Imkerverein Stolberg lädt zum Tag der Imkerei ein

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Stolberg. Ohne Bienen keine Bestäubung, ohne Bienen keinen Honig. Und ohne Imker weniger Bienen. 30 Aktive hat der Stolberger Imkerverein aktuell. Die treffen sich an jedem zweiten Monat um 20 Uhr im Alten Jägerhaus in Mulartshütte.

An diesem Sonntag laden die Imker aber zum Imkertag auf dem Gartengelände (ehemaliges Pfadfindergelände) in Buschmühle ein. Unsere Redakteurin Sarah-Lena Gombert hat sich mit Mario Kittel, dem neuen Vereinsvorsitzenden, über sein Hobby und den Imkertag am Wochenende unterhalten.

Herr Kittel, sind Sie in diesem Jahr schon gestochen worden?

Kittel (lachend): Ja, als Imker wird man auch gestochen, allerdings nicht so häufig, wie sich das viele Leute vorstellen. Die Bienen werden ja so gezüchtet, dass man friedfertige, sanftmütige Tiere hält. Wenn man gestochen wird, dann hat man meistens die Tiere gedrückt, sodass sie sich bedroht fühlen. Aber bei drückender Witterungslage sind die Tiere schon mal schlecht drauf, und dann stechen sie vielleicht eher. Als Imker merkt man irgendwann, ob seine Bienen gut gelaunt sind oder nicht.

Sie und Ihre Vereinskameraden verbringen Ihre Freizeit mit Insekten. Was sind das für Menschen, die die Imkerei als Hobby betreiben?

Kittel: In unserem Verein haben wir etwa 30 aktive Mitglieder. Das ist eine wirklich bunt gemischte Truppe. Das sind zum Teil Menschen, die dieses Hobby schon über viele Jahre betreiben. Mittlerweile haben wir aber auch jüngere Mitglieder dazu gewonnen. Es gibt auch einige weibliche Mitglieder! Ich betone das so, weil es ja das Vorurteil gibt, Imkern sei ein Männerhobby. Das ist also zumindest in Stolberg nicht der Fall. Wir haben aber trotzdem noch eine Menge Platz im Verein und freuen uns über neue Gesichter.

Andere Menschen machen Sport: Warum ist es bei Ihnen die Imkerei geworden?

Kittel: Jeder Mensch hat ja eine persönliche Geschichte dazu. Einige der Mitglieder haben angefangen, weil sie unbedingt Honig selbst produzieren wollten. Andere haben wieder einen Imker in der Verwandtschaft oder im Bekanntenkreis, der einen dann an das Hobby heranführt. So war es auch bei mir. Ein Bekannter hatte seine eigenen Bienen, er hat mich an die Hand genommen und mir dieses Hobby nähergebracht.

Was ist für Sie das Faszinierende an diesem Hobby?

Kittel: Die Biene ist ein sehr faszinierendes Lebewesen. Auf der einen Seite ist sie ganz anders als der Mensch, auf der anderen Seite findet man trotzdem viele Parallelen. Die Tiere sind ordnungsliebend, sehr gut organisiert. Das sind so kleine Insekten, aber in dem großen Verbund weiß trotzdem jedes Tier ganz genau, was zu tun ist. Die Kommunikation der Bienen untereinander ist für mich sehr spannend. Ich kenne kein anderes Lebewesen, das man so gut studieren kann, und wo man immer wieder etwas neues herausfindet. Selbst Imker, die seit Jahrzehnten dabei sind, lernen immer noch dazu.

Worauf müssen Einsteiger achten, wie viel Geld muss ich investieren?

Kittel: Das allerwichtigste, was man mitbringen muss, ist die Begeisterung für die Natur, für die Tiere. Man muss kein Biologe sein, und eine besondere Vorbildung muss man auch nicht haben. Und dann gibt es viele verschiedene Wege, wie man das Hobby angehen kann. Man kann die Imkerei in durchaus sehr kleinem Maßstab anfangen, mit einem oder zwei Bienenstöcken.

