Im Tiebreak macht die Vorhand schlapp: TC Blau-Weiß RW Köln

Von: Doris Kinkel-Schlachter
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Der Aufschlag sitzt: Walter Domagalla verliert schließlich im Champions-Tiebreak.
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Der Aufschlag sitzt: Walter Domagalla verliert schließlich im Champions-Tiebreak.
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Der Aufschlag sitzt: Walter Domagalla verliert aber dann im Champions-Tiebreak, während die Kondition Raymond de Waele recht früh verlässt. Foto: D. Kinkel-Schlachter

Stolberg. Die einen ackern und schwitzen in der Sonne, die anderen sitzen bequem im Schatten und genießen kühle Getränke. Aber genauso ist es ja auch gewollt an diesem Mittwochnachmittag auf dem Hammerberg. Pokalspiel ist angesagt. Die Herren 65 schlagen auf, und es treten gegeneinander an: der Tennisclub Blau-Weiß Stolberg gegen Rot-Weiss Köln.

Letztere spielen zwei Klassen höher als die Gastgeber aus Stolberg, nämlich in der Regionalliga. Das wird sich im Verlauf der Spiele auch zeigen, aber später mehr.

Während sich die Männer miteinander bekannt machen und sich auf den drei Plätzen warm spielen, sitzen die Zuschauer auf der Terrasse des Clubheims, fachsimpeln über die bevorstehenden Matches und plaudern bei Sekt und Bier sowie anderen Getränken. Aufgrund einer Verletzung kann Björn Hakansson heute nicht antreten, stattdessen spielen Günter Jussen und Franz Pöschl im Doppel gegen die Kölner Marold Zimmers und Toni Drähne. Im Einzel muss sich auf Platz 4 Blau-Weiß-Vorsitzender Raymond De Waele gegen Fridolin Zimmers behaupten, während Walter Domagalla auf Platz 2 gegen Franz Remy antritt.

„Mann, geh nach vorn!“

Oberhalb der Plätze gibt es Sitzgelegenheiten, aber die meisten Zuschauer haben es sich am Clubheim gemütlich gemacht und haben von hier oben freie Sicht auf „ihren“ Vorsitzenden. Der hat´s schwer mit seinem Gegner. Die Männer hauen sich die Tennisbälle um die Ohren, aber Gegner Zimmers hat während der beiden Sätze schließlich doch den längeren Atem. „Raymond, Mann, geh nach vorn“, ruft ein Mann, während sein Sitznachbar „Hoch auf dem gelben Wagen“ summt und De Waele den Tipp gibt, „spiel die hohen Bälle, die kann er nicht“. Der Blau-Weiß-Spieler stöhnt und gibt ein kräftiges „Mann“ von sich, schließlich noch ein leiseres „der ist einfach zu gut“.

So langsam geht die Puste aus, der Abstand wird größer, und schließlich muss De Waele sich geschlagen geben: 4:6 und 1:6 lautet das Ergebnis, Durchmarsch für den Gegner aus Köln. „Muss man dich jetzt trösten“, fragt Pressewartin Astrid Braun den Verlierer mitfühlend. Doch der sagt selbstbewusst: „Nein danke. Wenn man gegen solche Leute gewinnt, spielt man wo anders!“

Ähnlich mies – punktemäßig gesehen – geht es auf Platz 3 zu. Günter Jussen und Franz Pöschl haben es schwer gegen die Herren aus der Domstadt. Einer der beiden, Marold Zimmers, hat sich heute richtig warmspielen können, ein Match in Bad Neuenahr stand an. „Ich musste in Stolberg einspringen, weil einer von uns kurzfristig ausgefallen ist“, sagt er am Ende der Partie. Auch hier heißt es 4:6 und 1:6, „es war eine recht einfache Partie, wir hatten anfangs lediglich Probleme mit den ‚Head’-Bällen, weil wir die ganze Woche mit ‚Dunlop‘ gespielt haben.“ Aha, Filzkugel-Fachgeplänkel…

Apropos Bad Neuenahr: Auch Zimmers‘ Bruder Fridolin – der Gegner von De Waele – stand dort am Dienstag noch auf dem Platz. Er schaffte es bei den Deutschen Tennismeisterschaften der Senioren, sie gehören zu den größten weltweit, bis ins Halbfinale und musste sich dort gegen Europameister Klaus Haas geschlagen geben. Kein Wunder, dass der BW-Vorsitzende sich von Zimmers wegfegen ließ ohne rot zu werden. Da tut‘s auch nichts mehr zur Sache, dass der Gegner mit knapp 75 ein paar Jahre mehr auf dem Buckel hat.

„Der trainiert nie.“

Zwei Sätze müssen gewonnen werden bei diesem Pokalspiel auf dem Hammerberg, zwei Sätze, die die Kölner nach einer guten Stunde klar für sich entscheiden. Nur ein Stolberger bleibt heute standhaft, und das über anderthalb Stunden: Walter Domagalla. Er lässt sich nicht so leicht unterbuttern. Zwar machen ihm die kurzen Bälle des Gegners zu schaffen, aber das lässt er ihn auch hören und schließlich spüren, indem er ihm mit ebenfalls kurzen Wechseln antwortet: „Das hat noch keiner geschafft in 50 Jahren mich so zu verarschen. Dann mache ich das jetzt auch!“

Zuschauer und Mitglied Helmut Braun lächelt: „Zu den Medenspielen kommt Walter immer, aber mehr auch nicht. Der trainiert nie.“ Vielleicht hätte er das für dieses Match doch tun sollen. Nach einem gewonnen ersten Satz (6:4) verliert Domagalla den zweiten Satz mit 3:6. Trinken, Schweiß abtupfen, und dann ist er da: der Champions-Tiebreak. Statt eines dritten Satzes gilt es jetzt, zehn Punkte zu erreichen, gerade für die älteren Herren ist diese jüngst vom DTB vorgenommene Änderung sicherlich die angenehmere Variante, weil sie die körperlichen Strapazen eines dritten Satzes nicht mehr auf sich nehmen müssen. Alle Augen sind auf Platz 2 gerichtet, auch wenn jetzt schon klar ist, dass der TC Blau-Weiß verloren hat, so geht es doch noch um einen möglichen persönlichen Sieg.

Mit 4:7 im Rückstand schafft Walter Domagalla es noch aufzuholen, doch bei 6:8 ist Schluss, mehr ist nicht drin. Mit 6:10 muss er sich geschlagen geben. Lachen kann er zwar noch, aber zufrieden ist er nicht. „Der Gegner hat mir gelegen, aber ich war mit mir selbst nicht im Reinen“, erklärt er nach der Zitterpartie. Die Lichtverhältnisse – gerade bei den unteren Plätzen sind die Licht- und Schattenkontraste extrem wegen des Baumbestandes – hätten ihm zu schaffen gemacht, und seine Vorhand habe nicht so geklappt. „Aber in dem Alter ist das schon in Ordnung“, sagt Domagalla zwinkernd.

Während sich Gastgeber und Gäste zum gemeinsamen Abschlussessen zusammenfinden, kann sich Björn Hakansson einen kleinen Seitenhieb nicht verkneifen: „Wenn ich mit Walter im Doppel gespielt hätte, wäre uns der Sieg sicher gewesen.“ Ja, ja, die einen ackern und schwitzen, die anderen sitzen bequem da und haben gut reden...

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