Immer wieder Beschwerden über Obdachlosenunterkunft

Von: Ottmar Hansen
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Stolberg. Die Obdachlosenunterkunft am Kelmesberg kommt nicht aus den Schlagzeilen. Immer wieder beschweren sich Nachbarn über die Zustände rund um die acht Häuser.

Vergangene Woche ging auf dem Gelände sogar ein Pkw in Flammen auf - mutwillig in Brand gesetzt. Nun hat die Stadt in Zusammenarbeit mit dem katholischen Verein für soziale Dienste (SKM) einen Sozialarbeiter eingestellt, der die Bewohner der Häuser betreuen soll. Andreas Dittrich hat vor wenigen Tagen seine Arbeit aufgenommen.

Inzwischen leben 39 Männer und Frauen in den herunter gekommenen Häuserblocks. Die meisten Bewohner sind im Alter zwischen 18 und 25 Jahren. Eine Frau lebt allerdings schon mehr als 20 Jahre lang hier. Die Bewohner sind in der Regel am Kelmesberg gelandet, nachdem ihnen die Unterstützung durch die Arbeitsagentur gestrichen worden war.

Als Sanktion dafür, dass die jungen Leute sich der Rückführung in ein geregeltes Leben verweigert hatten. Zuletzt hatte die ARGE nicht einmal mehr die Miete für die Wohnung übernommen. Es folgte die Räumungsklage. Mit dem Ergebnis, dass die Betroffenen auf der Straße landeten. Die Stadt Stolberg musste einspringen. Und die jungen Erwachsenen in der Obdachlosenunterkunft unterbringen.

Besondere Situation

„Das ist schon eine besondere Situation“, stellte Bürgermeister Ferdi Gatzweiler jetzt bei der Vorstellung des neuen Sozialarbeiters fest. „Jetzt müssen wir uns um diese spezielle Personengruppe kümmern. Sie sind am unteren Rand dieser Gesellschaft angekommen. Wir müssen nun versuchen, sie in ein normales Leben zurück zu führen“, so der Bürgermeister.

Ursprünglich hatte es die Hoffnung gegeben, zumindest die Hälfte der Obdachlosenunterkünfte abreißen zu können. Schon den Nachbarn im angrenzenden Neubaugebiet zuliebe. Doch dazu wird es zunächst nicht kommen. „Die Zahl der jungen Obdachlosen ist eher steigend“, sagt Gatzweiler. Und sie werden derzeit am Kelmesberg auf engstem Raum untergebracht.

Das führt immer wieder zu Reibereien. Hinzu kommen Alkoholexzesse, die die Stimmung aufheizen. Mit dem Ergebnis, dass dann eben schon einmal ein Auto abgefackelt wird. „Die jungen Leute sind orientierungslos und wissen nicht, was sie tun sollen“, weiß der Bürgermeister.

Es gab auch einmal die Idee, die Häuser zumindest so umzubauen, dass mehrere kleinere Wohnungen entstehen. Sauber und modern eingerichtet. Wenn man die Bauten schon nicht abreißen kann. Doch auch daraus ist aus finanziellen Gründen bislang nichts geworden. Und eine dezentrale Unterbringung der Obdachlosen in kleineren Wohngruppen über die Stadt verteilt ist bislang ebenfalls stets gescheitert. Meist am Widerstand der Nachbarn.

Wer einmal auf dem Kelmesberg gelandet ist, dessen Zukunftsaussichten sind eher gering. „Wer sich auf dem Wohnungsmarkt um eine neue Bleibe bemüht, wird in der Regel wieder weggeschickt, wenn er zugeben muss, dass er vom Kelmesberg kommt“, hat Mark Brülls vom SKM beobachtet.

Bleibt der Kelmesberg. Bislang kümmerten sich hier ein engagierter Hausmeister, eine städtische Sozialarbeiterin sowie ein Wachdienst um die Obdachlosen. Das Team wird nun verstärkt durch Andreas Dittrich. Rund 50.000 Euro bringt die Stadt im Jahr auf, um die Dreiviertelstelle des Sozialarbeiters zu finanzieren.

Andreas Dittrich bringt Erfahrung auf seinem Arbeitsgebiet mit. Zuletzt hat er bei der Obdachlosenhilfe der Stadt Köln gearbeitet. Sein erstes Ziel werde es sein, die Menschen vom Kelmesberg zu befähigen, wieder ein selbstbestimmtes Leben zu führen, mit Job und eigener Wohnung, so Brülls. Und möglichst ohne Alkoholexzesse oder Drogensucht.

Das zweite Ziel müsse sein, die Obdachlosenunterkunft besser in das soziale Umfeld zu integrieren. Sprich: Die Anwohner müssen bei Problemen einen Ansprechpartner haben, auf den sie möglichst zeitnah gezielt zugehen können. „Die Anwohner vor Ort müssen sehen, dass hier etwas passiert“, bringt es Andreas Dittrich auf den Punkt.

Selbst etwas verändern

Den Obdachlosen will Dittrich das Gefühl zurück geben, dass sie ernst genommen werden. Nur so sei es möglich, dass sie selbst etwas an ihrem derzeitigen Umfeld veränderten. Etwa die Wohnungen einmal aufzuräumen oder mal den Boden zu putzen. So sieht es auch Fachbereichsleiter Willi Seyffarth: „Es ist wichtig, dass da jemand kommt, der die Menschen dort wertschätzt.“ Andreas Dittrich wird zu unterschiedlichen Zeiten am Kelmesberg anzutreffen sein. Sein Büro hat er im Haus Nummer acht eingerichtet. .

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