Stolberg-Dorff - In Dorff lebt die alte Tradition wieder auf

In Dorff lebt die alte Tradition wieder auf

Von: Dirk Müller
Letzte Aktualisierung:
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Karl Hardt (rechts) übergibt die Tradition vor dem alten Steinbackofen an seinen Nachbarn Manfred Engelen, der nun wieder die Dorffer Kräuterprinten nach originaler Rezeptur in der alten Backstube Foto: D. Müller

Stolberg-Dorff. Der liebliche Duft frisch gebackener Gewürzprinten schwebt in diesem Advent wieder über der Dorffer Pfarrer-Gau-Straße. Er strömt aus der alten Backstube von Karl Hardt.

Der 84-jährige hatte nach einem langen Arbeitsleben 2004 seinen alten Steinbackofen abkühlen lassen und das Printenbacken eingestellt. Seitdem trauerten die Menschen weit über die Grenzen des Stadtteils hinaus dem legendären Gebäck auf Grundlage einer geheimen Spezialrezeptur nach.

Doch nun leuchten die Augen vieler Stolberger wieder hell auf, denn es gibt sie wieder, die originalen Kräuterprinten „à la Karl Hardt”. Der Meister weihte zwei Nachbarn bei einer gemeinsamen Skatrunde in die Geheimnisse der Printenherstellung ein und stellte Manfred Engelen das Originalrezept zur Verfügung. Dieses musste freilich zunächst von handgeschriebenem Sütterlin auf vergilbtem Papier „übersetzt” werden, bevor Engelen in Hardts alter Backstube die ersten Bleche mit dem köstlichen Naschwerk in den Ofen schieben konnte.

Nach ersten schmackhaften Erfolgen hatte Engelen - natürlich nur sprichwörtlich - Feuer gefangen. Der 53-Jährige gründete „PriMaDorff”, die Printenmanufaktur Dorff, deren Logo die Dorffer Linde schmückt, durch deren Äste die Kirche schimmert. „Auch dieses Markenzeichen ist ein Dorffer Produkt. Entworfen hat es Franz Carl, ein pensionierter Schriftsetzer aus dem Heimatverein”, erklärt Engelen, ein Blech heißer Printen aus dem Herd ziehend.

„Noch sind sie ganz weich, werden aber durch das Abkühlen hart. Eigentlich sollten sie dann beim Verzehr knacken. Wer sie aber lieber weicher essen möchte, wartet einfach eine Weile, bis die Printen durch die Luftfeuchtigkeit wieder ihre trockene Härte verlieren”, erläutert er das „Kleine Printen-Einmaleins”.

Das, von Hardt übernommene, Große behält Engelen natürlich zu weiten Teilen für sich, damit die überlieferte Rezeptur nicht in falsche Hände gerät. Die verwendeten Kräuter und Gewürze seien „eigentlich” herkömmliche Printenzutaten - das genaue Verhältnis der Zutaten aber mache den besonderen Geschmack aus. „Wichtig ist, über ein professionelles Knetwerk zu verfügen, denn ein Haushaltsmixer ist mit dem starken Printenteig überfordert. Der Teig zieht dann acht Tage lang durch, um die Kräuter und Gewürze optimal aufzunehmen.”

Im Aktionsraum der Torburg

Die traditionelle Handarbeit schließt Engelen derzeit noch mit einem modernen Elektroherd ab, hat aber bereits Pläne, auch den alten Ofen in Hardts Backstube künftig wieder in Betrieb zu nehmen. Der Aachener „Zepp”-Steinbackofen stammt aus der ersten Hälfte der 1920er Jahre und wird mit Kohle befeuert. „Da er so lange kalt war, dauert es allerdings fünf Tage, den Ofen langsam auf Temperatur zu bringen. Außerdem muss erst noch die Abnahme durch den Schornsteinfeger erfolgen”, erläutert Engelen.

Mit einem kleinen elektrischen Ofen wird Manfred Engelen an diesem und dem nächsten Adventswochenende auch im Rahmen der Kupferstädter Weihnachtstage aktiv. Im Aktionsraum des Torburg-Museums wird er dann jeweils von 11 bis 18 Uhr die Kräuterprinten aus der Dorffer Manufaktur backen.
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