Immer wieder den richtigen Ton getroffen: Hans Georgi

Von: Peter Stollenwerk
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Mit Erich Kästners literarischem Werk tief verbunden: Der Roetgener Musik-Kabarettist Hans Georgi. Foto: P. Stollenwerk

Stolberg/Roetgen. Wer kennt nicht Erich Kästner? Der berühmte deutsche Literat hat der Nachwelt unsterbliche Jugendliteratur hinterlassen. „Emil und die Detektive” sowie „Pünktchen und Anton” sind wohl die berühmtesten Werke des Dichters.

Weit weniger bekannt ist das weitere literarische Werk Kästners. Dass die andere Seite Kästners, der auch ein Meister der Gesellschafts- und Zeitkritik war, in der Öffentlichkeit mehr Popularität erlangte, ist auch mit das Verdienst des Roetgener Musik-Kabarettisten Hans Georgi.

Der 61-Jährige, der seit Anfang der 80er Jahre auf der Bühne steht, und dies seit über 15 Jahren hauptberuflich, hatte Mitte der 90er Jahre eine prägende Begegnung mit dem Werk von Erich Kästner, genauer gesagt mit dessen vier Bänden „Erich Kästner für Erwachsene”. Diese Bücher bildeten die Grundlage für das Musik-Kabarett „Die Welt ist rund - Erich Kästner für Erwachsene”.

Zum 100.Todestag des am 23.Februar 1899 in Dresden geborenen und 1974 in München verstorbenen Schriftstellers trat Hans Georgi damit an die Öffentlichkeit. Als er im Jahr 1999 mit dem Programm in seiner Heimatstadt Würselen Premiere feierte, hätte er niemals daran gedacht, dass das Programm sich zu einem echten Dauerbrenner entwickeln würde.

Zu Gast im Kommödchen

Rund 500 Mal hat er das Programm in den zehn Jahren inzwischen im deutschsprachigen Raum gespielt, darunter in vielen renommierten Häusern der Kleinkunst, vom Mainzer Unterhaus, über das Pantheon-Theater in Bonn bis zum Senftöpfchen in Köln.

Am 23. Februar 2009, also am Rosenmontag, wäre Kästner 110 Jahre alt geworden. Dieser Tag bedeutet auch für Hans Georgi ein kleines Jubiläum, und da der zehnjährige Geburtstag des Programms eine besondere Aufführung verlangt, tritt der Künstler damit im renommierten 1947 gegründeten Düsseldorfer Kommödchen auf, wenn auch mit leichter Verzögerung, nämlich an diesem Aschermittwoch, 25.Februar.

„Hier wird immer noch bitterböses Kabarett gespielt”, freut sich Hans Georgi auf den Jubiläumsauftritt vor 180 Besuchern im kleinen Theater. Langeweile oder Wiederholungseffekte sind für Hans Georgi Fremdworte. Das Kästner-Programm „Die Welt ist rund” hat für ihn nichts an Aktualität verloren. „Die Texte kann man immer wieder hören und der Weitblick Kästners ist bemerkenswert. Sein Werk ist einfach zeitlos”, sagt Georgi, der seinerzeit über das Lesen der Gedichte den besonderen Reiz erkannte, diese Werke zu vertonen.

Das „patriotische Bettgespräch” wird von Marschmusik begleitet, beim „Synthetischen Menschen” mit Professor Bimke als Hauptfigur erklingt das Gedicht im Takt industrieller Fertigung, oder das satirische Werk „Hunger ist heilbar” wird als Moritat mit Leierkasten-Begleitung vorgetragen. „Es muss eben passen”, sagt Hans Georgi, der sein Programm solange spielen möchte wie das Publikum kommt. Und die Nachfrage reißt nicht ab, auch wenn Georgi in der Region sich mit Auftritten eher rar macht. „Das kleine, feine Publikum”, das gehobene Kleinkunst sehen möchte, ist trotz der fast hoffnungslosen Überfrachtung von Comedy-Akteuren im Fernsehen, immer noch in Nischen vorhanden.

Georgi stimmt es dennoch ein wenig nachdenklich, wenn er sieht, in welche Richtung sich der „Massengeschmack” des Publikums entwickelt hat. Bei seinen Auftritten zwischen Nord und Süd gibt es riesige Unterschiede, was die Reaktionen des Publikums betrifft.

„Es gibt Gegenden, das wird man fast adoptiert, anderswo wird man noch nicht einmal begrüßt”, beschreibt Hans Georgi oft schwer erklärbare regionale Formen der Mentalität.

Für ihn steht im Mittelpunkt, „dass Werk Kästners lebendig zuhalten, und ich freue mich mit diesem Nischenprogramm immer noch viele Menschen erreichen zu können”. Ganz aktuell verweist er auf Kästners Gedicht „Die Hymne auf die Bankiers”. Dort heißt es, dass die Banken „ihr eigenes Geld fressen”. Das könnte aus der heutigen Zeit stammen. „Kästner war eben ein Visionär”, schwärmt Georgi.

Die Texte Kästners zu vertonen war im Übrigen nicht gerade ein unkompliziertes Unterfangen. Anderthalb Jahre dauerte die Vorbereitung der 25 Chansons und dem in der Schweiz lebenden Kästner-Sohn Thomas mussten die Vertonungen allesamt zur Genehmigung vorgelegt werden. Andere sind an dieser Hürde bereits gescheitert, weiß Hans Georgi. Rockstar Udo Lindenberg, der seinerzeit ebenfalls Kästner-Texte musikalisch untermalen wollte, erhielt keine Genehmigung.

Um so mehr fühlt sich Hans Georgi bestätigt, dass er mit seinen musikalischen Ideen offenbar den richtigen Ton getroffen hat - im Sinne Kästners und zur Erbauung des Publikums.
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