Im Zweifel immer den Arzt oder Apotheker fragen

Von: Robert Flader
Letzte Aktualisierung:
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Uberfordert mit der Datenflut: Beipackzettel von Medikamenten sind oft unübersichtlich und führen zu falschen Einnahmemengen. Die EU will das in den kommenden anderthalb Jahren Foto: R. Flader

Stolberg. Es gibt diesen einen Spruch, der in Werbefilmen, wo es um Medikamente geht, ganz zum Schluss eingeblendet wird. Ein wichtiger Hinweis, der aber ein bisschen untergeht. Zehn Worte, die viele am Ende eines „Commercials” nicht mehr richtig wahrnehmen: „Bei Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.”

In kaum einem Werbe(zu)satz steckt so viel Wahrheit wie in diesem. Und wenn ihn auch nur ein Bruchteil aller Patienten beherzigen würde, gebe es ein folgenschweres Problem weniger: Laut einer Studie der Europäischen Union liegen nämlich fünf Prozent aller Patienten nur deshalb im Krankenhaus, weil sie falsche Medikamente eingenommen haben - oder richtige Medikamente falsch.

Unendliche Datenflut

Nur, wer kommt schon mit der fast unendlichen Datenflut auf Beipackzetteln klar? Das schnelle Nachschlagen zu Art und Häufigkeit der Dosierung, nicht selten entwickelt es sich zu einer unendlich langen Suche ohne Erfolg. „Schauen Sie”, sagt Hartmut Kleis vom gleichnamigen Gesundheitszentrum, „die Beipackzettel sind fast nie patientengerecht gestaltet. Sie tragen wegen der Vielzahl der aufgeführten Nebenwirkungen in manchen Fällen zum vorzeitigen Absetzen oder gleich zur Nichteinnahme des Medikamentes bei.”

Viele Patienten befürchten, dass Medikamente zu große und zu viele Nebenwirkungen mit sich bringen würden, erläutert Kleis weiter. Es gehe auch um Überzeugungsarbeit, darum, dass der Patient eine Therapiesicherheit habe, so dass er ein Medikament auch richtig einnimmt.

Aus diesem Grund hat das Europäische Parlament im vergangenen Monat einen Vorstoß zur Verbesserung der Patienteninformation auf den Weg gebracht: Es geht darum, dass künftig in einem Internetportal geprüfte, sachliche Informationen - für jedermann zugänglich - bereit gestellt werden.

Damit sollen auch die bisherigen Beipackzettel bei Arzneimitteln einfacher und verständlicher formuliert werden. Grundsätzlich wird die Auflistung vom jeweiligen Gesetzgeber vorgeschrieben.

Auf diese Weise soll, hofft die EU, verhindert werden, dass Kranke nach der Lektüre langer Listen (von Nebenwirkungen) so verschreckt sind, dass sie die Medikamente ohne Rücksprache mit dem Arzt aussetzen. So könnte beispielsweise jeder Beipackzettel eine Art „Steckbrief” enthalten, der die wichtigsten Daten für den Konsumenten kurz und übersichtlich zusammenfasst. Hartmut Kleis ergänzt: „Ein kleiner zusätzlicher Beipackzettel wie bei den Antibaby-Pillen wäre praktisch. Dann wird er zumindest auch gelesen.”

Im Gesundheitszentrum ist bereits ein „Hilfs-System” eingeführt worden: Mit einem Computerprogramm kann über den Bar-Code eines Medikaments innerhalb weniger Sekunden eine Art Kurzinfo erstellt und ausgedruckt werden. Anwendung, Dosierung und eventuelle Nebenwirkungen werden auf einem kleinen Kassenbeleg kurz und knapp zusammengefasst. „Zusätzlich wollen wir die Kunden auch noch intensiver beraten”, sagt Apothekerin Marlene Braun.

Die Vorschläge des Europäischen Parlaments zur Vereinfachung der Beipackzettel sollen in den einzelnen EU-Mitgliedsstaaten innerhalb der nächsten 18 Monate umgesetzt werden.
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