Im Steinbruch ist der Uhu verschwunden

Von: Sarah Maria Berners
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Schutzgebiet Bernhardshammer: Abseits der Wege gehen ist verboten. Trotzdem haben moderne Schatzsucher in der Steilwand des ehemaligen Steinbruchs Verstecke angebracht. Den Uhu haben sie damit vergrault. Die Städteregion sucht den Dialog. Foto: Sarah Maria Berners

Stolberg. Schnitzeljagd war mal - heute liegt Geocaching im Trend. Und das nicht nur bei Kindern. Die Faszination der Schatzsuche reizt auch Erwachsene. Schließlich gehen die modernen Schatzjäger, die Geocacher, mit GPS Geräten auf die Suche und lassen sich von Satelliten durch den Koordinatendschungel leiten.

Doch in letzter Zeit bereiten die Geocacher der unteren Landschaftsbehörde (uLB) Kummer. „Verschiedene Verstecke liegen mitten in Naturschutzgebieten, weit außerhalb von Wegen”, sagt Richard Bollig von der uLB. „Naturschutzgebiete sind dafür aber einfach zu wertvoll.” Und das gilt auch für alle anderen Menschen, für Mountainbiker oder Hundehalter.

Uhus vergrault

Drei solcher Schätze, in der Szene werden sie „Cache” genannt, waren im ehemaligen Steinbruch Bernhardshammer versteckt. Der ist aber Naturschutzgebiet und abseits der Wege darf dort niemand gehen. Das hat die Geocacher aber zunächst nicht davon abgehalten, ihre Schätze dort zu verstecken. Und die Zahl der Geocacher ist in den letzten Jahren gewaltig gestiegen. Von 120.000 Verstecken und etwa 45.000 Schatzsuchern spricht Jörg Bertram, Geschäftsführer der Deutschen Wanderjugend, die die Internetseite http://www.geocaching.de betreibt.

Ein Versteck der Cacher lag inmitten einer Steilwand und musste laut Umweltamtsleiter Thomas Pilgrim sogar erklettert werden. Dem dort brütenden Uhu-Paar hat das nicht gefallen. Die seltene Eulenart sei, so Pilgrim, verschwunden. Das hat die Landschaftsbehörde auf den Plan gerufen.

Dabei beteuern die Mitarbeiter, dass es ihnen keineswegs darum geht, den Geocachern den Spaß zu verderben. „Das Hobby Geocaching ist sehr naturbezogen, wir wollen das auch gar nicht verhindern”, sagt Umweltamtsleiter Thomas Pilgrim. Es sei aber wichtig, die unter Naturschutz stehenden Flächen mit Respekt zu behandeln. Um die Schatzsucher für den Naturschutz zu sensibilisieren, suchen haben sie den Dialog mit den Geocachern gesucht.

Der für Stolberg zuständige ehrenamtliche Landschaftswart Andreas Koch ist viel in den Internetforen der Geocacher unterwegs gewesen, um die Schatzjäger für das Thema Umwelt- und Naturschutz zu sensibilisieren.

Dort erklärt er den Geocachern wie sie die Natur gefährden. Einige Geocacher schlagen vor, im Internet konkrete Informationen über die Beeinträchtigung von Tier- und Pflanzenwelt am Ort bereitzustellen. Konkrete Beispiele eben, wie das Uhu-Paar oder die Fledermäuse.

„Die leben nämlich in Höhlen und Bunkern. Und wenn sie im Winterschlaf durch Licht und Körperwärme geweckt werden, kann das für sie den Tod bedeuten”, erklärt Bollig.

Nicht alle Cacher reagieren mit Verständnis. Einige glauben nur, dass man ihnen den Spaß verderben möchte. Andere aber können Koch und Bollig erreichen. „Ich finde es gut, dass wir als Geocacher auf die mögliche Gefährdung der Natur hingewiesen werden”, schreibt etwa Clemens Bauer im Internetforum.

Jörg Bertram von der Wanderjugend will das Geocaching auch als Chance verstanden wissen. „Es sind gerade diese Verstecke, durch die viele junge Menschen sich wieder an der frischen Luft bewegen und dadurch kann auch Verständnis für den Naturschutz geweckt werden.” Diese Chance hat auch die untere Landschaftsbehörde erkannt.

„Das Geocaching ist eine tolle Möglichkeit, Jugendliche und junge Erwachsene wieder für die Natur zu begeistern”, findet Richard Bollig. „Die Verbindung von Technik, Naturerlebnis und Schatzsuche kann die computerbegeisterte Generation viel eher erreichen als eine Wanderung mit den Eltern.”

Geocaching als Chance

„Auf den Seiten der Geocacher gibt es jetzt schon viel mehr Informationen über den Naturschutz”, freut sich Bollig. Viele Dinge könnten die Leute ja auch nicht wissen. Zum Beispiel, dass das Rotkehlchen ein Bodenbrüter ist”.

Und auf der Suche nach dem Schatz abseits der Wege können Geocacher diese Tiere vertreiben. Bollig will weiterhin den Dialog mit den Geocachern suchen. Einfach Verstecke entfernen liegt ihm fern. „Für Caches in besonders sensiblen Gebieten können wir gemeinsam vielleicht Ersatzorte finden. Es gibt viele geeignete und dennoch interessante Gebiete.” Und dann müssten noch die Koordinaten aus den Internetseiten entfernt werden.” Das wäre nicht das erste Mal, das ein Cache verschwindet. „Wir konnten schon viele solche Fälle im Dialog klären”, erzählt Jörg Bertram. „Vieles passiert eben aus Unwissenheit. Nicht jeder kennt alle Schutzbestimmungen.” Deswegen sei die Aufklärung ja auch so wichtig.
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