Stolberg - Im Mausbacher Dorfarchiv auf den Spuren verstorbener Vorfahren

Im Mausbacher Dorfarchiv auf den Spuren verstorbener Vorfahren

Von: Ottmar Hansen
Letzte Aktualisierung:
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Reiner Sauer hilft bei der Forschung nach Ahnen aus der Familie. Er hat mehr als 70.000 Namen auf seinem Computer gespeichert. Foto: O. Hansen
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Auch Fotos und Namen von Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg sind im Mausbacher Archiv gesammelt.

Stolberg. Jessica Winkhold will wissen: Woher stamme ich? Wer sind meine Vorfahren? Wer gehört zu meiner Familie? So wie die junge Dame aus Mausbach blättern an diesem Nachmittag zahlreiche Neugierige in den dicken Akten des Mausbacher Dorfarchivs.

Viele Namen, Bilder und Geschichten sind hier gesammelt. Womöglich auch Dokumente zur Familie Winkhold. Hilfe leistet Reiner Sauer, Leiter der Westdeutschen Gesellschaft für Familienkunde, Bezirksgruppe Aachen. Der Ahnenforscher aus Schevenhütte hat seinen Laptop dabei. 75.000 Namen sind auf dem Computer gespeichert. Sauer gibt den Namen Winkhold ein. Ein Mausklick, und schon erscheinen zehn Generationen der Familie auf dem Bildschirm. Nicht nur Jessica Winkhold ist beeindruckt.

Auf der Festplatte

Vor allem die Namen von ehemaligen Bewohnern der früheren Gemeinde Gressenich sind auf der Festplatte des Rechners gespeichert. Und die Geschichte Gressenichs reicht weit zurück. Im Jahr 1755 wurde hier ein Stein gefunden, auf dem die Namen von Personen des römischen Crasciniacum (Gressenich) eingraviert waren. Gestiftet wurde der Stein 238 nach Christus von dem Römer Marcer Acceptus. So viel ist jedenfalls in den Unterlagen der Mausbacher Historiker bis heute dokumentiert.

„Wir tragen alle Personendaten zusammen, egal ob auf Papier oder auf Stein“, schmunzelt Reiner Sauer. Und bei ihrer Forschung nach den Ahnen finden die Hobby-Historiker fast immer etwas. Sauer: „Ich bin noch in keinem Haushalt gewesen, ohne dort Informationen über Vorfahren zu finden. Da sind meist zahlreiche Fotos, die Pässe der Eltern, ihre Geburtsurkunden – und schon ist man zumindest bei der Generation der Großeltern. Da gibt es Totenzettel in Gebetbüchern. Und sofort ist zumindest ein Teil der Ahnenliste da.“

Sauer verweist auf neue Verordnungen: „Seit 2009 gibt es ein neues Gesetz, wonach Sterbeurkunden schon nach 30 Jahren für Archive freigegeben werden müssen, Heiratsurkunden nach 80 Jahren, Geburtsurkunden nach 110 Jahren. Vorher werden sie nur für enge Verwandte herausgegeben.“ Zeitaufwendig ist natürlich, die neuen Erkenntnisse in die Datenbank einzupflegen.

Während Sauer die Ahnengalerie der Familie Winkhold erstellt, suchen die übrigen Besucher des Archivs an diesem Nachmittag nach Dokumenten, die vielleicht Aufschluss über den Verbleib von vermissten Angehörigen geben könnten. In den Ordnern sind nämlich unter anderem Fotos und Sterbeurkunden von Wehrmachtssoldaten aus der Stolberger Region abgeheftet.

Der kleine Kellerraum im Jugendheim gleich neben der Mausbacher Kirche ist voll besetzt. Ein Besucher hat ein Foto mitgebracht. Es zeigt junge Menschen, die sich zum Abschluss ihrer Schulzeit haben ablichten lassen. Die Schwarz-Weiß-Aufnahme ist schon etliche Jahrzehnte alt und nicht mehr ganz frisch. Wer kennt die Menschen, die auf dem Foto abgelichtet sind? So langsam kommen bei anderen Besuchern des Archivs die Erinnerungen wieder: „Das ist doch die Frau Schumacher“, ist sich einer sicher. Ein anderer steuert die Erkenntnis bei: „Das ist doch der, der mal die Tankstelle hatte. Der ist schon tot.“ Alle sind sich auf jeden Fall einig: „Als dieses Foto entstanden ist, waren wir noch jung!“

Alles gesammelt

Willi Hamacher hat seinerzeit begonnen, das Mausbacher Archiv anzulegen. Er sammelte alle Unterlagen, die er bekommen konnte. Darunter Informationen über Soldaten, die beim Kampf am Westwall gefallen sind, Fotos vom Abtransport der Glocken der Mausbacher Kirche im Jahr 1942 und zur Montage der Glocken nach dem Krieg. Alle Infos hatte Hamacher auf kleinen Zetteln notiert. Als Willi Beissel vom Arbeitskreis Dorfarchiv die gesammelten Unterlagen übernahm, wartete eine Menge Arbeit auf ihn. „Mir wurden alleine 7500 Bilder übergeben. Ich hatte alles voll im Haus mit den geschichtsträchtigen Unterlagen“, so Beissel, der die Arbeitskreis-Leitung aus Altersgründen demnächst an Bernd Kreutz weiter geben wird.

Und heutzutage besteht ein modernes Archiv nicht mehr aus Blättern, Zetteln oder Papierfotos. Alles wird auf Computern gespeichert und ist so rascher abrufbar. Da bleibt bei der Übertragung von Ordner-Inhalten auf den Rechner noch einiges an Arbeit übrig. Jessica Winkhold hat mehr Glück. Ihre Daten sind bereits auf der Festplatte. Sie kann sich demnächst einen „Stammbaum“ im Wohnzimmer aufhängen.

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