In Atsch muss man das Hochwasser nicht mehr fürchten

Von: Christina Handschuhmacher
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Breiter und tiefer: Der linke Arm der Inde verfügt nun über eine rund 16 000 Kubikmeter große Überschwemmungsfläche. Böschungen und Deiche schützen die Anwohner zusätzlich vor Hochwasser. Foto: Christina Handschuhmacher
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Der erste Baum ist gepflanzt: Prof. Wolfgang Firk (v.r.), Vorstand des Wasserverband Eifel-Rur, Verbandsratsmitglied Axel Wirtz, Verbandsratsvorsitzender Paul Larue, Bürgermeister Ferdi Gatzweiler, die stellvertretende Bürgermeisterin Hildegard Nießen und Verbandsratsmitglied Dr. Rolf Nolten griffen zum Spaten. Foto: Christina Handschuhmacher

Stolberg-Atsch. Die Inde fließt gemächlich vor sich hin an diesem Montagmorgen. Nahezu idyllisch wirkt es am Flussufer. Dass es hier auch anders aussehen kann, weiß Gaby Podborny nur zu gut. Im Januar 2011 hat das Hochwasser der Inde ihr wenige Meter vom Ufer stehendes Haus zum letzten Mal getroffen. Zweimal innerhalb kürzester Zeit stand ihr Grundstück unter Wasser.

Mit Pumpen musste das Wasser aus ihrem Haus gesaugt werden. Jetzt muss sich Gaby Podborny auch bei starkem Regen keine Sorgen mehr machen, denn dass die Inde noch einmal ihr Grundstück schwemmt, ist nun extrem unwahrscheinlich.

Der Wasserverband Eifel-Rur (WVER) hat die Inde im Gewerbepark Stolberg-Atsch naturnah umgestaltet und mit dieser Maßnahme auch den Hochwasserschutz erhöht. Am Montagvormittag feierten Vertreter des Wasserverbandes Eifel-Rur, Anwohner und Lokalpolitiker den offiziellen Abschluss der Arbeiten. „Wir haben der Inde ein Stück weit mehr Freiraum gegeben“, sagt der Vorstand des WVER, Professor Wolfgang Firk.

Bislang war die Inde an dieser Stelle nicht leistungsfähig genug, um die Wassermassen bei Hochwasser selbstständig zu regulieren. Zahlreiche Überschwemmungen waren die Folge.

Firk fasst das Problem so zusammen: „Der rechte Indearm kann maximal 15 Liter pro Sekunde abführen. Das sogenannte Jahrhundert-Hochwasser liegt an dieser Stelle allerdings bei 56 Litern pro Sekunde und der linke Indearm war bislang nicht leistungsfähig genug, um die restlichen 40 Liter pro Sekunde abzuführen.“

Um diesen Engpass zu beseitigen, wurde die Inde bei Atsch künstlich auf eine angrenzende Freifläche verlegt – immer mit dem Ziel, die Umgestaltung möglichst naturnah umzusetzen. Eine Blocksteinrampe ersetzt die bisherige Stauanlage im Flussbett. Die Blocksteinrampe stellt zudem sicher, dass in den rechten Indearm nur maximal 15 Liter pro Sekunde fließen.

Die bloßen Zahlen sind beeindruckend: 16.300 Kubikmeter Boden haben die Bagger von März bis Juli bewegt, 3500 Tonnen Wasserbausteine wurden verbaut. 630.000 Euro hat die gesamte Baumaßnahme gekostet – 80 Prozent der Kosten trägt das Land NRW.

Da der rechte Indearm aufgrund der angrenzenden Bebauung nicht erweitert werden konnte, wurde der linke Arm umgelegt. Er ist nun breiter und tiefer und bietet eine neu entstandene 16.000 Kubikmeter große Überschwemmungsfläche. Böschungen und Deiche schützen die Anwohner der Hammstraße und der angrenzenden Wohnhäuser zusätzlich vor den Wassermassen.

In dieser sogenannten Auenlandschaft soll nun auch eine vielfältige Flora und Fauna entstehen. Bis in die 1980er Jahre hinein, wurden Flüsse in Betonprofile gepresst, um einen Schutz vor Hochwasser zu gewährleisten. „Die hier entstandene Auenlandschaft hingegen ist natürlich und lässt dem Fluss die Möglichkeit, sich zu entfalten“, sagt der Verbandsvorsitzende des WVER, Paul Larue.

Bänke sollen zukünftig am Rande der Auenlandschaft zum Verweilen einladen. Zudem soll das Gebiet weiter bepflanzt werden – am Montagvormittag wurde die erste Eiche am Ufer in die Erde gesetzt.

Und auch Gaby Podborny ist zufrieden: „Die Inde hat nun endlich genug Platz, um sich auszubreiten. Und auch von der Optik her, ist es jetzt schöner.“

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