In China wartet eine neue Herausforderung

Von: Jan Schlegelmilch
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Extremen körperlichen Belastungen wird Markus Ganser auch in China ausgesetzt sein, ehe er die Ziellinie überlaufen kann.

Stolberg. Man könnte den Mann für verrückt erklären. Doch für Markus Ganser ist die vermeintliche Besessenheit eine ständige Suche; die Suche nach neuen Herausforderungen und Zielen, den Grenzen des Möglichen. „Ich brauche das als Ausgleich”, bekennt sich der Stolberger zu seiner Abhängigkeit.

Seine „Droge” ist der Triathlon, ein Sport, der Körper und Geist alles abverlangt. „Sport definiert sich für mich in Herausforderungen, die ich schaffen möchte. Es ist tatsächlich eine Sucht, das ist sogar wissenschaftlich bewiesen”, weiß Ganser, der heute Abend zu seiner bisher vielleicht größten Herausforderung aufbricht.

Eine drückende Hitze mit Temperaturen von bis zu 40 Grad, die Luftfeuchtigkeit an der Grenze des Zumutbaren: Das sind die Rahmenbedingungen des Ironman China in Haikou, dem „Hawaii des Ostens”. Seit 2008 gibt es das Triathlon-Rennen in der Volksrepublik, Markus Ganser geht dort zum ersten Mal an den Start, der Reiz der neuen Herausforderung hat ihn gepackt. „Von den Bedingungen her ist das äußerst schwierig”, ist sich Ganser bewusst, dass auf der Insel am südlichsten Zipfel Chinas alles abverlangt wird. Heute Abend um 19 Uhr fliegt Ganser zusammen mit seiner Frau von Frankfurt nach Peking, von der chinesischen Hauptstadt aus geht es weiter nach Haikou - ein Sprung vom kalten und (noch) verschneiten Stolberg in die tropische Klimazone Chinas. „Davor habe ich ein bisschen Angst”, gibt Ganser trotz vorbeugender Saunagänge zu. Ansonsten ist der Ausnahmesportler aber in bester Verfassung: „Ich fühle mich gut und habe bis jetzt keine Ausreden. Ich bin im Moment ganz optimistisch.”

In der vergangenen Woche hat Ganser in Hinblick auf den Wettkampf am kommenden Freitag etwas lockerer trainiert, die Intensität in den Wochen und Monaten davor war jedoch hoch. Rund 30 Stunden in der Woche widmete Ganser dem Laufen, Schwimmen und Radfahren, der Winter brachte etwas mehr Zeit für das Training mit - aber auch schlechte Bedingungen. „Das Radfahren durch den Schnee war schon sehr schwer, oft konnte man auch nicht mehr laufen. Ich war viel auf dem Laufband, aber nach zwei Stunden ist das mental ganz schön hart”, meint Ganser, der nur in der Schwimmhalle konstante Bedingungen vorfand.

Eine gute Schwimmleistung wird der Stolberger auch brauchen, um beim hochkarätig besetzten Ironman China bestehen zu können. Schließlich hat der Fluss Nandu, durch den die Athleten 3,86 Kilometer schwimmen müssen, eine Strömungsgeschwindigkeit von vier Kilometern pro Stunde. „Da kommt man wirklich kaum vorwärts”, sagt Ganser schmunzelnd. Er ist gut gelaunt, wirkt hoch motiviert, die Vorfreude auf die neue Herausforderung wächst stündlich. Das wird auch deutlich, wenn der Sportler über seine Zielsetzungen spricht: „Das Elementarste ist, das Ziel zu erreichen. Dafür fliege ich aber nicht dort hin, das ist klar”, sagt er. „Ich gehe bei jedem Wettkampf an den Start, um zu gewinnen, egal ob das realistisch ist oder nicht. Wenn man 28 bis 30 Stunden in der Woche trainiert, muss man den Traum haben, zu gewinnen. Und unter den ersten 50 möchte ich am Ende schon landen.”

Unabhängig von den Platzierungen gibt es für Markus Ganser noch einen ganz anderen Anreiz, das Ziel auf Haikou in einer guten Zeit zu erreichen. Die besten Teilnehmer in den jeweiligen Altersklassen können sich für den Ironman Hawaii qualifizieren, das Ticket wird noch bei der Siegerehrung am darauf folgenden Tag überreicht. „Bis jetzt habe ich die Qualifikation immer geschafft, aber es wird jedes Jahr schwerer”, hofft Ganser auf einen der begehrten Startplätze. Dann müsste er die nächste Herausforderung zumindest nicht mehr suchen ...
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