Immer mehr Stolberger nehmen Hilfe für ihre Kinder an

Von: Michael Grobusch
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Die Ansprechpartnerinnen der Stadt Stolberg in Sachen Bildungs- und Teilhabepaket mit Abteilungsleiterin Katharina Oebel (v.l.): Heike Buschmann (Raum 12, Telefon 13393), Heike Geilen (Raum 15, Telefon 13266) und Monika Sommer-Neffgen (Raum 11, Telefon 13289). Foto: M. Grobusch

Stolberg. Die jüngste Statistik der Verwaltung lässt keinen Zweifel zu: Immer öfter werden in Stolberg Leistungen des Bildungs- und Teilhabepakets beantragt. „Das Programm ist bei den Menschen angekommen“, stellt Willi Seyffarth angesichts der steigenden Zahlen fest. Damit scheinen die Startschwierigkeiten, die es bei der Umsetzung des seit 1. Januar 2011 geltenden Gesetzes gab, endgültig überwunden zu sein.

595 Anträge für Leistungen in einer Gesamthöhe von 97.000 Euro, so bilanziert der Fachbereichsleiter, sind im Rathaus bis zum 31. August eingegangen. Damit setzt sich der im vergangenen Jahr festgestellte Trend weiter fort. 2012 hatte die Stadt 680 Anträge gezählt und rund 127.000 Euro an Geldern im Auftrag des Bundes bewilligt. Diese Zahlen dürften bis Ende Dezember deutlich übertroffen werden.

Dabei ist die Stadt nicht für alle Bezugsberechtigten zuständig. Empfänger von Arbeitslosengeld II oder Sozialgeld müssen sich an das Jobcenter wenden; wer Wohngeld, Asylbewerberleistungen, Kinderzuschlag oder Hilfe zum Lebensunterhalt (Sozialhilfe) nach dem Sozialgesetzbuch XII bezieht, ist hingegen bei Heike Buschmann und Monika Sommer-Neffgen richtig. Sie bieten eine persönliche Beratung an und helfen auch beim Ausfüllen der Anträge.

Prinzipiell, und das wertet Koordinatorin Heike Geilen als sehr positiv, sei die Hemmschwelle gering. „Die Beantragung von Mitteln aus dem Bildungs- und Teilhabepaket findet nicht in einer Tabuzone statt. Die Betroffenen stehen dazu, dass sie die Hilfe in Anspruch nehmen möchten. Und diese Hilfe bewirkt tatsächlich etwas, wie uns die zahlreichen positiven Rückmeldungen zeigen.“

Auf der Bedarfsliste steht die Kostenübernahme für das Essen in Kitas und Schulen an erster Stelle. In diesen Fällen – und das ist die Ausnahme – ist die Bewilligung an eine Eigenbeteiligung in Höhe von einem Euro pro Essen geknüpft. Bei der Deckung des Bedarfs an Schulmaterialien, die bei der Nachfrage den zweiten Platz einnimmt, gibt es derweil Pauschalen: 70 Euro für das erste Halbjahr, weitere 30 Euro für das zweite.

Dass dieses Geld oftmals nicht reicht, um tatsächlich alle Materialien und Bücher kaufen zu können, ist Heike Buschmann bewusst. „Für uns gibt es aber leider keine Handlungsspielräume, die Beträge sind vom Gesetzgeber eindeutig festgelegt worden.“

Das gilt auch für die Finanzierung von Nachhilfe. Maximal 35 Stunden pro Schuljahr und Fach werden einem Kind gewährt. Nicht gedeckelt sind hingegen die Kosten für Klassenfahrten. „Das Bildungs- und Teilhabepaket sieht die hundertprozentige Übernahme vor“, betont Monika Sommer-Neffgen.

Und das sei auch gut so, schließlich würden nicht selten 350 bis 400 Euro für eine einwöchige Skifreizeit fällig – zuzüglich der Ausrüstung, die geliehen werden muss. Über den Sinn und Unsinn solcher Fahrten, so die Sachbearbeiterin, könne man sicherlich streiten.

„Fakt ist aber, dass solche Größenordnungen viele Familien überforderen. Und das gilt nicht nur für diejenigen, denen Hilfe für Bildung und Teilhabe zusteht.“

Rege genutzt wird auch die Übernahme von Vereinsbeiträgen für Kinder und Jugendliche. „Es hat sich als richtige Entscheidung erwiesen, auf die Vereine zuzugehen und einen Informationsabend anzubieten“, erklärt Willi Seyffarth. Ein Haken der gültigen Gesetzgebung bleibe allerdings, dass keinerlei Kostenübernahme für die nötige Ausstattung vorgesehen sei.

So muss beispielsweise der Kauf von Fußballschuhen und einem Trainingsanzug ebenso privat geleistet werden wie das Leihen eines Instrumentes. „Die meisten Vereine wissen aber um diese Situation und sorgen intern nach einer Lösung“, so der Fachbereichsleiter.

Bürgernähe und ein geringer bürokratischer Aufwand seien den Menschen mit der Einführung des Bildungs- und Teilhabepaketes zugesagt worden. „Und diese Zusage können wir einhalten“, versichert Katharina Oebel, Leiterin der zuständigen Abteilung Wohnen und Soziales. Maximal eine Woche liegen demnach zwischen der Antragstellung und der Auszahlung des Geldes.

Dass die Hilfe tatsächlich benötigt wird, steht für Heike Buschmann fest. „Aus der täglichen Arbeit wissen wir, dass viele Kinder ohne das Bildungs- und Teilhabepaket ausgegrenzt würden.“ In diesem Sinne richtet Willi Seyffarth einen Appell an alle Stolberger, die vom Recht ihrer Kinder auf Bildung und Teilhabe bis dato noch keinen Gebrauch gemacht haben.

„Man sollte die Hilfe nutzen, die der Staat mit diesem Gesetz bietet. Es darf nicht sein, das materielle und finanzielle Unterschiede in unserer Gesellschaft zu einer Benachteiligung von Kindern führen.“

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