Integrationsrat: Friedenspfeife trotz getrennter Kandidatenlager

Von: Lukas Franzen
Letzte Aktualisierung:
7470844.jpg
Die Vertreter der beiden Kandidatenlisten an einem Tisch vereint: (v.l.) Majid Haddad, Ahmet Ekin, Muarem Zaimi (VSM) und Turgay Sacu, Erol Kilic, Saida Basarir und Nursen Yilmaz (MSS). Foto: L. Franzen

Stolberg. Die gemeinsame „Zigarette danach“, die sich die Mitglieder beider Lager nach ihrem Treffen im Rathaus genehmigten, erinnerte an das indianische Ritual der Friedenspfeife. Und auch während der Unterredung mit Bürgermeister Gatzweiler und dem Geschäftsführer des Stolberger Integrationsrats Dieter Genreith waren alle Beteiligten um diplomatische bis versöhnliche Töne bemüht.

Vor knapp zwei Wochen sah das noch ganz anders aus. Eine Versammlung, auf der ursprünglich eine gemeinsame Kandidatenliste zur Integrationsratswahl am 25. Mai verabschiedet werden sollte, begann bereits mit einer faustdicken Überraschung. Unzufrieden mit der Listenreihenfolge hatten Turgay Sacu und Gürhan Doan, stellvertretender Vorsitzender des amtierenden Integrationsrats, das Treffen wieder verlassen und daraufhin eine eigene Wahlliste angekündigt. „Man war schon böse aufeinander“, erinnert sich Dieter Genreith als damaliger Versammlungsleiter noch gut an die Szenen im Parkhotel.

Ihren Worten ließen Sacu und Doan jetzt Taten folgen und reichten fristgerecht beim Wahlamt ihre eigene Kandidatenliste der „Migrantenstimme Stolberg“ (MSS) ein. Ein Wahlkampf um die zehn Sitze, die den Migrantenvertretern in dem 15-köpfigen Gremium zustehen, steht Stolberg damit zwischen der MSS und den „Vereinigten Stolberger Migranten“ (VSM), angeführt von Murem Zaimi und Ahmet Ekin, bevor.

Eine Situation, die Geschäftsführer Genreith ausdrücklich begrüßt. Schließlich lebe Demokratie nicht vom „Einheitsbrei“, sondern vom Wettbewerb. „Konkurrenz belebt das Geschäft und bereichert die demokratische Landschaft“, freut sich Genreith, dass die über 5000 wahlberechtigten Stolberger mit einem Migrationshintergrund jetzt auch eine echte Wahlmöglichkeit haben.

„Durch die beiden Listen wird es leichter fallen, unsere Leute zu motivieren“, hebt Torgay Sacu das Mobilisierungspotenzial beider Gruppen hervor. „Mir wäre es am liebsten, wenn alle Vertreter beider Listen in den Integrationsrat einziehen würden“, war der amtierende Vorsitzende des Integrationsrats Ahmet Ekin bei der Aussprache im Rathaus ganz der Diplomat. „Unsere Sitzungen sind stets öffentlich. Jeder kann aktiv mitarbeiten, auch wenn es bei der Wahl nicht für einen festen Sitz im Integrationsrat reicht.“

Genau dieses Engagement hatten einige Mitglieder des Gremiums in den letzten fünf Jahren jedoch immer wieder vermissen lassen und den Integrationsrat aufgrund ihrer Abwesenheit mehrfach beschluss- und damit handlungsunfähig gemacht. Doch nicht nur in Punkto Zuverlässigkeit haben die Vertreter beider Lager nun Besserung versprochen.

Aus dem „türkischen Männerclub“, wie es Dieter Genreith formulierte, in dem neun von zehn Mitgliedern türkischstämmig sind und keine einzige Frau vertreten ist, soll in den kommenden fünf Jahren ein wesentlich vielseitigeres Gremium werden, das die unterschiedlichen Kulturen der Kupferstadt angemessener repräsentiert. Hier haben beide Listen ihre Hausaufgaben augenscheinlich gemacht und eine buntere Kandidatenliste zusammengestellt, als es bisher der Fall ist.

So finden sich in der VSM-Liste neben türkischen auch mazedonische, marokkanische, kongolesische und pakistanische Bewerber wieder, darunter drei Frauen. Ebenfalls mit drei Frauen geht die MSS ins Rennen. Unter ihrem Dach haben sich Bewerber mit türkischen, marokkanischen und lybischen Wurzeln organisiert.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert