Immer mehr Blätter als Nadeln fallen im Wald zu Boden

Von: Jürgen Lange
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„Ohne Wolf und Luchs fehlen die natürlichen Feinde“, sagt Förster Theo Preckel.
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Vergleich: Die Baumarten im Stolberger Stadtwald.

Stolberg. So ein wirklich klares Ja zu seiner Einladung auf eine ausgedehnte Wanderung im Stolberger Wald hat Theo Preckel zwar von den Politikern nicht gehört, dafür aber viel Lob für seine Arbeit, auch wenn sie teilweise kräftig stürmisch unterstützt wurde.

„Früher waren zwei Drittel blau“, erläutert Stolbergs Förster anhand der Karte des alten Forsteinrichtungswerks anschaulich im Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt. „Nun ist es nicht einmal mehr die Hälfte.“ Blau steht in dem Zahnjahresplan zur Bewirtschaftung des Waldes für Fichte, die über Generationen den Stolberger Forst prägte. Jetzt ist der „Preußenbaum“ auf dem Rückzug.

„Der Stadtwald ist ökologisch wertvoller geworden“, so Preckel. Mischwald mit seiner reichhaltigen Flora und Fauna kennzeichnet immer mehr die 1423 Hektar Stadtforst – 55,6 Hektar mehr als 1998 im alten Einrichtungswerk ausgewiesen, die vor allem auf Ankäufen und Aufforstungen in Zweifall und bei Camp Astrid beruhen. Der Waldanteil in der Kupferstadt liegt bei überdurchschnittlichen 52 Prozent (NRW 27 , bundesweit 32 ). 257,3 Hektar sind als Naturschutzgebiet ausgewiesen.

Das Verhältnis von Laub- zu Nadelholz hat sich von 32:68 in 1998 in 43:57 nahezu gedreht. „Fity fifty“, sagt Preckel, sind sein Ziel. Dann würde der Stadtwald ökologisch wie ökonomisch gedeihen. Auch in den vergangenen Jahren hatte der Förster regelmäßig deutliche Summen mit dem Stadtwald erwirtschaftet, die dem städtischen Haushalt zugute kamen.

Preckel ist aber auch einer der Vorreiter, die versuchen, die intensiv zur Naherholung genutzten Bestände möglichst naturnah zu bewirtschaften. „Wir nutzen die Dynamik des Waldes aus“, erklärt Preckel im Ausschuss und zwinkert: „Mal sehen, was unter den alten Fichten schon so alles wächst“. Der Anteil der Laubgehölze wird jedenfalls in Stolberg weiter zunehmen.

Vor allem in den jüngeren Altersklassen wurden umfangreiche Kulturen mit sehr hohem Laubholz-Anteil angelegt, während vor allem Fichten entnommen wurden – geerntet oder auch in Folge von Stürme: 60.000 Festmeter Fichtenholz mehr wurden genutzt als geplant. Neue Kulturen wurden mit 355.600 Pflanzen begründet; davon 223.600 Buchen, Eichen, Erlen und Eschen.

„Die Jungbestände erfuhren in der Vergangenheit einer besonderen Pflege und sind in einem sehr guten Zustand“, bescheinigt Forstplaner Thomas Dirkmann in dem neuen Forsteinrichtungswerk für die kommenden zehn Jahre, das die Untere Forstbehörde bereits genehmigt hat und am Dienstag dem Stadtrat zum Beschluss vorgelegt wird. Die zeitliche Verzögerung der Neuauflage des Forsteinrichtungswerks ist begründet mit der Aufarbeitung der Stürme Kyrill und Xynthia.

Nun ist der jährliche Hiebsatz neu berechnet und auf 7389 Festmeter Jahreseinschlag festgelegt. „Der Wald soll wie bisher als wirtschaftlich genutzter Erholungswald behandelt werden“, kündigt Preckel an. Immerhin würden die Leistungen für die Naherholung einem hohen Anspruch gerecht. 150 Kilometer Wanderwege und 40 Kilometer Reitwege sorgten für eine ausreichend gute Erschließung der Bestände.

Ein wenig Sorge bereiten dem Förster allerdings die starken Bestände an Rotwild, das sich enorm vermehrt habe. Dies führe zuerheblichen Schäl- und Fegeschäden in den Kulturen. Gleichwohl begrüßte Preckel das neue Jagdgesetz. Es es praxisnäher und vereinfache die Entscheidungsfindung für die Jäger, ob sie ein Stück erlegen dürften oder eben auch nicht.

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