufgestellt ist, desto besser ist das für den Förderverein der Schule.

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