Stolberg - Im Widerstand gegen die Nazis

Im Widerstand gegen die Nazis

Von: Toni Dörflinger
Letzte Aktualisierung:
Der Platz im hinteren Bereich
Der Platz im hinteren Bereich des Kulturzentrums Frankental ist nach dem Kaplan Joseph Dunkel benannt. Er erinnert an sein mutiges Engagement gegen die Nationalsozialisten. Foto: Dirk Müller

Stolberg. Joseph Dunkel war ein Gegner des Nationalsozialismus. Der katholische Priester, der von 1930 bis 1935 als Kaplan in der damaligen Mühlener Pfarrgemeinde St. Mariä-Himmelfahrt wirkte, verfasste Rundbriefe und hielt Predigten, die sich gegen die Machenschaften des NS-Regimes richteten.

Als geistlicher Betreuer oder Präses mehrerer örtlicher Jugendorganisationen versuchte er die verbrecherische Ideologie der damaligen Machthaber zu entlarven, indem er die Mitglieder der ihm anvertrauten Jugendgruppen zur Kritikfähigkeit erzog und sie ermunterte, die Lehren der Nazis nicht kommentarlos hinzunehmen.

Predigtserie

Klar Stellung gegen die Nationalsozialisten und deren Weltanschauung bezog Dunkel während der Karwoche des Jahres 1935. Der mutige Priester, der im Mai 1935 erstmals verhaftet wurde, hatte eine Predigtserie entwickelt, die am Palmsonntag des Jahres 1935 begann und sich an die Adresse der Mühlener Pfarrjugend richtete. So stand der Palmsonntag unter dem Thema „Löschet den Geist nicht aus”. Die folgenden Predigten, die die Abendgottesdienste im Verlauf der Karwoche kennzeichneten, befassten sich unter anderem mit den Themen „Kirche in Fesseln, eine Grundlage”, „Sabotage in der Kirche, eine Aufklärung” und „Fiasko der Kirche, ein Ausblick”.

Wie nicht anders zu erwarten, sorgten die Predigten für Aufsehen. Besonders bei der Jugend stießen die Appelle des couragierten Priesters auf großes Interesse.

Sie sorgten dafür, dass die Abendgottesdienste stets überfüllt waren und Dunkels Aufrufe zum christlichen Bekenntnis weit über Stolberg hinaus bekannt gemacht wurden.

Ihren Höhepunkt erreichte die von Joseph Dunkel gestaltete Karwoche in der Nacht vom Gründonnerstag zum Karfreitag. Die Mitglieder der Sturmschar - die Sturmschar war eine pfadfinderähnliche katholische Jugendgruppe - hatten ihre Fahnen mitgebracht und verbrachten - unterstützt von weiteren, zahlreichen Jugendlichen - die Nacht betend und singend in der Mühlener Kirche. Die kurzzeitige Verhaftung Dunkels führte dazu, dass der beherzte Priester versetzt wurde und danach in der Pfarrgemeinde St. Kornelius in Viersen-Dülken tätig war.

1938 wurde Dunkel erneut verhaftet und zu einer sechsmonatigen Freiheitsstrafe verurteilt.

Nach seiner Haftentlassung - er musste Nordrhein-Westfalen endgültig verlassen - erhielt er einen Seelsorgeauftrag in Schmölln (Thüringen). In den 1940er Jahren musste Joseph Dunkel eine Geldstrafe zahlen, weil er verbotenerweise französische Kriegsgefangene betreut hatte. Nach dem Krieg wirkte der frühere Widerständler als Pfarrer in Kreuzau (1946 bis 1958), in Krefeld-Uerdingen (1958 bis 1969) und Dahlem-Berk (1969 bis 1985).

Als Beitrag veröffentlicht

Veröffentlicht wurde das Wirken des unerschrockenen Priesters in der Schrift: „Zwischen Anpassung und Widerstand - Geschichte der katholischen Pfarreien zu Stolberg”, die von Dr. August Brecher verfasst, als Beitrag zur Stolberger Geschichte und Heimatkunde, 1987 im Auftrage des Kupferstädter Heimat- und Geschichtsvereines herausgegeben wurde.

Joseph Dunkel ist auch der gleichnamige Platz im hinteren Bereich des Kulturzentrums Frankentalstraße gewidmet.
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