Im Steinweg den Wünschen des Bürgermeisters gefolgt

Von: Toni Dörflinger
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Alter Stil für neue Gebäude: Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Eckbereich Steinweg / Stielsgasse baulich verändert. Foto: T. Dörflinger

Stolberg. Den Abriss des Altgebäudes hatte die Stadt Stolberg bezahlt: Als Bäckermeister Konrad Bock Anfang des 20. Jahrhunderts an der Ecke Stielsgasse/Steinweg ein Gebäude beseitigen ließ, entsprach er einem Plan, der von Bürgermeister Werner Fleuster voran getrieben wurde.

Fleuster beabsichtigte eine Begradigung der Straßenfront und bemühte sich um eine verkehrstechnische Lösung. Denn das dem Bäcker gehörende Gebäude ragte weit in den Steinweg hinein und erschwerte die Einfahrt in die Stielsgasse. Und so errichtete Bock den 1905 in Angriff genommenen Neubau Steinweg 39 um einige Meter zurück versetzt.

Doch mit dem Bock-Neubau war das Problem an der Ecke Stielsgasse/Steinweg noch lange nicht gelöst. Auch die an der Stielsgasse liegenden Gebäude, die von dem Schlossermeister Peter Haas genutzt wurden, standen dem von Fleuster forcierten Vorhaben im Wege.

So kümmerte sich Haas darum, der an der Stielsgasse eine Eisenwarenhandlung betrieb, dass ein weiteres dem Straßenverkehr im Wege stehendes Gebäude beseitigt und durch einen Neubau ersetzt wurde. Das Grundstück gehörte aber nicht Haas, sondern einer Frau, die in den Akten des Stadtarchivs als Witwe Albert Stiel bezeichnet wird.

So ist es nachvollziehbar, dass als Auftraggeber des 1907 fertiggestellten Gebäudes nicht Haas, sondern die Witwe Stiel genannt wird: Vermutlich hat die Familie Stiel der Straße ihren Namen gegeben. Um das äußere Bild zu vervollständigen, musste eine an der Ecke Steinweg/Stielsgasse klaffende kleine Baulücke geschlossen werden.

Diesen Lückenschluss erledigte ebenfalls Konrad Bock, indem er einen weiteren Neubau errichtete. Allerdings hatte Bock nun eine alte Einfahrt zugebaut, die einst seine im hinteren Bereich liegende Backstube mit der Stielsgasse verband. Später verkaufte Konrad Bock das Eckgebäude und überließ es Magda Könn, die in der Nachkriegszeit das Erdgeschoss als Verkaufsraum für Schuhe nutzte.

Die drei im Zeitraum von 1905 bis 1907 errichteten Bauten wirken wie aus einem Guss. Dass dieser Eindruck nicht täuscht, stellt der aus Stolberg stammende Architekt und Bauunternehmer Carl Peltzer unter Beweis. Er hat nämlich die prächtigen Gebäude errichtet.

Ein Stilmix, der mehr dem Historismus zuzuordnen ist, prägt die Gebäude Steinweg 39 - 41, die von Turmhauben verzierte Erker, Balkone und plastischem Schmuck aufweisen.

Ein Jugendstilbau ist das Gebäude Stielsgasse 1. Das einst als Geschäftslokal genutzte Gebäude - unter anderem befand sich dort lange Zeit die Firma Notthoff, die im Erdgeschoss Herde und Öfen sowie Haus- und Küchengeräte verkaufte - ist im Dachbereich von einer großen, stilisierten Sonne geschmückt. Des weiteren sorgen florale Elemente und Majolikafliesen für eine klare, vom Jugendstil geprägte Formensprache.

Auch wenn wechselnde Inhaber die Nutzung der Geschäftslokale immer wieder verändert haben, sind die Eigentumsverhältnisse doch weitgehend gleich geblieben. So befindet sich das Gebäude Steinweg 39 nach wie vor im Besitz der Familie Bock-Hommes, und der Bau Stielsgasse 1 gehört seit Ende der 1920er Jahre der Familie Notthoff.
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