Interkulturelle Entdeckungstour durch die Stadt

Von: Katharina Menne
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Machten zusammen die Stadt unsicher: Ehrenamtler aus dem „Café Willkommen“ und Flüchtlinge, die jetzt Stolberg ihr Zuhause nennen. Foto: K. Menne
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„Gehlens Kull“ ist immer einen Auflug wert – ob nur zum Natur bewundern oder um Steine auf dem Wasser springen zu lassen. Foto: K. Menne

Stolberg. Es ist ein idyllisches Bild im alten Steinbruch „Gehlens Kull“. Drei Erwachsene und vier Kinder stehen in der Sonne und flitschen Steine über das Wasser des Tümpels. „Hast du das gesehen? Mein Stein ist dreimal gesprungen“, ruft Khalid Al-Refaai stolz den anderen zu.

Der Elfjährige sprüht vor Lebensfreude, ganz so wie es in dem Alter sein soll. Hätte er jedoch mit seinen Eltern seine Heimat Syrien nicht verlassen, müsste er sich vermutlich verstecken, zwischen Trümmern spielen – oder Schlimmeres.

Im Rahmen der Interkulturellen Woche, die von der Deutschen Bischofskonferenz, der Evangelischen Kirche und der Griechisch-Orthodoxen Metropolie veranstaltet wird, hatten die katholische Gemeinde St. Lucia und der Sozialdienst katholischer Frauen dazu eingeladen, einander näher zu kommen.

Stolberger Einwohner und Flüchtlinge, die in der Stadt untergekommen sind, sollten zusammen in kleinen Teams die Kupferstadt erkunden und dabei Fotos machen von Dingen, die ihnen besonders gut oder schlecht gefallen. Soweit die Idee.

Doch leider kamen nur bekannte Gesichter: Flüchtlinge, die ohnehin regelmäßig ins „Café Willkommen“ kommen, und fleißige Ehrenamtler, die sich schon lange in der Hausaufgabenbetreuung und in Beratungsangeboten engagieren. Dennoch ist Organisatorin Katja Buchstaller vom Sozialdienst katholischer Frauen (SkF)zufrieden.

„Es lief zwar anders als gedacht, aber da es allen sehr gefallen hat, würde ich die Aktion trotzdem als erfolgreich bezeichnen“, sagt sie. Beim nächsten Mal müsse wohl die Ansprache anders erfolgen. „Plakate scheinen nicht die nötige Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Wir müssen wohl mal in den verschiedenen Unterkünften vorbei schauen und die Menschen persönlich einladen“, vermutet sie.

Zumindest ins Gespräch kamen viele. Damit das auch über Sprachgrenzen hinweg klappt, waren sogar einige der ehrenamtlich in Stolberg tätigen Dolmetscher gekommen, um die Flüchtlinge auf ihrer Tour durch die Stadt zu begleiten.

Eine, der vor allem das „Café Willkommen“ sehr dabei hilft, anzukommen und sich in Deutschland zurechtzufinden, ist Sharifa Husein. „Ich fühle mich mittlerweile sehr wohl hier“, sagt sie. Ihr Deutsch ist brüchig, aber verständlich. „Ich brauche kaum noch fremde Hilfe beim Arzt oder im Amt“, sagt sie stolz. Manchmal könne sie sogar schon anderen helfen, die weniger gut Deutsch sprechen als sie.

Zusammen mit ihrem Mann und ihren Kindern hat die junge Frau vor etwas mehr als einem Jahr und acht Monaten ihre Heimat Syrien verlassen. Nach der Flucht über die Balkan-Route, ihrer Ankuft in Deutschland, der Unterbringung in Auffanglagern in Dortmund und Essen, einer Gruppenunterkunft in Monschau und ungewissen sechs Monaten in Stolberg ist sie nun endlich am Ziel angekommen.

„Ich habe bereits viele Freunde gefunden – deutsche Frauen, aber auch Frauen aus Erithrea, Afghanistan oder Marokko“, sagt sie und lächelt vorsichtig. Ihr Mann sei jetzt auch endlich nicht mehr zum Herumsitzen verdammt. Seit Dienstag arbeite er beim Städtischen Bauhof. Den Job habe das Sozialamt vermittelt. Ihr großer Sohn mache zurzeit ein Praktikum bei RWE, und die beiden jüngeren Kinder sind in der Realschule Mausbach untergekommen.

Die beiden – Mustafa und Sedra – tollen während der Erkundungstour mit Khalid Al-Refaai durch die Gegend. Alle drei sprechen bereits nach weniger als zwei Jahren fast perfekt die neue Sprache. Die Jungs spielen zusammen Fußball beim TSV Columbia-Donnerberg.

Mit auf Streifzug durch die Stadt ist an dem Nachmittag auch Heiner Scholl. Er engagiert sich bereits seit einiger Zeit ehrenamtlich in der Flüchtlingsarbeit. „Ich möchte denen, die hergekommen sind, nicht alle Aufgaben abnehmen, aber ihnen so gut es geht helfen“, sagt er. „Die, die unterstützt werden, finden sich schnell selbst zurecht – das sieht man an den Menschen, die zu uns ins Café kommen, wenn sie Fragen haben.“

Er wird auch die Fotos, die die Gruppe auf dem Weg durch Stolberg geschossen hat, zu einer Präsentation bearbeiten. Auf den Bildern sind viele alte Gebäude zu sehen, Ornamente, historische Schriftzüge, Blumen und die Burg. „Eben all das, was auch die Stolberger an ihrer Stadt mögen“, sagt Katja Buchstaller.

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