Stolberg - „Inklusion ist mehr als ein abgesenkter Bürgersteig“

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„Inklusion ist mehr als ein abgesenkter Bürgersteig“

Von: Katharina Menne
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Und ... Action: Da fliegen die Info-Flyer zur Aktion dem Betrachter schon bildlich entgegen. Lukas Franzen hofft darauf, viele Stolberger für sein kreatives Inklusionsprojekt gewinnen zu können. Foto: K. Menne

Stolberg. Dick, dünn, groß, klein, alt, jung – Menschen sind unterschiedlich, und doch gleich. Schließlich heißt es oft, dass sich Gegensätze anziehen oder dass man sich in seiner Verschiedenheit gut ergänzt. Warum aber werden heute noch immer Menschen mit Behinderung, Senioren, Menschen mit ausländischen Wurzeln und sozial Benachteiligte ausgegrenzt?

Und vor allem, was kann und sollte sich in Stolberg ändern, um das zu verhindern? Unter dem Motto „Miteinander leben“ möchte die Stadtverwaltung einen Aktionsplan Inklusion auf den Weg bringen, der genau diese Fragen beantwortet.

Was aber ist nun Inklusion? Für Lukas Franzen, den Inklusionsbeauftragten der Stadt Stolberg, heißt es vor allem eins: niemanden auszuschließen. „Inklusion kann nur gelingen, wenn wir miteinander leben“, sagt er. Es gehe um gegenseitige Rücksichtnahme, Hilfs­bereitschaft und darum, Verständnis für die Lebensumstände des Anderen zu haben.

Ihm sei allerdings bewusst, dass noch nicht viele Menschen mit dem Begriff etwas anfangen können. „Genau das möchten wir ändern. Denn erst, wenn man sich darüber im Klaren ist, was eine inklusive Gesellschaft ausmacht, kann man sich auch darum bemühen, sie zu schaffen“, sagt er.

Mit dem Aktionsplan sollen vorhandene Strukturen aufgegriffen und verbessert werden, aber vor allen Dingen soll das Thema in den Köpfen der Bürger ankommen. Im ersten Schritt des Plans geht es deshalb darum, eine inklusive Kultur in der Kupferstadt zu schaffen, indem sich möglichst viele Menschen mit kreativen Ideen am Aktionsplan beteiligen.

Viele Institutionen machen mit

Auch Sozialamtsleiter Paul Schäfermeier steht hinter dem Aktionsplan. „Ich denke, es ist wichtig, das Thema breiter zu denken, als das in der Gesellschaft oft der Fall ist“, sagt er. Ihm sei daher wichtig, alle Menschen mit einzubinden und zu fragen: Wo kann man Inklusion erlebbar machen und wo wird sie bereits gelebt?

„Es geht bei dem Thema nicht nur um abgesenkte Bürgersteige“, betont Robert Voigtsberger, der Erste Beigeordnete der Stadt. Das sei zu kurz gedacht. „Es geht viel mehr um eine gemeinsame Haltung.“ Auch wer dabei an Gleichmachung denkt, habe das Konzept „Inklusion“ nicht verstanden. „Man muss blinden Fußballern ermöglichen, Blindenfußball zu spielen. Das bedeutet nicht, dass sie ab sofort in der regulären Bundesliga kicken sollen“, fügt er erklärend hinzu.

Mit ihrem Aktionsplan hat sich die Stadtverwaltung bei der Initiative „Kommune inklusiv“ der Organisation „Aktion Mensch“ um eine Förderung beworben. Robert Voigtsberger hofft nun darauf, die Jury mit dem ausgearbeiteten „Fahrplan“ überzeugen zu können. „Unser Kernargument ist, dass wir schon jetzt viele Institutionen dazu bewegen konnten, mitzumachen und mit uns in den Dialog zu treten“, sagt er. Das Interesse sei also in jedem Fall da. Im Januar 2017 sollen dann in einer Teilhabekonferenz konkrete Handlungsoptionen formuliert werden.

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