Stolberg - Innovationsprojekt ZIM: 24 Millionen Euro für 180 Unternehmen

Innovationsprojekt ZIM: 24 Millionen Euro für 180 Unternehmen

Von: Robert Flader
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Handarbeit: Das Umfüllen von kleinen Kosmetikkapseln in die jeweilige Verpackungsfolie ist trotz maschineller Hilfe nach wie vor sehr umständlich. Swantje Berndt und Holger Rietfort wollen Schutzschichten entwickeln, die vom Verbraucher bequem auf dem Kompost entsorgt werden Foto: R. Flader

Stolberg. Meistens kommt es auf den Inhalt an. Wichtig ist, was drin ist. Das sind Sätze, die wie altbekannte Floskeln klingen und auf alles und jeden zutreffen könnten. Manchmal aber auch nicht. Denn im Falle von Holger Rietfort und Swantje Berndt spielt auch das Äußere eine wesentliche Rolle.

Zumindest in ihrem Job. Da geht es nämlich in erster Linie nicht darum, was drinsteckt, sondern um das, was den Inhalt transportiert: Verpackungen, Lohnabfüllungen, Folien, Schutzschichten. Kleine, sich im Millimeterbereich bewegende, feine Unterschiede.

Und genau diese Feinheiten sind es, denen sich die Stolberger Firma Kesko widmet - und deshalb am „Zentralen Innovationsprogramm Mittelstand” (ZIM) teilnimmt. „Vereinfacht könnte man sagen”, erklärt Rietfort, der Geschäftsführer, „dass wir eine bioabbaubare Verpackungsfolie entwickeln wollen, die in den nächsten Jahren die industriell abbaubaren, aus PVC bestehenden, ersetzt.”

Praktisch ausgedrückt: Die umweltschonende Verpackung kann ganz einfach im eigenen Garten kompostiert werden. Doch so weit ist es noch nicht, „noch suchen wir eine geeignete Maschine für die Verarbeitung und eine Basisfolie”, sagt Projektleiterin Swantje Berndt. Kesko befindet sich relativ gesehen noch am Anfang des Projektes, seit vergangenen Juni läuft es erst.

Versuchsende soll im Sommer 2012 sein, „dann wollen wir die bioabbaubare Folie auf den Markt bringen”, sagt Holger Rietfort.

Vor Köln und Düsseldorf

An ZIM beteiligen sich aktuell 180 Unternehmen aus der Region Aachen, gefördert werden sie vom Bundesministerium für Wirtschaftsförderung und Technologie mit knapp 24 Millionen Euro. „Damit”, sagt Michael F. Bayer, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Aachen, „liegt Aachen vor Wirtschaftsregionen wie Köln oder Düsseldorf”.

Wie kommt das? „Wir sind eine sehr technologielastige Region”, erklärt Thomas Wendland, Innovationsberater der IHK. „Viele Unternehmen suchen bei Projekten die Nähe zur RWTH und FH und sind oft in Nischen unterwegs.”

So wie Holger Rietfort und Swantje Berndt. „Wir haben diese Marktlücke gesucht, gefunden und wissen, dass es da ein großes Interesse an biologisch entsorgbaren Materialien gibt”, sagt Rietfort. Sowohl die Lebensmittel-, die Pharma-, als auch die Kosmetikindustrie würde sich - trotz völlig unterschiedlicher Bedürfnisse und Vorschriften - für die innovative Idee interessieren.

Doch zunächst gelte es, die Entwicklung abzuwarten - offenbar eines der Ziele von ZIM. Wendland: „Projekte ohne technisches und wirtschaftliches Restrisiko werden in der Regel nicht gefördert.” Weitere „Bedingung” ist die realistische Perspektive auf Markteinführung mit Ablauf der Förderung. Rietfort und Berndt sehen diese Chancen. „Der Markt ist gut”, betonen sie.

Lichtleitender Beton

Diese Perspektive hat sich ein paar hundert Meter weiter stadteinwärts für Dr. Andreas Roye schon länger aufgetan.

Man könnte sagen, dass bei der Robatex GmbH das ZIM-Projekt zeitlich fast schon am Ende angelangt ist, denn in den Hallen an der Prattelsackstraße flimmert es an allen Ecken und Enden. Ein einziges Lichtspektakel an Treppen, Tresen, Trennwänden und Waschbecken.

Lichtleitender Beton heißt im Rahmen von ZIM das Zauberwort der Robatex GmbH. „Genau genommen”, verdeutlicht Geschäftsführer Andreas Roye, „geht es um die vollautomatische Herstellung von Lichtbeton.” Auch das sei eine Nische, in der sich das Unternehmen vor knapp zwei Jahren eingenistet hat. „Unsere entwickelte Maschine ist etwa 2000 Mal schneller, als wenn man den Beton manuell anfertigen würde”, erklärt Roye.

Wie im Falle von Kesko hat auch Robatex für das ZIM-Projekt ein Kooperationsunternehmen gefunden. „Wir können mit der Maschine im Drei-Schicht-Betrieb rund um die Uhr Blöcke herstellen”, freut sich Roye.

Doch gehe es nicht nur um dekorative Elemente, „auch ganze Hauswände können wir mit lichtleitendem Beton gestalten”. Ein weiterer Vorteil: „Das Produkt ist wind- und wetterfest und komplett recyclefähig”, sagt der Robatex-Geschäftsführer. Eine Parallele zu Kesko im Rahmen von ZIM: Umweltschutz wird bei den Projektentwicklern groß geschrieben.
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