Im Sägewerk laufen die alten Maschinen

Von: Esther Kellen und Wolfgang Weber
Letzte Aktualisierung:
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Im Museum ein Spielgerät: Der Brennstempel dient seit eh und je als Markierung für gefällte Holzstämme. Foto: E. Kellen

Stolberg-Zweifall. Dass nun eigentlich Mittagszeit wäre, merken die Arbeiter im Museumssägewerk einzig an ihrem Magen. Denn hier gibt es keine Sirene, die zur Pause ruft. Sonst sieht aber alles so aus, wie man es von einem Sägewerk erwarten kann, jedenfalls von einem, das bereits museumsreif ist.

Groß ist der Andrang zum Tag der offenen Tür, mit dem das neue Museumssägewerk am Forsthaus in Zweifall für die Bevölkerung eröffnet wird. Bereits am Morgen drängen sich die Menschen in das kleine Sägewerk hinein um nicht zu verpassen, wie Bruno Kettenus und seine Kollegen mit Gatter- und Bandsäge dem Holz zu Leibe Rücken. Nach einigen kleinen Startproblemen läuft das gute Stück schließlich einwandfrei.

Begeistert sehen die Gäste zu, wie der dicke Baumstamm sich nach und nach in schmale Bretter verwandelt. Dazu ist bei den Museumsmaschinen noch viel Körpereinsatz nötig. Heute geht alles einfacher, vieles gar per Knopfdruck. Für Bruno Kettenus ist das jedoch nichts. „Ich mag die alten Maschinen viel lieber”, hält er überzeugt an der alten Technik fest. „Diese Maschinen laufen bestimmt noch, wenn die modernen schon längst den Geist aufgegeben haben.”

Bereits am Samstag war unter lautstarkem Beifall der vielen geladenen Gäste das Museums-Sägewerk eröffnet worden. Pünktlich vor dem Festakt kam per Post der Bescheid des Amtsgerichtes und bestätigtedie Eintragung des Fördervereins in das Vereinsregister. „Und Donnerstag wurde uns die Gemeinnützigkeit anerkannt”, freute sich Forstdirektor Robert Jansen als Vorsitzender des Vereins.

Der Regionalforstrat für Rureifel-Jülicher Börde, Konrad Hecker, unterstrich die Bedeutung der ehrenamtlich tätigen Mitglieder: „Durch ihr Engagement haben Sie diesen Erfolg möglich gemacht”. Zur Abrundung erinnerte der Vorsitzende Robert Jansen in einem Bildervortrag an die einzelnen Etappen des Museumsbaus. „Wenn etwas nicht passt nimmt der Forstwirt seine Kettensäge und macht es passend”, erzählte er schmunzelnd von gelösten Schwierigkeiten der Bauphasen.

Im Nebenraum zum eigentlichen Sägewerk findet am Sonntag so mancher Zweifaller seinen Großvater verewigt. Denn hier wird die Geschichte Zweifalls, die schon immer von der Holzverarbeitung geprägt war, durch Fotos veranschaulicht. Im Zelt hinter dem Sägewerk warten Kuchen und Suppe auf die Gäste. Die Kinder können sogar selbst Hand an das Holz legen, Osterhasen aus Baumstämmen verzieren oder Muster in Holzscheiben einbrennen.

Damit das Holz überhaupt verarbeitet werden kann, muss es jedoch zuerst aus dem Wald geholt werden. Vom Baum bis zum Möbelstück sind viele Arbeitsschritte nötig, die beim Tag der offenen Tür anschaulich erklärt werden. Auf dem offenen Wagen hinter dem Traktor oder in Kleintransportern machen sich die Besucher auf in den Wald, wo die Forstarbeiter bereits auf sie warten. Revierleiter Walter Pilgram führt seine Gruppe zu den verschiedenen Stationen.

Zunächst erfahren die Gäste, wie die motormanuelle Holzernte funktioniert. Forstwirtschaftsmeister Gottfried Koll und seine Auszubildenden müssen kräftig anpacken, bis der Baum fällt. Ohne Körpereinsatz läuft nichts. Schließlich muss der gefällte Baum zwischen den anderen hindurch gezogen werden, manchmal bleibt er in den Zeigen der anderen Bäume hängen. Fünf Auszubildende sind derzeit im Zweifaller Forst beschäftigt. Sehr zur Freude des Forstwirtschaftsmeisters befindet sich darunter auch eine junge Frau. „Das ist wunderbar für das Betriebsklima”, weiß Koll die weibliche Unterstützung zu schätzen.

Auch heute noch werden Pferde eingesetzt, um die Stämme aus dem Wald zu transportieren. Und so hat Albert Schönen viel zu tun mit seinem Kaltblüter. Dieser ist mit vier Jahren noch in der Ausbildung, gehorcht aber aufs Wort, also wird der schwere Stamm ohne Probleme bis zur nächsten Station transportiert. Mit Pferdezugkraft wurden nämlich früher die Stämme auf den Abfuhrkarren gehievt. Über eine schiefe Ebene konnte das Holz ohne Probleme auf den Wagen gerollt werden.

Auch die Holzernte hat sich zum Teil verändert. Längst sind nicht nur die Forstwirte mit ihren Motorsägen im Wald zu finden, sondern auch der so genannte „Harvester”. Diese vollautomatische Erntemaschine fällt nicht nur den Baum, sie entastet, schält und zersägt ihn auch. Zum Schutz des Bodens darf die Maschine nur in speziellen Bereichen fahren.

Staunend stehen die großen und kleinen Schaulustigen um den Harvester herum. Wer möchte, darf sogar auf das große Gerät klettern und einen Blick in die Fahrerkabine werfen.
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