In der Soers trifft die Kupferstadt die Welt

Von: Jürgen Lange
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Heimkehr in die Soers: Nach 15 Jahren Abstinenz zieht es Rüdiger und Christa Baucke wieder zum CHIO; beide waren aktive Reiter Foto: J. Lange

Stolberg. Eine gute Woche im Jahr ist halb Stolberg in Aachen – beim CHIO. Der bietet nicht nur den besten Reitsport der Welt, sondern die Soers ist dann auch eine einzigartige Bühne der Kommunikation. Kommunikativ geht‘s gleich auf dem Parkplatz zu, wo Franz Gilliam die Tickets kontrolliert.

In Oberstolberg und Atsch ist der 60-Jährige aufgewachsen, im Alter von 15 Jahren nach Eilendorf gezogen, hat bei Saint-Gobain und als Gärtner gearbeitet, ist nun seit elf Jahren bei einem Sicherheitsdienst und seit drei Jahren „für den Verein“ als Ordner im Turniereinsatz. „Immer irgendwo anders, das ist abwechselnd und macht Spaß“.

Für Bernd Schöneweiß ist diese Art Abwechslung eine Premiere. Als Ordner kümmert er sich am unverdächtigen Tor 12a um die Lieferanten. Die Karriere zu den spektakuläreren Einsatzorten auf dem Turniergelände liegt noch vor dem 60-Jährigen. Bei den „Wenkbüllen“ ist er Zeremonienmeister, bei der Bundeswehr hat er es in der Donnerberg-Kaserne zum Stabsfeldwebel und zum Präsidenten der Jecken Korporale gebracht. Über die Bundeswehr fand Schöneweiß auch den Weg in die Soers. „Joachim Schaprian hat mich gefragt, ob ich mitmachen möchte, jetzt, wo ich pensioniert bin.“ Da hat der dem „Schapi“ Ja gesagt; und es macht Spaß.

Der 71-Jährige ist Oberst a.D., war stellvertretender Kommandeur der Aachener Truppenschule und ist natürlich auch (Wahl-)Stolberger. Seit 2004 ist der Mitgründer des „Blauen Bund“ und Initator der „Petersberger Gespräche“ für die Sicherheit während des CHIO verantwortlich. Sein Büro hoch oben auf der Rückseite der Teilnehmer-Tribüne bietet den absoluten Überblick: Abreiteplatz, Village, Stadion – der 360-Grad-Panorama-Blick. Kameras und der Kontakt per Funk zu Ordnern, Polizei und Sanitätern helfen Schaprian für die Ecken, die er von oben nicht einsehen kann. Der Sturm vor zwei Jahren war bislang die heikelste Situation auf dem CHIO, die der Obrist meisterte.

Eine Situation, die auch Ralf Roeger herausforderte. Seit vielen Jahren sind der Stolberger und seine Frau Dagmar als Fotografen für unsere Zeitung auf dem Turnier unterwegs: Da hat die Familie zumindest einmal den selben Arbeitsplatz. Deshalb darf auch der sechsjährige Sohnemann Dennis schon mal mit – und spielt gelegentlich Statist fürs Foto. Doch viel Zeit fürs Private bleibt bei dem stressigen Job zwischen Turnierplätzen und Ladendorf nicht.

In die schmale Gasse zwischen Village und Vorbereitungsplatz hat es Rüdiger Baucke gezogen. Seit 15 Jahren ist er nicht mehr beim Turnier in der Soers gewesen. Damals hatte er den Reitsport an den Nagel gehängt, sich beruflich und privat neu orientiert. Doch die Faszination des Pferdesports ist haften geblieben. Ehefrau Christa hat auch geritten, und so schaut der Medizinisch-technischer Radiologieassistent in Eschweiler dort genau zu, wo und wie die Profis ihre Pferde vorbereiten. „Es ist unglaublich, wie sich hier alles verändert hat“, sagt Baucke rückblickend und verweist beispielhaft auf das gewachsene Ladendorf nebst seiner kulinarischen Ecken.

Ein Ort der Kommunikation

Die sind immer auch Magneten für die Besucher aus Stolberg. An diesem Tag gönnen sich beispielsweise IG-Metall-Bevollmächtigter Helmut Wirtz, Karl-Heinz Lach und Sepp Häring mit ihren Damen sich eine kühle Erfrischung zum Beginn des Turnierbesuchs. Der gehört schon länger zum gesellschaftlichen Rahmenprogramm einer regelmäßigen Arbeitstagung der gewerkschaftlichen Aufsichtsratsmitglieder des Leoni-Konzerns. „Wir versuchen den Termin immer miteinander zu verknüpfen“, erklärt Wirtz. So kommen die Kollegen anderer Konzernstandorte in die Gelegenheit, Aachener Turnierluft zu schnuppern.

Einmal schnuppern, was die vielen Anbieter in den Ladenstraßen so zu bieten haben, gehört auch für Bärbel Leufgens ebenso zum Turnierbesuch dazu wie der Hut. „Schon seit vielen Jahren kommen wir immer zum Nationenpreis“, sagt die Kauffrau. Der CHIO steht für viele Stolberger ganz selbstverständlich im Jahreskalender.

Neu aufgenommen hat ihn nun auch Tim Grüttemeier, der als Bürgermeister am Empfang der Städteregion teilnahm. Eine Premiere, die mit vielen Gesprächen gespickt war, um Bewegung in einige Stolberger Probleme zu bringen, verrät der neue Verwaltungschef. Immerhin sind bei solchen Terminen zahlreiche Vertreter von Behörden, Kommunen, Verbänden und Institutionen anzutreffen. Und die nutzen dann gerne die Gelegenheit, einiges einzustielen.

Dazu zählt auch Axel Wirtz, der als Vorsitzender des Sportausschusses des Landtages regelmäßig Ehrengast des Aachen-Laurensberger Rennvereins ist. In diesem Jahr ist er etwas seltener als gewohnt in der Soers anzutreffen. Terminüberschneidung. „Bei uns läuft der 40. BSR-Cup“, sagt Wirtz. Da tauscht der Vorsitzende der ausrichtenden SG Stolberg öfter den Besuch im Reitstadion mit dem des Naturstadions in Werth.

Auf dem Aachener Turniergelände holt zwei andere Stolberger das Turnier ein, das ihr Büsbacher Reiterverein am zweiten August-Wochenende ausrichtet. Während Yvonne und Markus Rauscheid den Pferden auf dem Abreiteplatz zu sehen, klingelt das Handy. Am anderen Ende der Leitung ist Silke Kurth schon mitten in den Vorbereitungen auf Gut Hassenberg und hat ein paar Fragen. Nach dem Turnier ist eben immer auch vor dem Turnier...

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