Stolberg - In Stolberg zu Hause und das Abi vor Augen

In Stolberg zu Hause und das Abi vor Augen

Von: Michael Grobusch
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Haben sich in Stolberg bestens integriert: Georgiana Rosu (l.) und Adriana Ptak, hier mit „Goethe“-Schulleiter Bernd Decker. Foto: M. Grobusch

Stolberg. Auch Bernd Decker hatte so seine Zweifel, das gibt er unumwunden zu. Als sich Georgiana Rosu und Adriana Ptak im Goethe-Gymnasium anmelden wollten, wusste der Schulleiter nicht so recht, was er von den beiden Jugendlichen halten sollte. Die heute 15-jährige Georgiana war ihrem schon in Stolberg arbeitenden Vater aus Rumänien gefolgt, auch bei der 13 Jahre alten Adriana war der Job des Vaters der Grund für den Umzug aus Polen. Und die Mädchen hatten noch eine weitere Gemeinsamkeit: Sie sprachen kein Wort Deutsch.

Rund zwei Jahre später ist das kaum noch vorstellbar. Freundlich und gelassen sitzen die jungen Damen im Büro des Rektors. Einen Dolmetscher benötigen sie nicht – fast fehlerfrei berichten sie von ihrem persönlichen und schulischen Werdegang.

„Wir haben eine Weile überlegt, ob wir sie aufnehmen können“, erinnert sich Bernd Decker. „In Klasse sechs oder sieben eines Gymnasiums ohne Deutschkenntnisse einzusteigen, ist eigentlich ganz schwierig bis unmöglich.“

„Nichts ist unmöglich“, können Georgiana und Adriana heute in Anlehnung an einen bekannten Werbeslogan frohlocken. Und auch Bernd Decker stellt zufrieden fest: „Gut, dass wir diesen Weg gewählt haben. Ansonsten wären die beiden wohl auf eine Hauptschule gegangen, obwohl sie doch viel mehr leisten können.“

Viel leisten mussten sie in den vergangenen zwei Jahren tatsächlich, in erster Linie in Sachen Sprache. Während der Lernzeiten und manchmal auch in den Stunden, in denen ihre Mitschüler Sport hatten, büffelten die Mädchen Deutsch. Georgiana belegte zudem noch Stunden in einer Privatschule, Adriana nahm Nachhilfeunterricht.

Die am Goethe-Gymnasium geschlossenen Freundschaften kamen ihnen bei ihrem Lernprozess entgegen. „Ich bin sofort vor allem mit den Mädchen in meiner Klasse gut klargekommen“, berichtet Adriana, die mittlerweile die 8a besucht. Georgiana (9c) schränkt ein: „Am Anfang sind wir schon ein bisschen belächelt worden. Aber das hat sich ziemlich schnell gelegt.“

Nicht nur die sprachliche, sondern auch die gesellschaftliche Integration sei innerhalb kurzer Zeit gelungen“, lobt Bernd Decker. „Dabei kommen beide aus einem Land mit ganz anderen Bildungs- und Gesellschaftsnormen.“

In ihre Heimat zurückkehren wollen Georgiana und Adriana allenfalls in den Sommerferien, ansonsten sehen sie ihre Zukunft in Deutschland. „Zunächst einmal machen wir unser Abitur“, steht das nächste Ziel schon fest. Und es gibt kaum Zweifel, dass sie das auch schaffen werden.

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