Im Kleiderladen des SkF geht es um mehr als Kleider

Von: Valerie Barsig
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Engagement ist für sie selbstverständlich: Sabine Marutschke nimmt sich Zeit für ihre Kunden. Gemeinsam mit neun ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen berät sie beim Kleiderkauf im Laden des Sozialdienstes Katholischer Frauen. Foto: Valerie Barsig
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Werden gern entgegengenommen: Kinderschuhe als Spende für den Kleiderladen.

Stolberg. Während der Geburt seines Kindes hat er die Bomben fallen gehört. Es ist nur eine der Geschichten, die Sabine Marutschke jeden Tag begegnen. Es ist die eines Flüchtlings aus Syrien, der mit seiner Frau und dem Baby zu ihr in den Kleiderladen kam.

Den Laden des Sozialdienstes Katholischer Frauen (SkF) in der Kupfermeisterstraße gibt es seit rund 45 Jahren. Hierher kommen Menschen aus Stolberg, Eschweiler und in der letzten Zeit auch Flüchtlinge, die sich einen Besuch in einer Boutique oder einem Kaufhaus nicht leisten können. Drei Euro kostet eine Jeans im Laden, viele Menschen aus Stolberg und der Umgebung spenden Kleidung für das Geschäft. Und der Service in geht über das hinaus, was ein normaler Verkäufer leistet.

„Wir haben ein offenes Ohr für unsere Kunden und nehmen uns hier die Zeit, auch mal mit den Leuten zu reden. Wer in einem normalen Bekleidungsgeschäft arbeitet, hat für so etwas keine Zeit“, sagt eine der ehrenamtlichen Verkäuferinnen, die ihren Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte. Zwei Stunden pro Woche arbeitet sie im Kleiderladen.

Das ehrenamtliche Engagement ist für sie selbstverständlich. Die Idee in dem Laden zu arbeiten kam ihr, als sie Kleidung spendete. Erstmal habe sie sich gar nicht getraut zu fragen. „Beim nächsten Mal dachte ich mir: ‚Jetzt machst du das einfach‘.“

Auch sie hat eine dieser Geschichten parat, die sie im Laden jeden Tag hören. Als eine Mutter mit ihrer elfjährigen Tochter in den Laden kam, war sie berührt von der Bescheidenheit des Mädchens. „Das war ein so liebes Kind. Ihre Mutter hatte nur Geld für zwei oder drei Teile und die Kleine hat sich so bescheiden die Sachen ausgesucht. Da muss man sich mal vor Augen führen, wie unsere Kinder aufwachsen.“

Neun ehrenamtliche Mitarbeiter arbeiten in dem Laden, Sabine Marutschke ist fest angestellt. Eine Hälfte des Regals mit Kindersachen hat sie bereits aufgeräumt: Ordentlich Ecke auf Ecke gefaltet liegen Hemden, T-Shirts und Kinderhosen da. Die andere Seite des Regals ist noch unordentlich. „Da muss ich noch ran“, sagt Marutschke.

Ihr ist es wichtig, den Leuten, die in den Laden kommen, das Gefühl zu geben, willkommen zu sein. „Manchmal kommen sie sehr verschüchtert hier rein“, sagt sie. Einige begleitet sie schon seit Jahren. Viele von ihnen sind Frauen mit Migrationshintergrund. „Eine habe ich kennengelernt, da trug sie ihr Baby noch in der Tragetasche mit hier rein. Heute läuft das Mädchen an Mamas Hand nebenher.“

2563 Kunden kamen im vergangenen Jahr in den Laden. Aber auch viele, die Kleidung abgeben wollten. Oft seien die Leute froh, dass sie ihre Sachen spenden können. „Da hängen ja auch Erinnerungen dran. Die Menschen freuen sich, wenn die Sachen noch verwendet werden“, sagt Marutschke. Sie kenne viele der Spender schon lange, denn oft kommen sie regelmäßig.

Kleidung wird sortiert

Wenn auf ihrem Tisch ein neuer Berg Klamotten liegt, muss sie erstmal sortieren. In einem der vier Räume des Geschäftes werden die neuen Hosen, Blazer und Hemden genau unter die Lupe genommen. Was kann man noch gebrauchen, wo sind Flecken drauf, was ist kaputt? Zeit zum Waschen oder Flicken ist im Kleiderladen nicht. Was nicht verwendet werden kann, wird entsorgt. Auch an diesem Tag liegt ein Klamottenberg auf dem Tisch. Aber auch zwei Squash-Schläger sind abgegeben worden. Im Geschäft gibt es neben Kleidung auch Stofftiere und Spiele für Kinder.

Die Mitarbeiterinnen des Kleiderladens arbeiten eng mit der Beratungsstelle des SkF zusammen, die im gleichen Haus ist. Schnelle und unkomplizierte Hilfe soll so möglich gemacht werden.

Gerade rüsten sie von Winter- auf Sommerkleidung um. Sabine Marutschke nimmt eine der Tüten in die Hand. „Es ist jedes Mal spannend was darin ist. Wie bei einer Wundertüte.“ Wenn sie die Tüte ausgepackt hat, wird sie sich wieder an das Regal machen und die restlichen Sachen darin falten. Denn sie will, dass sich ihre Kunden sofort wohlfühlen, wenn sie den Laden betreten. „Und am Schluss sollen sie zufrieden wieder nach Hause gehen.“

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