Industrie und Natur gehören in Stolberg zusammen

Von: Andreas Röchter
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Biologische Station
Wichtige Handarbeit: Unter Anleitung von Mitarbeitern der Biologischen Station der Städteregion erhielten junge Besucher des Tags der offenen Tür die Gelegenheit, Nistkästen zu bauen. Foto: A. Röchter
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Mal grober, mal feiner, aber immer Blei: ein 50-Kilo-Barren neben Bleikristallgläsern.

Stolberg. Blei und Bio? Vertragen sich diese beiden vermeintlichen Gegensätze? In Stolberg durchaus. Denn für die Stadt prägend ist der schwermetallhaltige Boden, der nicht nur die Industrie förderte, sondern auch eine bemerkenswerte und einzigartige Vegetation hervorbrachte.

Am Wochenende luden nun die Biologische Station der Städteregion und die Berzelius Stolberg GmbH, die an der Zweifaller Straße unmittelbare Nachbarn sind, im Rahmen der vom Landschaftsverband Rheinland initiierten Veranstaltungsreihe „Stadt, Land, Fluss“ zu einem gemeinsamen Tag der offenen Tür ein, in dessen Verlauf die zahlreichen Gäste die Gelegenheit erhielten, sich dem Thema „Schwermetall“ aus ökologischer sowie aus industrieller Sicht zu nähern.

„Für ein Unternehmen, das innerhalb der Bleiindustrie tätig ist, muss Umweltschutz immer ein wichtiges Thema sein“, erklärte Berzelius-Geschäftsführer Dr. Urban Meurer. Ein verantwortungsvoller Umgang mit diesem sensiblen Bereich sei von großer Bedeutung. „Deshalb ist es für uns unabdingbar, immer auf dem aktuellsten Stand der Technik zu sein.“

Hohe Investitionen seien also notwendig. Und nicht zuletzt Transparenz. Denn die Akzeptanz innerhalb der Bevölkerung sei für die rund 280 Mitarbeiter des Unternehmens, dessen Standort seit 1848 unverändert ist und das sich von einem reinen Bleiproduzenten zu einem „Multimetallerzeuger“ entwickelt habe, eine Herzensangelegenheit.

Zufriedene Belegschaft

Wichtige Voraussetzung dafür sei wiederum eine möglichst hohe Zufriedenheit innerhalb der Belegschaft. Und für diese gebe es durchaus Indikatoren: „Die Fluktuation unserer Mitarbeiter ist gering. Die durchschnittliche Betriebszugehörigkeit beträgt 16 Jahre, und darüber hinaus sind bei uns Mitarbeiter aus mehreren Generationen einer Familie keine Seltenheit“, unterstrich Karl-Josef Jussen, Abteilungsleiter Personal sowie Arbeits- und Gesundheitsschutz.

Eine Brücke zwischen Ökologie und Industrie schlug Conny Zimmermann, Administratorin der Biologischen Station, mit dem Begriff „Schwermetallrasen“. Und sie wagte einen durchaus unerwarteten Vergleich: „Der Raum Stolberg und Umgebung verfügt über eine einzigartige Vegetation. Das Naturschutzgebiet Schlangenberg hat in mancherlei Hinsicht einen Status, der mit den Galapagos-Inseln zu vergleichen ist.“

Die außerordentlich seltene Zusammensetzung des Bodens bringe eine unvergleichliche Pflanzen- und Insektenwelt hervor, was wiederum Vogelkundlern die Möglichkeit biete, seltene Vogelarten zu beobachten. Besuche von Wissenschaftlern und Studenten seien deshalb an der Tagesordnung.

„Wir betreiben unter dem Leitsatz ‚Für die Natur, für die Zukunft des Menschen‘ aktiven Naturschutz“, betonte Conny Zimmermann. In rund einem Drittel der 120 Schutzgebiete der Städteregion sind die Mitarbeiter der Biologischen Station tätig. Zu ihren Aufgaben zählt unter anderem die Kartierung von Pflanzen und Tieren, das heißt, deren Zahl zu bestimmen sowie den Zustand zu bewerten.

Und dieser sei innerhalb der Städteregion und auch in Stolberg im Vergleich zu anderen Regionen in Deutschland durchaus gut. „Wobei der Begriff Natur in unseren Breitengraden eigentlich generell mit Vorsicht zu genießen ist. Richtiger ist, von Kulturräumen und -landschaften zu sprechen“, meinte Zimmermann.

Amphibien-Projekt

Doch natürlich gebe es auch Bereiche, in denen die Probleme groß seien. Etwa bei den Amphibien, für die in der Städteregion 600 Gewässer vorhanden seien. Die Biologische Station beteiligt sich am noch jungen EU-Projekt „Amphibienverbund“, in dem neue Lebensräume für zahlreiche Lurcharten geschaffen werden sollen.

Ebenso informierte am Wochenende Heidi Selheim über das Artenschutzprojekt „Flussperlmuschel“ im Perlbach, das das Ziel verfolgt, die einzige in Nordrhein-Westfalen vorhandene Population im Verlauf der kommenden Jahre zunächst zu stabilisieren, um sie anschließend vergrößern zu können. Von der Bleihütte über den „Schwermetallrasen“ zur Flussperlmuschel. Und dies auf engstem Raum.

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