Wo die stehen, muss auch jeder für sich entscheiden: im heimischen Garten, beispielsweise, oder – wenn die Nachbarn einverstanden sind – auf der Dachterrasse. Und dann steigen die Investitionen ins Hobby auch mit der Anzahl der Bienenvölker. Für etwa 200 Euro bekommt man schon eine anständige Grundausstattung. Wenn man aber seine eigene Honigschleuder kaufen will, das kostet dann schon mal 500 Euro.

Ich kann mir vorstellen, dass der zeitliche Aufwand dieses Hobbys saisonal recht unterschiedlich ist...

Kittel: Klar! Im April bis Juli ist die Hauptphase der Betreuung. Da muss man spätestens alle neun Tage nach den Bienen gucken. In dieser Zeitspanne ist auch die Erntephase. Ab Herbst nimmt dann die Betreuung der Tiere kontinuierlich ab. Dann ist man eher mit den Nebenarbeiten beschäftigt. Und im Winter geht es dann auch mehr um den Verkauf des Honigs. Viele Leute essen ja auch lieber im Winter Honig.

In den letzten Jahren erfährt die Biene ja vor allem durch Parasitenbefall oder Bienensterben mediale Aufmerksamkeit. Ist das etwas, das Sie auch im Verein bemerken?

Kittel: Ich bin da jetzt kein Fachmann, aber man schon den Eindruck, dass die Menschen sich wieder mehr für das Tier Biene und auch ein wenig für das Hobby der Imkerei interessieren. Was aber sicherlich auch eine Rolle spielt, ist diese neue ökologische Bewegung in der Bevölkerung. Viele Leute konzentrieren sich wieder auf die ursprünglichen Dinge im Leben, wie der Anbau von eigenem Gemüse oder Obst im Garten. Dazu gehört ein Stück weit auch die Imkerei.

Wie geht es den Stolberger Bienen im Moment?

Kittel: Was die Imker in Deutschland unter anderem beschäftigt, ist die Varroa-Milbe. Das ist ein Parasit, der aus Asien eingeschleppt wurde. Die Milben leben auf den Bienen und schwächen sie sehr stark. Und dann gibt es in der Region drei Faulbrutbezirke. Das ist eine Krankheit, die die Brut befällt, die uns schon Sorgen macht. Dann bleibt dem jeweiligen Imker leider oft nichts anderes übrig, als die Tiere zum Veterinär zu bringen, wo sie getötet werden. So wird ein weiteres Ausbreiten der Krankheit verhindert. Betonen möchte ich aber, dass diese Krankheiten nicht auf den Menschen übertragbar sind. Auch auf den Honig haben die Krankheiten keinen Einfluss. Betroffen sind ausschließlich die Bienen selbst.

Wie komme ich als neuer Imker an meine ersten Bienen? Im Supermarkt kann ich mir ja keine kaufen.

Kittel: Am besten kontaktieren Sie dann den Stolberger Imkerverein, wir helfen gerne weiter. In der Regel gibt ein anderer Imker einen Ableger weiter, also eine Jungkönigin mit einem kleinen Stamm, ein paar Waben und Bienenbrut. Diese peppelt man dann im ersten Jahr soweit auf, dass im zweiten Jahr ein ausgewachsenes Volk daraus geworden ist. Und dann sprechen wir schon von bis zu 30.000 Tieren. Und dann können Sie auch Honig ernten.

Was erwartet denn die Besucher ihres Imkertages am Sonntag?

Kittel: Wir möchten gerne einen kleinen Einblick in die alltägliche Arbeit eines Imkers geben. Wir stehen für Fragen zur Verfügung, zeigen unsere Ausrüstung. In einem Schaukasten hinter Glas kann man ein paar Bienen beobachten. Und natürlich kann man auch Honig probieren. Es ist seit Jahren das erste Mal, dass wir so einen Imkertag machen. Ziel ist es, unsere Präsenz ein bisschen zu zeigen und unsere Bekanntheit in Stolberg zu steigern. Ich bin selbst schon sehr gespannt, wie das wird!

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