„Integrationshilfe” für Neu-Gressenicher

Von: Dirk Müller
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Viel Arbeit: 20.000 Vokabeln „Bessemskriemer Muttersprache” und zahlreiche Illustrationen hat Hubert Larscheid zusammengetragen und dabei eine Menge Humor bewiesen. Foto: D. Müller

Stolberg-Gressenich. Erstmals urkundlich erwähnt wird „Crasciniacum”, das heutige Gressenich, im Jahre 842. Besiedelt war das Gebiet aber bereits lange vor Christi Geburt, und zunächst die Kelten sowie später die Römer interessierten sich für Galmei und andere Bodenschätze „Crasciniacums”.

Die Sprache der Kelten oder das Latein der Römer konnten oder wollten die Einwohner jedoch nicht verstehen und entwickelten eine eigene flexible Art der Verständigung: das sogenannte „Platticus Crasciniacum”.

Auch wenn das nicht ganz ernst gemeint ist, so steht doch fest, dass sich im Laufe der Jahrhunderte das anmutige „Orrjinaal Jressenijjer Platt” entwickelte, dessen Pflege und Erhaltung sich Hubert Larscheid im wahrsten Sinne des Wortes verschrieben hat.

„Bessemskriemers Muttersprache” ist der aussagekräftige Titel seines Buchs, das Mitte nächsten Monats erscheinen wird. Auf 207 Seiten konserviert Larscheid rund 20.000 Vokabeln aus dem Ort, in dem bis nach dem zweiten Weltkrieg viele Bewohner von der Herstellung und dem Verkauf von Besen lebten. Noch heute sind die Gressenicher daher in der Kupferstadt als „Bessemskriemer” bekannt.

„Uraltes Kulturgut”

„Unser Heimatdialekt ist ein uraltes Kulturgut, das von der älteren Generation nur sehr zurückhaltend an die Jüngeren weitergegeben wird und so zu verschwinden droht”, bedauert der 71-Jährige. Um dem Verlust der „Muttersprache der Bessemskriemer” entgegenzuwirken, arbeitete der Rentner drei Jahre lang an seinem Buch, das keine trockene sprachwissenschaftliche Abhandlung darstellt, sondern heiter und oft augenzwinkernd die verbale Tradition Gressenichs vermittelt.

Den humorvollen Anspruch des Werkes gibt der Blick auf den Buchrücken preis: „Für geborene Bessemskriemer ist es womöglich nur ein Auffrischungskurs. Den Mitbürgern mit Migrationshintergrund, ob sie aus Spanien, Anatolien, Bayern oder Büsbach stammen, dient die Broschüre zur Vervollkommnung allseits geforderter Sprachkenntnisse. Denn die Sprachbeherrschung ist der erste Schlüssel zur Integration”, weiß der Bessemskriemer. Lustige Illustrationen verleihen der unterhaltsamen wie lehrreichen Lektüre zusätzliche satirische Würze.

„Bessemskriemers Muttersprache” widmet sich neben dem Erhalt des gesprochenen Kulturguts noch einem weiteren guten Zweck, denn verdienen möchte der Autor an dem neun Euro kostenden Buch nichts. „Der Preis soll lediglich die Druckkosten decken. Jeden Cent, den ich darüber hinaus einnehme, spende ich an an das Projekt Mieki - Mittagessen im Kindergarten der AWO”, erklärt Larscheid.

Laudatio auf die Vereine

Sein Buch sieht er auch als einen Beitrag dazu, mehr Zusammengehörigkeitsgefühl der Dorfgemeinschaft zu erzeugen. Larscheid ist Gründungsmitglied der „Chorgemeinschaft Gressenich” und seit 1977 ständig aktives Vorstandsmitglied. Außerdem ist er seit mehr als zwei Jahrzehnten Mitglied der Gressenicher Karnevalsgesellschaft „Fidele Bessemskriemer”, in der er seit 13 Jahren die Ämter des Pressewarts und des Sozialprojekt-Betreuers bekleidet.

So beinhalten die letzten Seiten seines Buchs eine Laudatio auf alle Vereine des Orts, die das Dorfleben laut Larscheid in vielerlei Hinsicht bereichern. „Bessemskriemers Muttersprache” schließt schmunzelnd mit dem guten Ratschlag: „Mullt, wi üsch d´r Schnaabel jewaaße äss! Rischtisch Huudüttsch könnder suwisuu nätt! Do vallder mä mett opp!”
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