Industrieforum: Auftakt zur neuen Wirtschaftsförderung?

Von: Jürgen Lange
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Prof. Dr. Marcus Baumann: Einige Stolberger Unternehmen nutzen bereits die Möglichkeiten der Hochschule, aber es besteht ein großes Potenzial für weitere Kooperationen mit Industrie und Gewerbe. Foto: J. Lange
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Neue Wirtschaftsförderung: Bürgermeister Dr. Tim Grüttemeier kündigt beim gut besuchten Industrieforum Initiative an. Foto: J. Lange
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Zusätzliche Wirtschaftsförderin in Stolberg: Nathalie Malekzadeh, hier im Gespräch mit der Stolberger DLZ-Geschäftsführerin Birgit Baucke (r.) und Dr. Johannes Mandelartz, dem Leiter des Innovationstransfers an der FH Aachen, wechselt von der Städteregion zum 1. Oktober in die Kupferstadt. Foto: J. Lange

Stolberg. „Eine gelungene Veranstaltung. Den Schwung dieses Abends müssen wir jetzt weiter tragen“: Das sagt einer, der es wissen muss. Als Dezernent für den Innovationstransfer an der Aachener Fachhochschule ist Dr. Johannes Mandelartz viel unterwegs an den Brennpunkten, wo Wirtschaft, Wissenschaft und Wirtschaftsförderer sich fokussieren.

Noch lange stehen Gewerbetreibende, Unternehmer und Banker sowie Vertreter der Hochschulen, Kammern, Agit, Städteregion sowie Vertretern von Politik und Verwaltung beisammen, um sich bei den von Bistro-Maitré Stefan Carol gereichten Canapés kennenzulernen oder bestehende Kontakte zu vertiefen. Der Bürgermeister hat beim ersten Stolberger Industrieforum seine ersten Fäden gesponnen, um ein Netzwerk in der Kupferstadt zu knüpfen.

„Heute ist der Startschuss für eine neue Wirtschaftsförderung“, sagt Dr. Tim Grüttemeier. „Sie geht aktiv auf die Unternehmen zu, bindet sie ein und steht ihnen zur Seite.“ Dieses neue Netzwerk soll Unternehmer miteinander verbinden und Kontakte mit Behörden und Forschungseinrichtungen herstellen, damit Probleme gemeinsam gelöst und angestoßen werden können. Nicht genutzte Potenziale und freie Kapazitäten sollen gemeinsam aktiviert werden, „um kooperativ unsere Heimat nach vorne zu bringen“, erklärt der Bürgermeister und „garantiert Aufgeschlossenheit, unbürokratischen Handeln und Entscheidungsfreude“.

Seinen Anspruch kann Grüttemeier mit kleinen, wichtigen Zeichen untermauern. Es ist natürlich kein Zufall, das just zum Industrieforum die Kupferstadt mit der neu aufgelegten Standortbroschüre glänzen kann. In diesen Tagen werden im Rathaus auch die Stühle gerückt. Aus der Villa Lynen zieht das Wirtschaftsförderungsamt ins Rathaus – gleich auf den Flur des Bürgermeisters. Und neu ins Team wechselt zum 1. Oktober Nathalie Malekzadeh. Sie hatte bislang bei der Wirtschaftsförderung der Städteregion vor allem das EU-Projekt TeRRA betreut, das grenzüberschreitend den Technologietransfer und die Rekrutierung von Fachkräften forciert. In der Kupferstadt soll sich die 27-Jährige nicht nur das Unternehmernetzwerk weiter knüpfen, sondern auch Projekte initiieren, den regionalen Austausch mit Akteuren der Wirtschaftsförderung fördern sowie den Innovationstransfer von Hochschulen auf die Stolberger Wirtschaft beflügeln.

Dort rennt die Kupferstadt offene Türen ein, versichert Professor Dr. Marcus Baumann. „Die Aachener Fachhochschule ist ihr Partner in der Region“, unterstreicht der Rektor das Engagement der 239 Professoren, 470 Lehrbeauftragten und 666 Assistenten mit ihren mehr als 12.000 Studenten, die Ergebnisse von Forschung und Lehre in die Wirtschaft zu tragen und gemeinsam mit Unternehmen Lösungen für ihre Probleme zu suchen.

Mit einer Reihe von Stolberger Unternehmen verbindet die FH bereits eine enge Partnerschaft. Etwa mit der Büsbacher Quality Automation GmbH, die sich bei Stipendien engagiert, oder mit Electronic Service Willms, EWV, Leoni, Dalli, Aurubis und Prym, die bei dualen Studiengängen kooperieren. „Dabei sind wir eigentlich die technische Hochschule in Nordrhein-Westfalen“, sagt Dr. Baumann stolz und verweist darauf, dass 85 Prozent der Studiengänge Ingenieur- und Naturwissenschaften umfassen – inklusive der Ableger in Jülich mit Schwerpunkt Solar und Euskirchen mit Holzbau. Eine Zahl belegt, wie erfolgreich Wissenschaft und Wirtschaft unter dem Dach der FH harmonieren: 13,8 Millionen Euro wurden im vergangenen Jahr an Drittmitteln verausgabt.

Dabei sieht Baumann die FH – und natürlich die übrigen Hochschulen und Forschungseinrichtungen in der Region – als Säulen des Industriedialogs mit Invention und Innovation. Die Schaffung der Rahmenbedingungen und der Kommunikation am Standort sei durchaus eine kommunale Aufgabe, die die Hochschulen mit dem Transfer von Wissen und Fachkräften befruchten können. „Man muss dieses Potenzial nur nutzen“, appelliert Baumann und listet eine Reihe von Beispielen auf, wo FH und Unternehmen ganz spezifische Problemstellungen erfolgreich gelöst haben.

Von Hochschulen profitieren

Dabei profitiere auch Stolberg immens als Standort in einer Hochschulregion. Im Vergleich zu Standorten ohne Hochschulen liege hier die Steigerung der Wirtschaftskraft pro Kopf um 4500 Euro und die angemeldeten Patente um 13 Prozent höher, die Arbeitslosigkeit um 3,1 Prozent niedriger. Jeder sechste Beschäftigte im Bereich Forschung und Entwicklung in Nordrhein-Westfalen arbeite im Kammerbezirk – „ein Potenzial das nach ausbaufähig ist“, so Baumann.

Der Rektor warnt aber auch vor einem Trend zum Dienstleistungsbereich. „Mit diesem Sektor kann man keine Gesellschaft ernähren. Wir müssen produzieren“. Dazu „produziere“ die Fachhochschule auch die Fachkräfte, denen der Professor auch eine Anstellung in der Region wünsche, um den Wissenstransfer in die Industrie zu beflügeln. „Mir tut jeder gut ausgebildete Mensch weh, der nach Bayern gehen muss“, bringt es Baumann auf den Punkt. Denn dem Rektor der FH liegt nicht nur die wissenschaftliche, sondern auch die wirtschaftliche Entwicklung der Region und insbesondere Stolbergs am Herzen. Nicht nur, weil er als junger Studierender eine Freundin in der Kupferstadt hatte, wie er schmunzelnd verrät.

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