Stolberg - In der Kupferstadt soll sich 2018 in Sachen Integration einiges tun

In der Kupferstadt soll sich 2018 in Sachen Integration einiges tun

Von: Sonja Essers
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Kennt die Situation der Flüchtlinge: Sozialamtsleiter Paul Schäfermeier. Foto: Sonja Essers

Stolberg. Anlaufstelle, APP und ehrenamtliche Lotsen in den Ortsteilen: In Sachen Integration soll sich 2018 in Stolberg einiges tun. Nachdem in den vergangenen beiden Jahren zunächst die Erstversorgung von neuzugewanderten Menschen im Vordergrund stand, will die Verwaltung nun den nächsten Schritt gehen.

 Im Konzept „Miteinander leben“, das Sozial-, Schul- und Jugendamt erstellten, ist nicht nur die momentane Situation aufgeführt, es geht auch um neue Projekte.

Eines davon sind die ehrenamtlichen Lotsen in den einzelnen Ortsteilen. Sie sollen künftig helfen, wenn ein Kind sich beispielsweise in einem Sportverein engagieren möchte oder Eltern Informationen über die Bildungsangebote in der Stadt brauchen. „Das ist natürlich kein Ersatz für eine professionelle Beratung“, sagt Sozialamtsleiter Paul Schäfermeier. Vielmehr sollen die Ehrenamtler als Vermittler agieren.

Auch mit Flüchtlingspatenschaften dürfe man diese Aufgabe nicht vergleichen. „Paten begleiten eine Familie prozesshaft. Bei den Lotsen kann es mit einem Kontakt vielleicht schon getan sein“, sagt er. Zu einigen Ehrenamtlern habe man bereits Kontakt aufgenommen. Sie stammen aus einem Pool von Freiwilligen, die sich seit 2015 in der Flüchtlingsarbeit engagieren. Anfang 2018 soll es losgehen.

Dann soll auch ein weiteres Projekt umgesetzt werden: eine zentrale Anlaufstelle für Flüchtlinge. Der Hintergrund: Im Rahmen ihrer Arbeit haben die Mitarbeiter des Amtes für Soziales die Erfahrung gemacht, dass es einen hohen Bedarf für Beratung und Unterstützung gibt. Neben Themen wie Unterbringung und Versorgung stehen mittlerweile allerdings vor allem komplexere Fragen zu Themen wie Ausländerrecht, Arbeit oder die freiwillige Rückkehr in das Herkunftsland an. In einer Anlaufstelle soll eine migrationsspezifische Beratung stattfinden. Zudem gibt es seit Juni dieses Jahres eine APP, die momentan in englischer Sprache auf´s Smartphone geladen werden kann, bald aber noch weiter ausgeweitet werden soll, sagt Schäfermeier.

Bleibeperspektive im Vordergrund

Dass mittlerweile nicht die Erstversorgung, sondern eine Bleibeperspektive im Vordergrund steht, zeigt sich auch an der Situation in den einstigen Notunterkünften. „In Stolberg haben wir seit Ende August 2016 keine Notunterkünfte mehr“, sagt Schäfermeier. Wer bisher noch keine eigene Wohnung gefunden hat, lebt in den Häusern in der Wiesenstraße oder auf dem Kelmesberg, die von der Stadt angemietet wurden. Angemessenen Wohnraum zu finden, sei oft ein Problem, sagt Schäfermeier. Gründe dafür können sowohl sprachlicher als auch kultureller Art sein.

Das Thema Wohnraum spielte auch in der letzten Sitzung des Stadtrates eine Rolle. Die Mitglieder stimmten zu, Bürgermeister Dr. Tim Grüttemeier für die Anmietung von Wohnungen für Flüchtlinge – ohne vorherige Zustimmung durch den Haupt- und Finanzausschuss und den Rat – zu bevollmächtigen. Da zum Abschluss von Mietverträgen eine kurzfristige Entscheidung notwendig sei, habe der Rat so entschieden. Dies ist allerdings bis zum 31. Dezember 2018 befristet. Zudem dürfen nicht mehr als 25 Wohnungen angemietet werden. Die Entscheidung wurde damit begründet, dass man auch im kommenden Jahr weiterhin mit Zuweisungen rechne.

Stillstand gibt es diesbezüglich nämlich keineswegs. Erst Anfang Dezember kam eine neunköpfige Familie in Stolberg an. Bis Juli waren es alle zwei Wochen bis zu zehn Personen. Insgesamt gab es in diesem Jahr bisher 125 Zuweisungen. „Es ist deutlich besser geworden. In den Hochzeiten teilte man uns erst Ende der Woche mit, wie viele Zuweisungen es Anfang der kommenden Woche geben würde“, erinnert sich Schäfermeier. Momentan leben in Stolberg 821 Personen, die sich entweder in einem schwebenden Asylverfahren befinden oder zumindest einen befristeten Aufenthaltstitel erworben haben.

Lebenssituation

Wie sie sich die Zukunft vorstellen, ist ebenfalls im Konzept „Miteinander leben“ festgehalten. Ende Juni befragten einige Mitarbeiter der Verwaltung mit Dolmetschern 92 in Stolberg lebende Zuwanderer zu ihrer Lebenssituation und der, ihrer Familien. Die Befragung fand im Rahmen der Wartezeit der Ausgabe der Leistung im Rathaus statt. Da in der Regel eine Person die Leistung für die gesamte Familie abholt, konnten auch Informationen über die weiteren Mitglieder der Familie eingeholt werden, so dass 258 Personen erreicht werden konnten. In einem nächsten Schritt soll die Befragung ausgeweitet werden.

Bei der Befragung im Rathaus kam unter anderem heraus, dass ein hohes Interesse bestehe, Arbeit aufzunehmen. Zudem kam heraus, dass es Nachholbedarf gibt in Sachen Kinderbetreuung. „Es gibt immer wieder Leute, die denken, dass eine Betreuung nicht notwendig ist. Sie sehen den Bildungsauftrag nicht“, sagt Schäfermeier.

An dieser Stelle kommen die sogenannten Brücken-Kitas ins Spiel. In diesen wird mit Kindern und Eltern parallel gearbeitet. Während der Nachwuchs auf diese Weise selbstständiger werden soll, könne den Eltern das Loslassen besser gelingen. Auch dieses Projekt soll vorangetrieben werden. Der Rat der Stadt Stolberg stimmte dem Konzept zu. Der Umsetzung steht nun nichts mehr im Weg.

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