Interreligiöses Kabarett auf der Frankentaler Bühne

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Herrlich ironisch: Wolfram Behmenburg bei seinem Auftritt als Salafist, der unter anderem von Jesus höchstpersönlich doch noch davon abgehalten wird, eine Bombe zu zünden.

Stolberg. „Mach mal Djihad“ und „Liebe deinen Nächsten“ – was auf den ersten Blick in ein und demselben Satz nicht so recht miteinander vereinbar erscheint, brachte das interreligiöse Kabarett des Kölner Ensembles Klüngelbeutel auf der Frankentaler Bühne des ökumenischen Gemeindezentrum zusammen.

Es war ein besonderer Abend, zu dem rund 150 Zuschauer erschienen sind: humorvoll, ironisch, verbunden mit einer gewissen Ernsthaftigkeit. Mit dem Programm „Djihad in Wittenberg“, passend zum großen Reformationsjubiläum 2017, führten die Kabarettisten durch so manch turbulente Zeiten aus der Vergangenheit und zogen zudem Parallelen zum gegenwärtigen Weltgeschehen: „Wir wollten diesmal etwas Zeitkritisches auf die Bühne bringen und mit dem Kabarett und Humor eine andere Form nutzen, um Inhalte zu transportieren“, sagt der Leiter des Evangelischen Erwachsenenbildungswerkes Aachen, Jürgen Groneberg, der die Veranstaltung in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Kirchengemeinde Stolberg organisiert hat.

Frei nach Culcha Candela

Stand der Reformator Martin Luther seinerzeit 1517 vor der Tür der Schlosskirche zu Wittenberg, um seine 95 Thesen festzunageln, fand er sich nun mit seinem Hammer im 21. Jahrhundert im Scheinwerferlicht wieder. Umgedichtet mit dem Song der Band Culcha Candela „Hamma!“ erlang Wolfram Behmenburg, der Luther verkörperte, auf Anhieb ein Sympathiegefühl seitens der Zuschauer.

Als im nächsten Schritt Fatime, eine junge Muslimin, alias Ulrike Behmenburg, bedeckt mit einer Burka, auf der Bühne erschien, staunte das Publikum nicht schlecht, als sie selbstbewusst und taff begann, Poetry-Slam vorzutragen: „Ich stehe auf der Bühne um zu zeigen, ich bin auch nur ein Mensch. Geboren bin ich im selben Land wie ihr. Bin Zuhause im Islam und hier.“ Und entledigte sich dabei symbolisch ihrem Gewand: „Natürlich spielt da eine gewisse Unsicherheit mit und man fragt sich, wie die Dame mit der Burka wohl rüberkommen wird, aber das ist eben Kabarett“, betont Groneberg.

Nicht ganz ohne Provokationen ging es weiter. Zum Beispiel mit einem etwas unbedarften Salafisten, der eine Kofferbombe zünden wollte, aber es einfach nicht hinbekam, die bunten Kabel richtig zu verbinden: „Du hast die Drähte falsch“, verkündeten ihm Jesus, Mose und Mohammed einer nach dem anderen, die kurzerhand auftauchten, um ihn zu einem Schulabschluss zu bekehren – wohlgemerkt letztlich mit Erfolg: „Ich finde es ganz gut, dass in dem Programm eine gewisse Botschaft enthalten ist, gegen jede Form des Fanatismus“, bemerkt Raimund Kern, einer der Besucher.

Auch das „Luther Support Telefone“ stand den ganzen Abend nicht still. Kabarettistin Ulrike Behmenburg erzählt, dass das Programm ein ganzes Jahr der Vorbereitung bedurfte: Brainstorming, Texte schreiben, Proben und Durchspielen, Änderungen vornehmen – ein langwieriger Prozess. „Zu 500 Jahren Reformation lag es nahe. ein Lutherprogramm zu machen.

Ähnlich wie zur damaligen Zeit braucht der Islam heute auch eine Reformation, damit er in der Moderne ankommt, daher die Verbindung“, so Ulrike Behmenburg. Die Atmosphäre stimmte insbesondere bei einem der letzten Sketche, als das Karnevals-Duo Schwader & Lapp den Zuschauern die zentralen Inhalte von Luthers Theologie nahebrachte. Mit Karnevalsliedern, begleitet von Walter Kunz am Keyboard, zauberte das Ensemble den Leuten ein Strahlen ins Gesicht: „Mir hat es sehr gut gefallen. Es war lustig, amüsant und informativ, und gerade die Verbindung zum Karneval fand ich toll“, äußert die 14-jährige Nina Hellebrand.

Spiritueller Aufbruch

Das Zusammenspiel der beiden Glaubensrichtungen, Protestantismus und Islam, spielgelte sich schließlich zum Schluss noch einmal wider. Luther und Fatime zusammen auf der Bühne. Nachdem Martin Luther vom Teufel des Judenhasses bezichtigt wurde, einhergehend mit dem Vorwurf die Kirche gespalten zu haben, ist es Fatime, die ihn emotional wieder aufbaut: „Mach mal Djihad“, sagt sie und meint damit keineswegs die religös-fanatische Gewalt von islamistischen Terroristen, sondern den spirituellen Aufbruch für den Kampf gegen das Böse.

Woraufhin sie in wortgewandter Auseinandersetzung über die verschiedenen Anschauungsweisen des jeweils anderen doch feststellten, dass sie eine Gemeinsamkeit haben, nämlich die Leidenschaft zu dem, was sie verbindet: der Glaube.

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